Unternehmen „Energiekontor“ hat vor „VSB“ Konzept für neue Windräder vorgestellt
Zweiter Projektierer plant Park mit 18 Anlagen

Nieheim/Bad Driburg (WB). „Frischer Wind in Nieheim“ – mit diesem Werbeslogan wirbt ein neuer Projektierer im Raum Nieheim-Bad Driburg für Windkraftanlagen und legt auch gleich den dafür in Frage kommenden Grundstückseigentümern einen Plan mit 18 Anlagen vor. Die Stromerzeuger sollen eine Turmhöhe bis zu 166 Metern und einen Rotordurchmesser von 160 Metern haben.

Montag, 15.06.2020, 22:10 Uhr
Windkraftanlagen auf dem Stadtgebiet von Bad Driburg stehen bereits. Es gibt nun Pläne für einen neuen Windpark nahe Nieheim. Foto: Harald Iding
Windkraftanlagen auf dem Stadtgebiet von Bad Driburg stehen bereits. Es gibt nun Pläne für einen neuen Windpark nahe Nieheim. Foto: Harald Iding

Ein Rotor wäre damit sogar noch 40 Meter länger als ein typischer Sportplatz. Den „Wind“, den die „VSB“ aktuell mit ihren Plänen macht – er ist aber gar nicht so neu und frisch. Wie diese Zeitung erfahren hat, gibt es für Flächen zwischen Nieheim und Pömbsen bereits seit Ende 2018 einen Projektierer – die „Energiekontor AG“ mit Sitz in Aachen. Auch dieses Unternehmen wirbt – ähnlich wie „VSB“ – für sich mit einer großen Praxiserfahrung in der Planung, Errichtung und dem Betrieb von Windenergieanlagen (WEA).

Bei „Schnittchen und Getränken“ in einem Bad Driburger Restaurant gab es im Dezember 2018 die erste Einladung zum lockeren Gespräch und Austausch. Sie war natürlich nur an die Grundstückseigentümer in der Fläche adressiert, die laut ihrer Potenzialstudie geeignet wäre, um dort eine Windvorrangzone auszuweisen sowie einen Windpark zu entwickeln und zu realisieren.

Infoveranstaltung

Bei einer zweiten Infoveranstaltung im Januar 2019 wurde dann wohl auch der Entwurf eines Nutzungsvertrages vorgestellt. „Ja, das stimmt. Die Energiekontor AG ist auch bei uns im vergangenen Jahr im Rathaus vorstellig geworden. Wir haben ihnen aber die grundsätzliche Einschätzung unsrer Kommune dazu mitgeteilt, dass ausreichend Windenergie im Stadtgebiet vorhanden ist“, betonte Bauamtsleiter Franz-Josef Lohr gegenüber dem WESTFALEN-BLATT.

Gespräche mit Eigentümern

Ob die AG inzwischen schon Bauanträge beim zuständigen Kreis Höxter gestellt oder ihr Vorhaben, fünf neue WEA zu errichten, aufgegeben habe, das weiß Lohr nicht: „Ich habe keinerlei Informationen darüber!“

Wie aus einem Schreiben der „Energiekontor AG“ vom Oktober 2019 an Grundstückseigentümer hervorgeht, das dem WESTFALEN-BLATT ebenso vorliegt wie die neuen Pläne der „VSB“, will die „AG“ die Planungen trotz der Haltung der Stadt Nieheim „weiterhin voran bringen“. Allerdings: Ihnen würden zur Realisierung ihres Projektes „noch einige Grundstückseigentümer fehlen“.

Das Vorhaben des neuen Projektierers „VSB“ (Osnabrück) sei inhaltlich weder der Stadt Nieheim noch der Nachbargemeinde Bad Driburg bekannt. „Wir kennen weder die VSB noch ihre Pläne“, teilte Lohr auf Nachfrage mit. Eine ähnliche Antwort gab es aus dem Bad Driburger Rathaus.

Nach eigenen Angaben gehört die „VSB-Gruppe“ mit mehr als 600 errichteten Windkraftanlagen und 300 Mitarbeitern zu den größten Projektentwicklern in Deutschland. „Die potenziell von uns geplanten Anlagen werden – auf Basis einer Turmhöhe von 166 Metern – etwa rund 230.000 kWh Strom pro Jahr erzeugen“, stellt „VSB“ fest. Weil von einem solchen Projekt laut „VSB“ auch die Menschen vor Ort und vor allem die Grundeigentümer profitieren sollen, könnten sie eine attraktive jährliche Pacht anbieten.

Energie- und Finanzerträge

Weil die Energie- und Finanzerträge zum aktuellen Zeitpunkt (Juni 2020) aber noch nicht endgültig feststünden und es sich nur um eine erste Prognose handeln könne, spricht „VSB“ derzeit von einer möglichen Vergütung in Höhe von etwa 75.000 bis 85.000 Euro pro Jahr. Und „VSB“ zieht noch einen größeren Bogen: „Neben der Entschädigung der Flächeneigentümer besteht die Möglichkeit, auch die Bürger der Gemeinde Nieheim an den Gewinnen des Parks zu beteiligen – wenn die Eigentümergemeinschaft es wünscht.“

Eine ganz andere Prozent-Zahl hat indes Amtsleiter Franz-Josef Lohr im Kopf: „Im gesamten Stadtgebiet von Nieheim mit den 16 genehmigten WEA in Höhe Holzhausen wird bereits vier Mal mehr erneuerbare Energie erzeugt als in unserer Großgemeinde verbraucht wird!“

Landschaftsschutz

Für den Stadtheimatpfleger von Nieheim, Ulrich Pieper, dürfen die aktuellen Pläne, 18 Windkraftanlagen zu bauen, nicht widerstandslos und ohne Kritik hingenommen werden. Gegenüber dem WESTFALEN-BLATT betonte der engagierte Heimatfreund: „Es betrifft gleich zwei Kommunen – die Städte Bad Driburg und Nieheim, die in dieser Phase wohl noch gar nicht involviert sind. Ich bin kein grundsätzlicher Gegner von Windkraftanlagen. Solche Anlagen müssen aber in Kernzonen wie in Holzhausen konzentriert werden – und nicht über den ganzen Kreis Höxter verteilt. Vor Jahren gab es schon im Bereich von Eversen erste Planungen. Wenn das Schule macht, dann haben wir bald eine hässliche Verspargelung unserer Kulturlandschaft.“

Störfaktor

Investoren und Projektierer würden sich gerne Flächen aussuchen, die von ihrer Höhenlage gut gelegen sind. „Das Schlimme daran ist doch, dass in unserer hügeligen Landschaft solche Anlagen sofort in den Blick fallen. Im flachen Münsterland bemerkt man sie dagegen kaum.“ Die Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen würde mit den Höhenmetern vielleicht zunehmen – aber ebenso der Störfaktor in der Landschaft.

Pieper: „Unsere Landschaft wird hier durch Windkraft einfach überbeansprucht. Wir kämpfen bekanntlich mit der Unesco um den Erhalt und die Gestaltung unserer Kulturlandschaft. Das Gebiet, wo jetzt wieder WEA geplant sind, steht doch unter erhöhtem Landschaftsschutz. Selbst einem Landwirt, der in diesem grünlandbezogenen Gebiet einen Rinderstall bauen wollte, ist von der Unteren Landschaftbehörde eine Absage erteilt worden – wegen des besonderen Landschaftsschutzes. Und in diesem Bereich will man jetzt Windräder setzen. Das darf einfach nicht sein.“

Übrigens: Die „VSB“ interessiert sich besonders für das Gebiet südwestlich von Nieheim nahe der Gemeindegrenze. Es würde sich nach Angaben der GmbH um Teilflächen mit einer Gesamtgröße von rund 400 Hektar handeln.

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