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So., 07.02.2016

Historisches Fachwerkgebäude neben Rathaus zerstört – Rosenmontagsumzug findet statt - Video Ratskrug in Nieheim abgebrannt

Der Ratskrug in Nieheim, gleich neben dem Weserrenaissance-Rathaus in der Innenstadt gelegen, ist in der Nacht zum Sonntag abgebrannt.

Der Ratskrug in Nieheim, gleich neben dem Weserrenaissance-Rathaus in der Innenstadt gelegen, ist in der Nacht zum Sonntag abgebrannt. Foto: Sabine Robrecht

Von Sabine Robrecht

Nieheim (WB). Der Ratskrug in Nieheim ist in der Nacht zu Sonntag abgebrannt. Das Feuer zerstörte das historische Gasthaus komplett. Verletzte gibt es nach bisherigen Kenntnisssen der Polizei keine. Die Brandursache ist noch unbekannt. Der Ratskrug liegt direkt neben dem bekannten Weserrenaissance-Rathaus in der Nieheim Innenstadt. Die Nieheimer sind entsetzt über den Verlust des stadtbildprägenden Gebäudes.

Die Polizei sagt: Menschen dürften nicht im Gebäude gewesen sein. Ganz ausschließen konnte es am Brandort jedoch niemand.

Die Tragödie geschah in der Nacht: Der Betreiber der Gastwirtschaft neben dem Rathaus, Helge Niehörster, hatte am Abend gegen 22 Uhr seine Kneipe geschlossen. Ganz Nieheim feierte zu der Zeit in der Stadthalle Karneval. Dementsprechend war es ruhig im Ratskrug.

Um 3.03 Uhr ging bei der Feuerwehr dann Alarm ein: Eine Mitarbeiterin der Gaststätte war vom Karneval gekommen und hatte Flammen aus dem Dachstuhl züngeln sehen. Sie rief sofort die Feuerwehr. Ein Nachbar bemerkte zeitgleich den Brand und alarmierte ebenfalls die Einsatzkräfte.

Die etwa 120 Brandschützer unter der Einsatzleitung von Nieheims Wehrführer Ulrich Engelke hatten angesichts des Vollbrandes nur eine Wahl: massiv löschen. Sie forderten die Drehleitern aus Brakel und Steinheim an. Parallel galt es, das 400 Jahre alte Rathaus und weitere Nachbarhäuser in der eng bebauten Innenstadt vor einem Übergreifen des Feuers zu schützen. In der unterhalb gelegenen Lütkestraße evakuierte die Feuerwehr zur Vorsicht Häuser. Einige Anwohner hatten mit ansehen müssen, wie Funken über ihre Dächer flogen. Der Funkenflug war dramatisch. Anwohner empfanden ihn zeitweise wie einen Feuerball. Die Brandschützer hielten viele Häuser kühl, damit kein Funke Feuer fing. Gegen 4.30 Uhr war der verheerende Großbrand unter Kontrolle. Das einst schöne Haus ist nur noch eine Ruine.

Karnevalspräsident Josef Schunicht, der in unmittelbarer Nachbarschaft wohnt und einen Friseursalon betreibt, war gegen 2.30 Uhr vom Büttenabend nach Hause gekommen. »Ich habe mich ganz normal schlafen gelegt. Plötzlich weckte mich mein Bruder und sagte mir, dass der Ratskrug brennt. Ich öffnete das Fenster und sah die Flammen.«

Rosenmontagsumzug nicht gefährdet

Ob die Nieheimer Karnevalsgesellschaft angesichts der Brandkatastrophe den Rosenmontagszug absagt, stand in der Brandnacht noch nicht fest. Der Vorstand hat sich darauf verständigt, am Sonntagmorgen eine Krisen-Sitzung anzuberaumen und eine mögliche Absage in Ruhe abzuwägen. Gegen 11 Uhr gab es am Sonntag dann eine klare Entscheidung aller Veranwortlichen: Der Rosenmontagsumzug findet statt! Möglicherweise muss die Route in diesem Teil der Marktstraße aus Sicherheitsüberlegungen um die Brandruine weiter herumgeführt oder umgeleitet werden. Darüber wird am Montagmorgen entschieden.

»Es ist eine Tragödie«, brachte Stadtheimatpfleger Ulrich Pieper beim Anblick des kläglichen Rests des imposanten Fachwerkhauses sein Bedauern zum Ausdruck. Im Jahr 1700 waren bei einem Brand in Nieheim mehr als 240 Häuser zerstört worden. »Daraufhin wurde 1712 der Ratskrug gebaut.« Jetzt brannte auch er. Bedauerlich sei dies, weil die Gaststätte in den historischen Mauern sich so gut unter dem neuen Wirt seit gut drei Jahren etabliert habe. »Wir waren froh, dass der neue Betreiber da war. Er hat viel investiert. Der Ratskrug entwickelte sich zu einer neuen attraktiven Speisegaststätte und einem Ort für Feiern. Und jetzt das«, sagt Ulrich Pieper. Nachdem das Hotel Berghof und der Westfälische Hof vor kurzem geschlossen worden seien, gerate dieser weitere gastronomische Verlust zu einer touristischen Katastrophe für Nieheim.

Diese Einschätzung teilen Anwohner des Innenstadtquartiers rund um das abgebrannte Fachwerkgebäude. Ein Nachbar kann sich kaum vorstellen, dass das Ensemble Kirche, Rathaus und Ratskrug jetzt nicht mehr vollzählig ist. Mit dem Gastwirt des Ratskrugs hatte der Anwohner in der Brandnacht kurz sprechen können. »Er steht völlig unter Schock und kann sich nicht erklären, wie das passieren konnte«, berichtet der Nachbar.

Die Feuerwehr Nieheim hält auch an diesem Sonntag weiter Brandwache am verkohlten und noch qualmenden Trümmerhaufen, der einmal ein stolzes Fachwerkhaus war. Viele Bürger schauen sich die Brandruine an und äußern ihre Betroffenheit.

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