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Mo., 09.05.2016

Flüchtlinge: Nieheim hatte wegen Eigenbedarfs gekündigt Mieterin darf doch bleiben

Krankenschwester Bettina Halbey, hier mit ihrem Mischlingshund, muss ihre Wohnung doch nicht verlassen.

Krankenschwester Bettina Halbey, hier mit ihrem Mischlingshund, muss ihre Wohnung doch nicht verlassen. Foto: Wilfert

Von Christian Althoff

Nieheim (WB). Jetzt ist doch noch alles gut geworden: Krankenschwester Bettina Halbey (51) aus Nieheim (Kreis Höxter), die ihre Wohnung nach 16 Jahren bis Ende Mai für Flüchtlinge freimachen sollte , darf nun doch dort wohnen bleiben. »Ich freue mich, dass es so gekommen ist«, sagte die alleinerziehende Mutter zweier Kinder gestern.

Der Fall hatte im vergangenen Jahr über Deutschland hinaus Schlagzeilen gemacht. Bürgermeister Rainer Vidal (parteilos) hatte die 90 Quadratmeter große Wohnung im September per Einschreiben gekündigt und Eigenbedarf als Grund angegeben. Er wollte das dreigeschossige Haus in der Innenstadt als städtische Flüchtlingsunterkunft nutzen.

Der öffentliche Aufschrei war enorm. Er gipfelte in Drohungen und Hass-Mails gegen den Bürgermeister, die die Polizei auf den Plan riefen. Zwar half die Stadt der Krankenschwester bei der Suche nach einer anderen Wohnung, »aber mit Hund und Katze? Da winkten die meisten gleich ab«, sagte die 51-Jährige.

Der Bürgermeister, der im vergangenen Jahr mit 68 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt worden war, bedauerte damals, nicht erst persönlich mit Bettina Halbey gesprochen zu haben, verteidigte aber die Kündigung: »Ich weiß, dass das eine unkonventionelle Maßnahme war, aber wir haben als Stadt nun einmal die Pflicht, Flüchtlinge unterzubringen.« Damals lebten in der 6300-Einwohner-Kommune 71 Flüchtlinge, mit weiteren wurde gerechnet.

Jetzt die Kehrtwende. »Ich habe Widerspruch gegen die Kündigung eingelegt und jetzt von der Stadt einen Brief bekommen, mit dem die Kündigung zurückgenommen wurde. Ich brauchte noch nicht einmal vor Gericht zu gehen«, sagte Bettina Halbey gestern. Das bestätigte Bürgermeister Rainer Vidal: »Die Situation hat sich geändert. Es kommen weniger Flüchtlinge, und wir haben andere Unterkünfte gefunden. Ich bin zufrieden, dass sich die Angelegenheit so geklärt hat.«

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