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Di., 29.08.2017

Merlsheim feiert mit vielen Gästen das 725-jährige Ortsjubiläum – Parade der Traktoren Brunnen ist das neue Wahrzeichen

Feierliche Einweihung und Segnung: Als neues Wahrzeichen ist zum 725-jährigen Jubiläum in Merlsheim ein Brunnen aus vier Stelen enthüllt worden (von links): Herbert Müller, Bürgermeister Rainer Vidal, Christof Kros, Swen Horstmann, Landrat Friedhelm Spieker und Ortsheimatpfleger Gisbert Zünkler. Spieker lobte das nachbarschaftliche Miteinander in den Ortschaften.

Feierliche Einweihung und Segnung: Als neues Wahrzeichen ist zum 725-jährigen Jubiläum in Merlsheim ein Brunnen aus vier Stelen enthüllt worden (von links): Herbert Müller, Bürgermeister Rainer Vidal, Christof Kros, Swen Horstmann, Landrat Friedhelm Spieker und Ortsheimatpfleger Gisbert Zünkler. Spieker lobte das nachbarschaftliche Miteinander in den Ortschaften. Foto: Heinz Wilfert

Von Heinz Wilfert

Merlsheim (WB). Mit der Enthüllung des neuen Wahrzeichens, einem aus vier Weser-Sandsteinstelen bestehenden Brunnen, erlebte das 725-jährige Jubiläum von Merlsheim bei einem Festakt mit vielen Dorfbewohnern, Ortsheimatpflegern aus Nieheim, ehemaligen Merlsheimern und weiteren Gästen seinen Höhepunkt.

Der Brunnen verkörpert die vier Säulen, auf denen die 725-jährige Ortschaft ruht: die Kirche, die Alte Schule (Bürgerhalle), das Ehrenmal und das Schloss. Der Brunnen ist das Geschenk, das sich das Jubeldorf zum Geburtstag gemacht hat. »Es waren genau 264 978 Tage nach seiner ersten Erwähnung«, hatte Bezirksverwaltungsstellenleiter Swen Horstmann ausgerechnet. Die größte Stele steht für das Schloss, sie trägt eine Amsel, aus der das Wasser strömt. Damit soll zum Ausdruck kommen, dass aus dem Ursprung aller Elemente das Leben gespeist werde.

Ermöglicht wurde der Brunnen durch Spenden der Bürgerstiftung Nieheim, der Stiftung Natur, Heimat und Kultur im Steinheimer Becken, der Sparkasse und der Volksbank Nieheim. Geehrt wurde während der Feierstunde Marian Claes, in dessen Händen die Planung lag. Die Segnung nahm Pfarrer Geo vor, der sagte, dass Dorfbrunnen früher Ort der Begegnung gewesen seien. Einen solchen Ort bekäme Merlsheim nun mit seinem Wahrzeichen zurück.

Was Merlsheim ausmacht, bildete Ortsheimatpfleger Gisbert Zünkler mit den Buchstaben des Ortsnamens ab: »M wie mutig, E wie engagiert, R wie rücksichtsvoll, L wie liebenswürdig, S wie sympathisch, H wie Heimat, E wie energisch, I wie interessant, M wie mitfühlend«.

Zünkler hat zum Jubiläum ein reich bebildertes Buch herausgegeben, das auf dem geschichtlichen Band zum 700-jährigen Bestehen des früheren Ortsheimatpflegers Karl Blume aufbaut und die vergangenen 25 Jahre schildert. Von einem echten Dorfmittelpunkt und einem Platz der Attraktionen sprach Nieheims Bürgermeister Rainer Vidal am Standort des Brunnens. »Merlsheim hat sich in seiner Geschichte enorm verändert, aber immer hervorragend angepasst.« Zwar habe die Bevölkerung abgenommen, im Dorf gebe es aber keinen Leerstand.

»Quicklebendige Ortschaft»

Auch Höxters Landrat Spieker nannte die Ortschaft »quicklebendig«, als er eine Urkunde zum 725-jährigen Jubiläum überreichte. Die Urkunde würdigt die durch eine starke Gemeinschaft getragenen Erfolge des Dorfes in Geschichte und Gegenwart. Wozu die Dorfgemeinschaft fähig sei, habe sie mit den Silbermedaillen 2013 auf Kreis- und 2015 Landesebene bewiesen, so Spieker, der die Gemeinschaft und das nachbarschaftliche Miteinander in den Dörfern als besonders liebenswert bezeichnete. Mit dem Projekt »Smart Country Side – Digital vernetzt im ländlichen Raum« ergebe sich für Merlsheim eine große Chance (das WESTFALEN-BLATT berichtete über das Projekt). Der Kreis Höxter setzt damit auf die Chance der Digitalisierung und erprobt mit Bürgern aus sechs Orten Möglichkeiten für Smartphone-Benutzer. Die Merlsheimer wünschen sich für ihr Dorf beispielsweise eine »Amseldorf to go-App«, die auch jüngere Einwohner an verschiedene Stellen des Ortes leitet – auch mit Videos. Die Ideen der Bewohner sollen in den kommenden 15 Monaten umgesetzt und im zweiten Quartal 2018 erprobt werden.

Dr. Gerald Koch hält Festansprache

In seiner Festansprache hatte der gebürtige Merlsheimer Dr. Gerald Koch auf die Perspektiven der Dörfer hingewiesen. Sie lägen im persönlichen Kontakt, der Zusammengehörigkeit und einem intakten Vereinsleben – alles Bedingungen, die in Merlsheim bestens erfüllt seien. Koch wandte sich gegen Klischees bei der Entwicklung ländlicher Räume. In Merlsheim werde der goldene Mittelweg vorgelebt, den auch der sehr rührige Verein »Merlsheim aktiv« mit vielen Ideen steuere, um im Dorf einen schönen Lebensraum zu bieten.

Seit »Merlhossen« 1292 in einer Urkunde von Kloster Marienmünster erstmals erwähnt und von verschiedenen Adelsgeschlechtern in Besitz genommen wurde, sei das Schloss immer eine feste Größe gewesen. 1958 fand die Amsel Eingang in den Dorfnamen und das Wappen. Koch richtet seinen Blick bereits auf das nächste Jubiläum, wenn am 30. September die Freiwillige Feuerwehr ihr stolzes 125-jhriges Jubiläum feiert.

Familiennachmittag mit 22 Teams

Wie aktiv Merlsheim ist, hatte sich beim Familiennachmittag mit 22 Mannschaften gezeigt. »Durch eine Mannschaft aus Holland hatte das Spiel ohne Grenzen aus Tischkegeln, Dosenwerfen und Erbsenklopfen eine internationale Note«, freute sich Bezirksverwaltungsstellenleiter Swen Horstmann. Sieger wurden die Jungschützen, die sich die Goldmedaille und einen Eventgutschein sicherten. Dicht frequentiert war am Sonntag der Barockgarten von Schloss Merlsheim, wo eine von Werner Böhm organisierte Ausstellung mit Oldie-Traktoren zu sehen war. An zahlreichen Ständen stellten die Kunsthandwerker vom Kreativmarkt »EinzigArtich« ihre kunstvollen Erzeugnisse aus. An der Bürgerhalle spielte die Blaskapelle Reelsen unter Leitung von Katharina Gemmeke zum Platzkonzert auf.

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