Fr., 07.12.2018

Regionalforstamt sieht düstere Zeiten auf Nieheimer Forst zukommen Wald soll »klimafit« werden

Wie in vielen Regionen hat auch der Nieheimer Stadtwald unter anderem mit Borkenkäfern zu kämpfen.

Wie in vielen Regionen hat auch der Nieheimer Stadtwald unter anderem mit Borkenkäfern zu kämpfen. Foto: dpa

Von Heinz Wilfert

Nieheim (WB). Düstere Zeiten hat Roland Schockemöhle, der Leiter des Regionalforstamts Hochstift, bei der Vorstellung des Forstwirtschaftsplans im Haupt- und Finanzausschuss Nieheim für den Nieheimer Stadtwald für 2019 prophezeit. Nicht nur der Wald leidet unter den klimatischen Folgen wie Dürre, Hitze oder dem Borkenkäfer. Es drohen auch finanzielle Einbußen, die den städtischen Haushalt unmittelbar betreffen.

Das Wirtschafts- und Betriebsergebnis für 2017 ist allerdings noch zufriedenstellend ausgefallen. 2010 Festmeter Einschlag waren geplant, 2273 Festmeter wurden auf den 384 Hektar Holzbodenfläche im Stadtwald tatsächlich geschlagen. Das führte zu Einnahmen von 158.754 Euro, denen Ausgaben von 72.174 Euro entgegen standen. Nach Abzug der Kosten für die allgemeine Verwaltung führte das zu einem Betriebsergebnis von 78.557 Euro, was den Stadkämmerer freute und einem guten Betriebsergebnis von 207 Euro je Hektar entspricht. Schockemöhle nannte dabei den Nieheimer Stadtwald durchaus untypisch für das Hochstift: er besteht nämlich zu je 50 Prozent aus Laub- und aus Nadelbäumen.

Für 2018 erwartet der Forstamtsleiter eine ähnlich gute Bilanz schon nicht mehr. Zwar sei noch nicht endgültig abgerechnet, aber elf Jahre nach Kyrill fegte über das Hochstift mit Friederike erneut ein schwerer Sturm, der 600.000 Festmeter Holz einfach »umgekippt« hat. Der Nieheimer Stadtwald sei dabei noch einigermaßen glimpflich weggekommen. Aber Hitze, Dürre und der Borkenkäfer setzten dem Wald 2018 zusätzlich schwer zu. Schockemöhle sprach von der schlimmsten Borkenkäferplage seit 1947. Das führte zum Einbruch der Holzpreise und wegen des Überangebotes zu Problemen mit der Vermarktung. Der Festmeterpreis für die Fichte fiel in diesem Jahr von rund 80 auf etwa 40 Euro pro Festmeter, beim Industrieholz sei der Preis schon auf 30 Euro abgerutscht. Bei Altenbeken sei deshalb ein Nasslager eingerichtet, um die großen Holzmengen zu lagern und sie durch Berieselung mit Wasser vor Wertverfall zu schützen.

Für 2018 seien bei einem Einschlag von etwa 2715 Festmetern Einnahmen von 121.000 Euro bei Ausgaben von 81.590 Euro zu erwarten. Obwohl noch nicht endgültig abgerechnet sei, dürfte sich das Betriebsergebnis im Vergleich zum Vorjahr halbieren. Nach dem Forstwirtschaftsplan für 2019, dem der Haupt- und Finanzausschuss zustimmte, sollen rund 2015 Festmeter Holz (davon 1800 Festmeter Fichte, der Rest Buche) geschlagen werden – allerdings kein »frisches« Holz, sondern vorwiegend Sturm- und Käferholz. Schockemöhle erwartet danach nur noch ein geringes Jahresergebnis. »Mehr als eine schwarze Null ist nicht drin.« Niemand könne aber derzeit vorhersagen, wie die Preisentwicklung verlaufe. Dennoch sieht der Leiter des Regionalforstamtes in der derzeit schwierigen Lage mit vielen geschädigten Bäumen nicht nur Risiken. »Wir haben jetzt die Chance, den Wald ›klimafitter‹ zu machen und in den Wald von Morgen zu investieren.« Er setzt bei den Aufforstungen auf den vielen Freiflächen auf Baumarten, die mit trockenen, heißen Sommern besser zurechtkommen wie die Esskastanie oder die Eiche.

Zugestimmt hat der Ausschuss, über die Mitgliedschaft in der Forstbetriebsgemeinschaft Nieheim-Steinheim-Marienmünster hinaus der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Hochstift beizutreten. Die forstliche Betreuung wie die Vermarktung des im Stadtwald Nieheim anfallenden Holzes hatte seit 1999 der Landesbetrieb Wald und Holz wahrgenommen. Die Kartellbehörden hatten aber die gemeinsame Vermarktung aus dem Stadtwald und den Privatwäldern für wettbewerbswidrig erklärt, weil dadurch eine zu große Marktmacht auf der Angebotsseite geschaffen werde.

Beabsichtigt ist jetzt, dass die sechs Forstbetriebsgemeinschaften aus den Kreisen Höxter und Paderborn eine wirtschaftliche Vereinigung gründen, die einen Weg zur Holzvermarktung erarbeitet und dabei das Angebot so zu bündeln, dass akzeptable Holzmengen auf den Markt gebracht werden können, ohne den regionalen Bezug zu verlieren. Die neue Vereinigung soll ab Januar 2020 an den Start gehen.

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