Sa., 08.12.2018

Nieheimer Pfarrer Heribert Ester feierlich in den Ruhestand entlassen Verabschiedung nach 27 Jahren

Für Pfarrer Heribert Ester (Mitte) ist das Patronatsfest der letzte Gottesdienst im Amt. Von vielen seiner Kollegen wurde er verabschiedet – darunter auch Diakon Franz Gelhaus und Ansgar Heckeroth, Leiter des Pastoralen Raums.

Für Pfarrer Heribert Ester (Mitte) ist das Patronatsfest der letzte Gottesdienst im Amt. Von vielen seiner Kollegen wurde er verabschiedet – darunter auch Diakon Franz Gelhaus und Ansgar Heckeroth, Leiter des Pastoralen Raums. Foto: Greta Wiedemeier

Von Greta Wiedemeier

Nieheim (WB). »Vielleicht wird das ja sowas wie ein Unruhestand«, schmunzelt Heribert Ester bei seiner offiziellen Verabschiedung am Nikolaustag. Der 65-Jährige scheidet aus gesundheitlichen Gründen aus dem Berufsleben aus, wird den Pastoralen Raum jedoch weiterhin als Subsidiar unterstützen.

Ester war Vertreter einer modernen und zeitgemäßen Kirche, sprach sich sowohl gegen die Männerdomäne im Priesterberuf als auch gegen das Pflichtzölibat aus und wünschte sich eine Kirche, die Jung und Alt Freude macht. Dafür erntete er in den vergangenen Jahren auch Kritik – schaut aber nach eigener Aussage dennoch voller Dankbarkeit auf seine 27 Jahre in Nieheim zurück.

Der Theologe muss schon seit mehreren Monaten aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten, am Nikolaustag stand nun der endgültige Antritt des vorzeitigen Ruhestands an. Bereits seit acht Jahren leidet er unter Morbus Parkinson, einer Krankheit, die Bewegungen verlangsamt, Zittern hervorruft und ihn schließlich sogar dazu veranlasste, sich einen sogenannten Hirn-Stimulator einsetzen zu lassen.

Auch bei seiner Verabschiedung fand der oft als Querdenker bezeichnete Theologe klare Worte, als er sich an eine Doku über eine Kirche in Verona zurückerinnerte. In diese strömten die jungen und fröhlichen Menschen nur so hinein – ein Bild, dass er sich auch für die Nieheimer Kirche öfter gewünscht hätte. »So soll Kirche doch sein«, befand der gebürtige Bad Driburger.

Der Grund für die große Zahl junger Besucher war jedoch keinesfalls der plötzliche Drang zum Glauben: Die Kirche San Matteo wurde zu einer Pizzeria umfunktioniert. »Ist das auch unsere Zukunft? Wird bald Giovanni von gegenüber hier seine Tische aufstellen?«, fragte Ester provokant in die Runde. Viele Gläubige würden noch immer die Augen davor verschließen, dass anderswo bereits Kirchen geschlossen werden. Man dürfe nicht nur reden, sondern müsse auch aktiv für den Erhalt der Kirche kämpfen, etwa durch die unübersehbare wöchentliche Anwesenheit im Gottesdienst. 27 Jahre an einem Ort, das sei heutzutage eine wirklich lange Zeit, in der man die Gemeinde prägt und sich auch selbst prägen lässt, meinte Pfarrer Ansgar Heckeroth beim Patronatsfest. Seine längste Stelle an einem Ort habe sich bislang lediglich auf 15 Jahre belaufen. Bedingt durch den Wandel in den Pastoralverbünden sei es nicht mehr selbstverständlich, sich mehr als ein Vierteljahrhundert beruflich einer einzigen Gemeinde widmen zu können. »Wir können einander immer nur ein Stück Wegbegleiter sein. Danke, dass du diesen Weg mitgemacht hast«, verabschiedete er seinen langjährigen Kollegen. Ester selbst blickt zwar kritisch, aber dennoch optimistisch in die Zukunft seiner Gemeinde: »Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es auch hier noch lange heißen wird ›Der Herr sei mit euch‹ und nicht ›Guten Appetit›«.

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