Mi., 14.08.2019

Kompostwerk Nieheim-Oeynhausen hat mit Kunststoffresten zu kämpfen Zu viel Plastik im Biomüll

Nicolas Witschorek (von links, Abfallberater des Kreises Höxter), Hubertus Abraham (Kreis Höxter) und Markus Gröne (Standortleiter Kompostwerk Nieheim-Oeynhausen) zeigen den Siebrest, der am Ende des Prozesses neben dem Kompost übrig bleibt. Mikroplastik im Kompost lässt sich jedoch nicht vermeiden.

Nicolas Witschorek (von links, Abfallberater des Kreises Höxter), Hubertus Abraham (Kreis Höxter) und Markus Gröne (Standortleiter Kompostwerk Nieheim-Oeynhausen) zeigen den Siebrest, der am Ende des Prozesses neben dem Kompost übrig bleibt. Mikroplastik im Kompost lässt sich jedoch nicht vermeiden.

Von Angelina Zander

Nieheim-Oeynhausen (WB). Hohe Berge von Plastikresten türmen sich in einer Halle des Kompostwerkes Nieheim-Oeynhausen – die Reste des Bioabfalls der Haushalte aus dem Kreis Höxter. Während von dem einen Förderband Kompost läuft, fallen von dem anderen zerfetzte Plastiktüten. Denn: Kunststoff im Biomüll ist ein großes Problem.

Nach dem Kochen müssen die Schalen von Kartoffel oder Apfel entsorgt werden. Verpackt in Zeitungspapier können sie in einem Eimer in der Wohnung bis zum nächsten Gang zur Biomülltonne warten. Besser noch: Küchenabfälle direkt in die Tonne bringen. Dieser Fall wäre für Markus Gröne, Standortleiter des Kompostwerkes Nieheim-Oeynhausen, ideal, erzählt er. Doch die Realität sieht anders aus, weiß er.

Statt auf Zeitungspapier greifen viele Haushalte auf Plastiktüten zurück, um ihren Biomüll einzupacken. Diese Kunststoffe gelten im Kompostwerk als Störstoffe – sie können im Kompostwerk nicht verrotten und kleine Rückstände landen im Kompost. Folienmüllbeutel, die als kompostierbar deklariert sind, »sind nicht verboten, aber auch nicht erwünscht«, sagt Hubertus Abraham, Er ist beim Kreis Höxter für den Bereich Abfallsammlung und -verwertung zuständig.

Plastiktüten verrotten langsamer

Nach der Norm EN 13432 dürfe nach drei Monaten Kompostierung nur noch zehn Prozent des Müllbeutels übrig sein. Der Kompostierprozess läuft jedoch keine drei Monate. »Ein Apfel fährt sechs Wochen durch die Anlage. Dann ist er Kompost«, sagt Gröne. »Neben ihm liegt ein Biofolienmüllbeutel, der noch sechs Wochen braucht«, veranschaulicht Abraham die Problematik. Aber nicht nur Plastiktüten verirren sich in die Biotonnen.

Deutlich wird das Problem bei einem Blick in das Kompostwerk. Insgesamt durchläuft der Abfall vier Stationen. In der Annahmehalle finden sich jedoch nicht nur Garten- und Küchenabfälle. Voll gepackte Plastiktüten, Decken, ein Glätteisen, ein Ölkanister – nichts, was im Biomüll entsorgt werden sollte.

»Wir haben schon alles gefunden, nur noch kein Gold«, sagt Markus Gröne. Auch ein Hofstaatkleid mit Schuhen oder eine Stichsäge seien schon dabei gewesen. Fallen den Mitarbeitern des Kompostwerkes schon bei der Anlieferung große Teile auf, werden diese im Vorfeld entsorgt.

Nach der Annahme kommt der Abfall dann in die mechanische Aufbereitung. Hier wird er zunächst aufgelockert. Konserven oder Scheren werden mit Hilfe eines Magnetes herausgefiltert. In der anschließenden Intensivrotte lagert der Biomüll 14 Tage in einem von 13 Rotte-Tunneln, wird mit Wasser und Luft behandelt und drei Tage auf 65 Grad erwärmt, um Bakterien und Viren abzutöten, erklärt Gröne und vergleicht die Tunnel mit einem Turbo-Komposter für den Garten.

Aggregate zerstören Glas und Kunststoff

Anschließend wechselt das Material auf ein Rottefeld zur Nachrotte, wo es nochmals mit Wasser und Luft behandelt wird, um ein besseres Ergebnis zu erzielen. Und obwohl das Material zu dieser Zeit schon knapp fünf Wochen im Kompostwerk verbracht hat, sind große Plastikfetzen zu finden. Diese werden an Station vier aussortiert. Hier teilt sich das Material in verwertbaren Kompost und den sogenannten Siebrest, also Kunststoffe oder Material, das nicht verrottet ist.

Die Aggregate, die im Kompostwerk arbeiten und zum Beispiel das Material auflockern sollen, zerschlagen auch Störstoffe. Dabei reißen Plastiktüten auseinander und Glas zerbricht. Die Folge: Auch im Kompost, der später an landwirtschaftliche Betriebe verkauft wird oder im Garten verteilt wird, finden sich Glasreste und Mikroplastik, die zu klein sind für die Siebe und hindurchfallen.

Momentan gewinne Gröne aus einer Tonne Bioabfall etwa 300 Kilogramm Kompost. »Das könnte ohne Kunststoffe deutlich mehr sein«, ist er überzeugt. Denn der Siebrest könnte dann erneut den Kompostierungsprozess durchlaufen und so ein größerer Ertrag erzielt werden. In der Folge würden die Betriebskosten sinken und der Biomüll wäre für die Einwohner günstiger, schildert Abfallberater Nicolas Witschorek.

Was gehört in den Biomüll?

Der Kreis Höxter gibt auf Anfrage eine Broschüre heraus, in der aufgelistet ist, welche Abfälle in welche Tonne gehören. Die Übersicht zur Mülltrennung ist auch im Internet einsehbar. Auch hier ist der Hinweis »Lieber Papier statt Plastik« aufgeführt. Außerdem wird darüber aufgeklärt, dass Katzenstreu, Asche und Leder in die Restmülltonne gehören. Auch darüber, was in der Wertstofftonne entsorgt werden muss, herrscht Unklarheit.

Ab August werden die Wertstofftonnen und die grünen Tonnen im Kreis kontrolliert.

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