Fr., 13.07.2018

Anna Carewe (Cello) und Oli Bott (Vibraphon) gelingt Experiment in Holzhausen Musikalische Zeitreise fasziniert

Die Cellistin Anna Carewe und der Vibraphonist Oli Bott sind zwei sehr kreative Köpfe.

Die Cellistin Anna Carewe und der Vibraphonist Oli Bott sind zwei sehr kreative Köpfe. Foto: Harald Iding

Von Dagmar Korth

Nieheim-Holzhausen (WB). Prächtige Stimmen, zwei exzellente Instrumentalisten und ein wunderschönes Programm sind der Garant für einen gelungenen Abend auf dem Kulturgut Holzhausen. Anna Carewe (Cello) und Oli Bott (Vibraphon) haben zu diesem Konzert etwas Außergewöhnliches gewagt. Sie nennen es »Zeitreisen«.

Die Musik zweier Komponisten aus verschiedenen Stilepochen- verbinden sie für ihre Instrumente und fügen sie zu etwas Neuem Aufregenden zusammen. Ein ungewöhnliches, aber exquisites Experiment, das die Zuhörer in Holzhausen begeisterte. So hörte man das »Praeludium XXIV h-moll BWV 8690« von Johann Sebastian Bach als Mariage mit Con Alma -Dizzy Gillespie, oder Bachs Musik ging eine Liason mit Cole Porter ein. Selbst Erik Saties »1ere Gnossienne« kann man wie ein Jazzstück spielen und es dann noch mit Klängen von Astor Piazzolla verbinden. Das Ergebnis war eine überaus klangvolle, temporeiche und sehr farbige Version. Auch bei den Liedgruppen des Abends durfte man sich auf ein ungewohntes aber sehr reizvolles Hörererlebnis einstellen.

Begleiter der Lieder war nicht der vom Komponisten vorgesehene Pianist am Flügel, sondern Cello und Vibraphon. Hauptsächlich Anna Carewe hatte die Liedbegleitung für Cello und Vibraphon neu arrangiert, denkbar aufwendig und mit viel Akribie umgesetzt. Die melodische Sanftmut des Cellos, aber auch das luftig hingetupfte Spiel auf dem Vibraphon standen den Liebesduetten gut zu Gesicht. Das Zusammenspiel der Instrumente betörte durch seine zarten Nuancen, seine subtile Ausformung. Cello und Vibraphon vollzogen eine überaus sensible und fruchtbare Symbiose. Es war jedoch nicht nur ein Genuss für die Ohren – man sah auch gerne zu, wie Oli Bott mit gerade zu artistischer Fähigkeit, seine Schlegel oft wie in einem ungestümen Tanz über das Vibraphon führte. Leonore von Falkenhausen (Sopran) und Andres Post (Tenor) sangen Liebesduette von Antonin Dvorak, Robert Schumann, Heinrich von Herzogenberg und Lieder von Edvard Grieg. In der Dvorak-Gruppe war vor allem das Aufleuchten, Glitzern und Strahlen der Stimmen schlechthin betörend – nicht minder aber die analytische Fähigkeit zu Farbgebung, harmonischer Mehrdeutigkeit und funktionaler Dynamik. Inhaltlich und musikalisch sind es facettenreiche Lieder um Liebe, Leid und den zuweilen ironischen Ingredienzien einer Beziehung.

Als Liedkomponist weniger bekannt ist Heinrich von Herzogenberg, doch die drei Duette op. 38 sind atmosphärisch dicht, sängerisch ergiebig und von unmittelbarer Wirkung. Leonore von Falkenhausen gelangen erfüllte Augenblicke etwa in »Ich liebe Dich op.5« von Edvard Grieg. Da überrascht jede kleine feine Nuance und die differenzierte Ausdeutung des Textes. Die Stimme ist leicht und beweglich, aber es fehlt ihr durchaus auch nicht an Erdung und Körperklang. Andreas Posts Interpretationen sind Muster kunstvoller Natürlichkeit – eine gute Technik und die Schlichtheit des Ausdrucks, vereinen Liebe und Wehmut auf einer höheren Warte. Ein schönes Schlussduett war das fein pointiert interpretierte Duett von Robert Schumann »Ich denke Dein op 78« – ein sehr stimmungsvolles aber auch durch die neuen Kompositionen anregendes Programm. Das Publikum honorierte das mit langem, herzlichem Applaus.

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