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Mi., 30.09.2015

Anwohner des Wohnparks West wegen Flüchtlingshäuser besorgt Krisensitzungen im Rathaus

Der seit Jahren leere Wohnblock (Haus 1 und 2) an  der Pömbser Straße soll   Unterkunft für Flüchtlinge   werden, hier die Anwohner  Uwe Behrendt, Tanja Klingenhagen mit Tochter Celine  und Ingrid  Doktor.     

Der seit Jahren leere Wohnblock (Haus 1 und 2) an der Pömbser Straße soll Unterkunft für Flüchtlinge werden, hier die Anwohner Uwe Behrendt, Tanja Klingenhagen mit Tochter Celine und Ingrid Doktor.     Foto: Michael Robrecht

Von Michael Robrecht

Nieheim (WB). Im Nieheimer Rathaus haben sich Dienstagabend die Fraktionsvorsitzenden von CDU, SPD, UWG sowie die FDP hinter Bürgermeister Rainer Vidal und seine umstrittene Entscheidung gestellt, zwei Frauen die städtischen Wohnungen zu kündigen, um dort Asylbewerber unterzubringen. Das Thema macht weiter bundesweit Schlagzeilen.

Für Mittwochvormittag wurde eine Erklärung der Parteien angekündigt. Hans Wessler (UWG) sagte dem WESTFALEN-BLATT, dass es    juristische Unterstützung für die Bewertung der Verwaltung gebe. Die Kündigungen wegen Eigenbedarfs seien demnach rechtens. Es gebe dazu ein Urteil, wies er die Forderung des Mieterbundes zurück, man müsse die Verwaltungsentscheidung zurücknehmen.

Bei einer weiteren Besprechung mit 50 Anwohnern, Eigentümern und Mietern ging es gestern Abend um den  umstrittenen Kauf von zwei Häusern von Alhard Ruberg (Wohnpark 1 und 2). Zwölf Wohneinheiten sollen dort für Flüchtlinge umgebaut werden. Der Rat hatte den Vorvertrag zum Kauf gebilligt, erste Handwerker wurden in den Gebäuden tätig. Die Stadt will mit den neuen Wohnungen in der 1972 gebauten und 1993 von den Briten aufgegebenen Kasernen-Unterkünften für das Depot Bilster Berg ihren Flüchtlings-Wohnraumbestand erweitern.

In der Versammlung wurde auch das Sicherheitskonzept der Stadt für die neuen Flüchtlingshäuser erläutert. Ausreichende Erfahrungen habe man schon bei der Belegung des Weber-Hauses gemacht, so die Stadt, die die Bürger zu beruhigen versuchte.

Massive Kritik an der Belegung der Wohnparkhäuser am westlichen Stadtrand von Nieheim äußerten einige Anwohnerinnen. Tanja Klingenhagen (33) kann nicht nachvollziehen, dass in einer ruhigen Wohngegend, wo in neun von 23 Wohnungen alleinerziehende Frauen lebten, möglicherweise in Kürze unzählige junge Männer aus aller Welt untergebracht werden sollen. »Wir haben Angst«, sagte die Nieheimerin dem WESTFALEN-BLATT vor der Informations-Versammlung.

Wenn dort Familien einzögen, wären die Probleme vielleicht nicht so groß, aber  eine große Anzahl Männer würden den Frauen, die minderjährige Kinder hätten, viele  Sorgen machen. Tanja Klingenhagen, die sich auch für etliche ihrer Nachbarinnen äußerte, will erreichen, dass in die beiden Häuser keine Flüchtlinge einziehen. Sie habe auch Befürchtungen, es komme zu Sachbeschädigungen, und für Mädchen seien möglicherweise Dutzende junge Männer in einer Straße nicht sehr angenehm. Die Gegend sei für Asylbewerber schlichtweg nicht geeignet.

Die Stadt solle die Sorgen der Anwohner ernst nehmen, forderte sie in der Anwohnerversammlung, die nicht öffentlich war. Man habe nichts gegen Flüchtlinge und Ausländer, nehme für sich aber das Recht in Anspruch, auf die besonderen Problematiken in dieser Nieheimer Wohngegend und auch an den anderen Stellen der Stadt hinzuweisen, sagte die Mutter einer fünfjährigen Tochter.  Auch müsse eine klare Abtrennung zu den Nachbarn, vielleicht durch Zäune, hergestellt werden.

Die Stadt Nieheim hatte bisher das Konzept verfolgt, die mehr als 70 Asylbewerber möglichst in der Kernstadt dezentral unterzubringen, um ihnen fußläufig Einkaufsmöglichkeiten oder Arztbesuche zu ermöglichen.

Leerstand in Nieheim

Dass es in Nieheim reichlich Häuser- und Wohnungsleerstand gibt (mehr als 40 Gebäude) und die Stadt die unbewohnten Häuser vermarktet, macht die Belegung mit Flüchtlingen nicht einfacher. Stadtheimatpfleger Ulrich Pieper weist darauf hin, dass viele der leeren Gebäude sehr alt seien und für viel Geld renoviert werden müssten. Die abgängigen Gebäude könnten nicht einfach so angemietet werden. Das sei übrigens nicht nur ein Nieheimer Problem. Der Stadtheimatpfleger sagte, dass alle von der aktuellen Asyl-Problematik sehr überrascht worden seien.

Hans Wessler, der auch einen Teil des Wohnparks West besitzt, meinte, dass es in Nieheim viele positive Beispiele gebe, bei denen  Flüchtlinge Wohnungen bekommen hätten und auch gut betreut und aufgenommen worden seien. Man müsse die Frauen am Wohnpark im Vorfeld der Flüchtlingsaufnahme beruhigen und ihr Sicherheitsbedürfnis ernst nehmen.

Dass sich Asylbewerber in Nieheim wohlfühlen, das sehen Rat und Verwaltung als wichtiges Ziel an. Wie das funktioniere, hätte die Zeit  der Weber-Haus-Nutzung gezeigt, sagten Ratsmitglieder. Bei dem nicht öffentlichen Treffen gestern Abend im Nieheimer Rathaus  diskutierten 50 Mieter, Hauseigentümer und Ratsherren sehr lebhaft. Die Stadt will heute ein Gesprächsergebnis veröffentlichen.

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