Nieheimer Delegation bei internationalem Treffen von Flechtheckenfreunden in Holland
„Alte Technik darf nicht sterben“

Nieheim (WB). Die Nieheimer Flechtheckenfreunde wollen auch im Corona-Jahr auf ihr Anliegen aufmerksam machen. Kurz vor der Pandemie mit ihren weltweiten Einschränkungen ist eine Delegation aus Nieheim zu einem viertägigen internationalen Treffen ins niederländische Boxmeer gefahren. Zudem werden Flechthecken im Freilichtmuseum in Detmold unweit der alten Windmühle und der Bäckerei des Paderborner Dorfes auch 2020 aktiv gepflegt.

Montag, 11.05.2020, 06:00 Uhr
Die Hecken bestehen oft aus Haselsträuchern und hatten als lebende Zäune große Bedeutung in dem Grünlandgebiet wie rund um Nieheim, wie der Heimatverein erläutert. Sie bieten auch viele Nistmöglichkeiten. Foto:
Die Hecken bestehen oft aus Haselsträuchern und hatten als lebende Zäune große Bedeutung in dem Grünlandgebiet wie rund um Nieheim, wie der Heimatverein erläutert. Sie bieten auch viele Nistmöglichkeiten.

Die Heckenflechter Ulrich Pieper, Wilfried Erbsland, Wolfgang Schlick, von Juprona Jakob Kros und Agnes Sternschulte (Freilichtmuseum Detmold) hatten in Holland einen Infostand über die Nieheimer Flechthecken aufgebaut und zeigten die Flechttechnik live an einer Hecke. Bei der Konferenz wurde eine europäische Deklaration zur Förderung der Flechtheckentechnik verabschiedet, berichtete Ulrich Pieper. Die Nieheimer Hecken stehen in der Liste des immateriellen Kulturerbes von Nordrhein-Westfalen und sollen europaweit noch bekannter gemacht werden.

Austausch mit Nachbarn

Ulrich Pieper erlebte viel Interesse bei der Veranstaltung in den Niederlanden. „Hecken und Heckenbäume bilden das Rückgrat vieler europäischer Landschaften. Seit vielen Jahrzehnten nehmen sie jedoch sowohl in der Anzahl als auch in der Qualität ab. Die Folgen sind ein großer Verlust an biologischer Vielfalt und kulturellem Erbe sowie eine zunehmende Kluft zwischen den Menschen und den Landschaften, in denen sie leben“, sagte er. Das Symposium „Joining hands on hedges on“, das von Heg & Landschap im Biosphärenreservat Maasheggen organisiert wurde, folgte auf eine Reihe internationaler Veranstaltungen, die 2012 mit der Konferenz „Hedgerow Future“ in Stoke-on-Trent (Großbritannien) begann. An diese Konferenz schloss sich 2013 das Hands-on-Hedges-Symposium in Bemmel an und 2018 eine Veranstaltung in Bailleul, Frankreich. Seit 2006 zeigen internationale Heckenschützer aus verschiedenen Ländern ihre Fähigkeiten und Stile während des jährlichen niederländischen Wettbewerbs, der als „NK Maasheggenvlechten“ bezeichnet wird.

50 Teilnehmer aus Irland, England, Frankreich, Belgien, Deutschland und den Niederlanden tauschten jetzt ihr Wissen, ihre Erfahrungen und Lektionen aus, diskutierten und nahmen an Exkursionen teil. Die Nieheimer zeigten sich vom Inhalt des mehrtägigen Meetings begeistert und nahmen laut Ulrich Pieper viele Anregungen mit in den Kreis Höxter. Aufgrund des Wandels in der Landwirtschaft seien die Flechthecken im Lauf der vergangenen 50 Jahre in vielen Ländern immer öfter durch Drahtzäune ersetzt worden. „Sie wuchsen zur Feldhecke aus und wurden europaweit immer weniger. Die Flechthecke kann aber auch heute noch einen wesentlichen Beitrag zur ökologischen Stabilität der Landschaft leisten. Für die Stabilisierung des Naturhaushalts sind Hecken von erheblicher Bedeutung und stellen wichtige Lebensräume für Flora und Fauna dar, da sich hier viele Vogelarten einnisten“, so die Nieheimer Heckenfreunde.

Handwerk mehr anerkennen

Fazit der Teilnehmer der Tagung: „Die wichtigste Frage, die wir uns während dieses Symposiums stellten, war, wie man die Heckenzucht in Europa am besten fördern und sicherstellen kann, dass das Handwerk als eine wichtige Fähigkeit in der Landschaftspflege gesehen und anerkannt wird. Wir bekräftigen unser Bestreben, dass das Heckenlegen in möglichst vielen europäischen Ländern ein lebendiges und bekanntes Handwerk sein wird.“

 

Lange Zeit sind Flechthecken in nahezu ganz Europa verbreitet gewesen, mit regional verschiedenen Formen. Das Wissen um die Anwendung beherrschten nur noch wenige.

Ulrich Pieper

Die Teilnehmer brachten ihren gemeinsamen Ehrgeiz zum Ausdruck, die Zusammenarbeit fortzusetzen, und formulierten zu diesem Zweck eine Erklärung, die als Boxmeer-Erklärung bezeichnet wird. So soll ein europäisches Heckenpflanzen-Netzwerk gegründet werden. Die Praxis des Heckenlegens mit Heckenlegern aus ganz Europa zur Bewirtschaftung und Erhaltung der Heckenlandschaft soll erhalten werden. „Wir erkennen die vielen Dienste an, die Hecken für die Gesellschaft leisten, wie die Erhaltung und Verbesserung der biologischen Vielfalt, Umweltdienste wie Erosionsschutz und die Abscheidung von CO2 und die Schaffung einer gesunden, heilenden Umwelt. Beim Heckenschneiden geht es nicht nur um die Erhaltung und Entwicklung des kulturellen Erbes, es ist ein lebendiges Handwerk, das eine wichtige Rolle bei der Heckenpflege und der Förderung von Hecken im Allgemeinen spielt“, heißt es in der Erklärung.

Ulrich Pieper: „Lange Zeit sind Flechthecken in nahezu ganz Europa verbreitet gewesen, mit regional verschiedenen Formen. Das Wissen um die Anwendung beherrschten nur noch wenige.“

Der Heimatverein setzt sich nach eigenen Angaben dafür ein, dass die Technik erhalten und an die nächste Generation weitergegeben wird. „Ein altes Handwerk darf nicht sterben.“

Im LWL-Freilichtmuseum Detmold pflegt der Heimatverein Nieheim seit 1986 dort angelegte Flechthecken. Das Projekt läuft weiter. Die Technik des Flechtens ist mit dem Rückgang der Hecken zunehmend in Vergessenheit geraten, so dass nur noch wenige Nieheimer Bürger dieses Handwerk, das ausschließlich in den Wintermonaten ausgeübt wird wirklich beherrschen. Vordringlich der Heimatverein Nieheim mit seinem Arbeitskreis „Flechthecken” hat sich hierbei hervorgetan. Auch die jungen Vereinsmitglieder Gruppe „Juprona” bringen sich als aktive Mithelfer ein.

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