Nieheims Bürgermeister stellt sich nach Verzichtserklärung nun doch zur Wahl
Rainer Vidal will in der Krise weitermachen

Nieheim (WB). Rainer Vidal (47) geht als Amtsinhaber zum dritten Mal ins Rennen um den Bürgermeisterposten in Nieheim. Das hat er am Freitagnachmittag bestätigt, nachdem er bereits im Oktober eigentlich seinen Verzicht erklärt hatte. Ebenfalls bemerkenswert: Zu seinen Unterstützern zählt er unter anderem den SPD-Ratsherrn Dr. Ulrich Kros – dessen Partei die unabhängige Kandidatin Jana Katharina Reineke unterstützt.

Freitag, 12.06.2020, 19:32 Uhr aktualisiert: 12.06.2020, 19:34 Uhr
Als unabhängiger Kandidat stellt sich Rainer Vidal (Mitte) erneut zur Wahl. Zu seinen Unterstützern zählt er unter anderem Christa Thöne (vorne links), Rebecca Reineke, Dr. Ulrich Kros (hinten links) und Frank Filter. Foto: Dennis Pape
Als unabhängiger Kandidat stellt sich Rainer Vidal (Mitte) erneut zur Wahl. Zu seinen Unterstützern zählt er unter anderem Christa Thöne (vorne links), Rebecca Reineke, Dr. Ulrich Kros (hinten links) und Frank Filter. Foto: Dennis Pape

Was sich in den vergangenen Tagen abgezeichnet hatte, wurde nun vom Bürgermeister selbst bestätigt. „Seit Ende März bewegt mich die Frage, welche Folgen der Corona-Pandemie die Stadt Nieheim in den nächsten Jahren treffen werden. Es ist abzusehen, dass auch Nieheim von den Corona-Folgen noch gravierend betroffen sein wird. Und das nicht nur in finanzieller Hinsicht – das gilt auch für die Gesellschaft als Ganzes, für Vereine und insbesondere den Wert von Bildung für eine Gesellschaft“, sagte Vidal bei einer Pressekonferenz: „Aufgrund meiner elfjährigen Erfahrung im Amt, wegen meines Netzwerks in der Region und den direkten Kontakten in die Ministerien glaube ich, dass ich der Stadt in dieser schweren Zeit helfen kann.“

„Schiff durch raue See steuern“

Während der bald elf Jahre als Bürgermeister seien Vidal die Stadt und die Menschen ans Herz gewachsen. Und: „In einer Phase, in der das Schiff durch raue See steuert, geht der Kapitän nicht von Bord. Ich habe immer schon Verantwortung gesucht und möchte in dem Moment, in dem verantwortungsvolles Handeln gefragt ist, meine Unterstützung anbieten. Dafür stelle ich meine persönlichen Ziele, die im Oktober dafür maßgebend waren, nicht mehr zu kandidieren, nun zurück. Das kann ich deswegen tun, weil meine Familie diese Entscheidung mitträgt.“ Vidal gebe nach eigener Aussage dafür auch eine gesicherte berufliche Perspektive auf, die er sich für die Zeit nach seiner zweiten Amtszeit bereits geschaffen hatte. „Ich tue das mit dem klaren Ziel, die Stadt Nieheim mit Erfahrung und Engagement sicher durch die nächsten Jahre zu führen.“

Nachdem Vidal in der vergangenen Woche die Entscheidung abschließend getroffen habe, habe er sich bei vielen Bürgern rückversichert, dass sich seine Wahrnehmung auch mit den Erwartungen der Menschen in Nieheim decke. In den annähernd 100 Gesprächen und Telefonaten sei ihm zu 100 Prozent bestätigt worden, dass seine Motivation anerkannt werde und sich viele über seine Entscheidung freuten. „Das gibt mir Mut und Kraft“, sagte er.

Unterstützer setzen auf Vidal

Mit Christa Thöne, Rebecca Reineke, Frank Filter und Dr. Ulrich Kros waren auch einige Unterstützer bei der Pressekonferenz anwesend. „Viele ältere Menschen haben es bedauert, dass Rainer Vidal nicht mehr antreten wollte“, sagte Thöne. „Als angehende Lehrerin erhoffe ich mir, dass sich die Schullandschaft mit dem Bürgermeister Rainer Vidal kontinuierlich weiter entwickelt“, meinte Reineke. Unternehmer Filter bekräftigte: „Bei Rainer Vidal weiß ich, dass er immer 100 Prozent für Nieheim gibt.“ Der wiederum sagte, dass er auch viele Unterstützer in den Ortschaften habe, die in nächster Zeit sichtbar würden. Dr. Ulrich Kros betonte, dass er unabhängig seiner SPD-Zugehörigkeit als Privatmann hinter Vidal stehe. Beide standen sich 2009 bei der Bürgermeisterwahl als Kandidaten noch gegenüber. „Rainer Vidal hat in den letzten Jahren gezeigt, dass er ein guter unabhängiger Bürgermeister ist, mit dem sich auch meine politischen Vorstellungen für Nieheim am besten umsetzen lassen. Darüber habe ich auch mit einigen in der SPD gesprochen.“

Ein Problem bezüglich einer möglichen weiteren Zusammenarbeit mit der CDU, die Vidals Entscheidung bereits heftig kritisiert hat, oder der SPD im Rat sieht der aktuelle Bürgermeister nicht. Er würde vielmehr um die Unterstützung aller politischen Parteien und Gruppen in Nieheim werben. Den Ärger des CDU-Kandidaten Elmar Kleine könne er sogar verstehen. „Doch es geht am Ende nicht um ihn, mich oder andere – es geht mir allein um die Stadt Nieheim.“

Reaktionen der Kandidaten

„Der CDU-Stadtverband und Elmar Kleine sind von der Kandidatur Rainer Vidals erstaunt und von seinem Verhalten auch enttäuscht“, teilte die Union mit. Der Stadtverband stelle sich demonstrativ hinter seinen Bürgermeisterkandidaten Elmar Kleine . Der sagte: „Entgegen seiner Ankündigung im Spätsommer vergangenen Jahres, bewirbt sich Rainer Vidal erneut bei der Kommunalwahl am 13. September um das Amt des Bürgermeisters. Herr Vidal hat dies dem Stadtverband im persönlichen Gespräch bereits mitgeteilt. Obwohl er sicherlich persönliche Bewegründe hat, ist seine Entscheidung für mich politisch und menschlich enttäuschend.“

Weiter heißt es von Kleine: „Vidal war im Kommunalwahlkampf 2009 der Kandidat der CDU, 2015 wurde er als unabhängiger Kandidat von uns unterstützt. In diesen Jahren haben wir seine kommunalpolitischen Anliegen, Ideen und Maßnahmen in enger gegenseitiger Abstimmung unterstützt und mitgetragen. Erst mit seiner Ankündigung, nicht mehr für das Amt des Bürgermeisters zur Verfügung zu stehen, hat sich der Stadtverband der CDU vor mehr als einem Jahr mit der Nachfolge beschäftigt. Im Aufstellungsverfahren hat sich der Stadtverband daraufhin entschlossen, mir das Vertrauen für eine Kandidatur auszusprechen. Diese Vertrauenszusage hat der Vorstand des Stadtverbandes zusammen mit den nominierten Kandidaten der CDU am Montag erneuert.“ Deshalb stellt Kleine fest: „Gestärkt durch diesen Rückhalt nehme ich den Auftrag des Stadtverbandes weiter ernst und werde am 13. September als Kandidat der CDU bei der Wahl antreten.“

Auf Anfrage des WESTFALEN-BLATTES betonte der unabhängige Kandidat Johannes Schlütz , dass er sich sogar über die Kandidatur Vidals freue – er habe zunächst eh angenommen, gegen ihn anzutreten: „Vieles, was Herr Vidal gemacht hat, war richtig und dringend notwendig. Aber ich erkenne bei ihm kein zusammenhängendes und schlüssiges Bild für Nieheims Zukunft. Darum bin ich froh, dass er in den Wahlkampf eintritt und ich ihn direkt damit konfrontieren kann. Investitionen in die Schulen sind absolut richtig – darüber hinaus müssen wir aber weg von anderen geförderten Bauprojekten, die außerhalb der Kernaufgaben der Stadt liegen und auf Jahre mit hohen Folgekosten sowie Tilgungszahlungen und somit schwer kalkulierbaren Risiken für die Finanzsituation verbunden sind.“

Die unabhängige Kandidatin Jana Katharina Reineke , die von der SPD unterstützt wird, sagte: „Ich bin verwundert über diesen Sinneswandel. Da muss Rainer Vidal erst einmal glaubhaft erklären, woher seine Motivation plötzlich wieder kommt. Seine Kandidatur ändert nichts daran, dass es Zeit für frischen Wind ist. Ich bin kein Freund davon, auf andere zu zeigen – mir geht es in erster Linie um meine Themen.“ Zu Vidals Unterstützer Dr. Ulrich Kros möchte sich Reineke nicht äußern. Nur so viel: „Die SPD Nieheim steht hinter mir.“

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