Mo., 30.09.2019

Protestanten in Nieheim feiern 150-jähriges Bestehen der Kreuzkirche Der Glaube ist das Fundament

Feierten den Festgottesdienst zum 150-jährigen Bestehen der Kreuzkirche Nieheim (von links): Superintendent Volker Neuhoff, Holger Nolte-Guenther, Ulrich Beimdiek, Maria Kröling, Festprediger Ulf Schlüter, Volker Walle und Wolfgang Neumann.

Feierten den Festgottesdienst zum 150-jährigen Bestehen der Kreuzkirche Nieheim (von links): Superintendent Volker Neuhoff, Holger Nolte-Guenther, Ulrich Beimdiek, Maria Kröling, Festprediger Ulf Schlüter, Volker Walle und Wolfgang Neumann. Foto: Heinz Wilfert

Von Heinz Wilfert

Nieheim (WB). Seit 1869 finden evangelische Christen in ihrer Kirche in Nieheim Freude am Glauben, Orientierung und Kraft für den Alltag. Auf den Tag genau nach 150 Jahren ist mit einem Festgottesdienst das Jubiläum der Kreuzkirche gefeiert worden. Die Festpredigt hielt Ulf Schlüter, der theologische Vizepräsident der Evangelischen Kirche in Westfalen.

Schlüter beglückwünschte die Nieheimer dazu, ihr Gotteshaus »Kreuzkirche« genannt zu haben, was erst 1982 geschehen sei. Die Einweihung hatte am 29. September 1869 stattgefunden, am Michaelistag. Sie hätte also auch den Namen des Erzengels tragen können. Die Errichtung der evangelischen Kirche sei eine höchst respektable Leistung gewesen, so Schlüter. »Die Menschen werden vor 150 Jahren zur Einweihung mit großer Freude und Stolz eingezogen sein, weil damit die Provisorien vorbei waren. In dieser Kirche fanden Menschen Ruhe, hier wurde das Evangelium verkündet. Hier konnte man sicher sein: ›Gott liebt uns abgrundtief.‹«

Erste evangelische Gottesdienste in Nieheim hatten ab Februar 1853 im Gerichtssaal stattgefunden, bis 1856 ein Bet-Saal im Haus 166 an der Marktstraße bezogen werden konnte. Schon 1864 war kurz nach der Gründung der evangelischen Kirchengemeinde Marienmünster-Nieheim-Steinheim der Wunsch zu einem Kirchenbau in der Weberstadt aufgekommen. Tatkräftig angeregt vom damaligen Pfarrer Adolf Eberhard Delius fanden die evangelischen Christen den Mut zu einem Kirchenbau, obwohl Planung und Bau in eine schwierige Zeit fielen. Die Gemeinde war arm, die Diaspora-Situation erschwerte das Gemeindeleben. Dafür unternahm der Pfarrer anstrengende Reisen mit der Bahn von Altenbeken nach Berlin, um das Geld aufzubringen. Unterstützt wurde er von seiner Mutter mit Hauskollekten.

 1869 sollte schon nach 16 Monaten aus dem Wunsch Wirklichkeit werden, als die feierliche Einweihung des Gotteshauses, eines neugotischen einschiffigen Hallenbaus mit drei Jochen und einem Chorjoch erfolgte. Der Kostenvoranschlag des Architekten hatte sich auf 6500 Taler belaufen, für die Orgel waren weitere 700 Taler aufzubringen, nach heutigen Maßstäben geringe Summen. Stellt man die Relation zwischen dem damals als Zahlungsmittel geltenden preußischen Taler und dem Euro gegenüber, errechnen sich 71.000 Euro – eine für jene Jahre horrende Summe. Und dann das: Schon nach drei Monaten stürzte nach einem Sturm die Turmspitze ein und durchschlug Teile des Daches. Das Presbyterium wandte sich »in großer Noth« an den Oberkirchenrat in Berlin mit der Bitte um finanzielle Unterstützung. Der Wiederaufbau gelang, auch wenn der 1876 fertiggestellte Turmhelm um ein Drittel kleiner wurde als der alte.

 Das Jubiläum fällt in das Jahr, in dem die Selbstständigkeit der evangelischen Kirchengemeinde Marienmünster-Nieheim zu Ende ging. Sie ist seit Pfingsten Teil der Christusgemeinde Emmer-Nethe. Aus dem zarten Pflänzchen vor 150 Jahre ist ein starker Baum geworden, so dass Kreuzkirche und evangelische Kirchengemeinde heute auf einem festen Fundament stehen.

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