Johannes Schlütz sieht große Chancen in alternativer Technologie – Firmen signalisieren Interesse
„Nieheimer Wasserstoff-Allianz“

Nieheim (WB/hai). Johannes Schlütz aus Holzhausen sieht in den neuen Corona-Hilfsprogrammen des Bundes enorme Chancen für die Stadt Nieheim. Vor diesem Hintergrund konnte der Holzhauser in den vergangenen Tagen nach eigenen Angaben namhafte Akteure ins Boot holen, um gemeinsam mit ihnen die neue „Nieheimer Wasserstoff­-Allianz“ ins Leben zu rufen.

Donnerstag, 02.07.2020, 22:05 Uhr aktualisiert: 02.07.2020, 22:50 Uhr
„H2” (für Wasserstoff) steht an der Tanksäule einer noch nicht in Betrieb gegangenen Wasserstofftankstelle auf dem Gelände der Total-Station am Urbicher Kreuz in Thüringen. Foto: dpa
„H2” (für Wasserstoff) steht an der Tanksäule einer noch nicht in Betrieb gegangenen Wasserstofftankstelle auf dem Gelände der Total-Station am Urbicher Kreuz in Thüringen. Foto: dpa

 

„Die Bundesregierung möchte unter anderem die Nutzung grünen Wasserstoffs in Deutschland ausbauen – und stellt dafür in den kommenden Jahren rund sieben Milliarden Euro an zusätzlichen Fördermitteln allein für inländische Projekte zur Verfügung“, betont der unabhängige Bürgermeisterkandidat Johannes Schlütz.

Deutschland soll gemäß Bundesregierung Weltmarktführer im Bereich Wasserstofftechnologie werden. Ein Ziel sei es, weitere versuchsweise „Produktionsstätten für Wasserstoff“, so genannte Reallabore, in Deutschland zu errichten. Dazu Schlütz: „Die Kette von der Wasserstoffproduktion bis hin zur Endnutzung soll dabei nach den Vorstellungen der beteiligten Ministerien möglichst geschlossen sein. Nieheim ist aufgrund seines hohen Überschusses an vor Ort produziertem Ökostrom für die Errichtung eines solchen Reallabors grundsätzlich sehr gut geeignet.“

Anstatt zum Beispiel Windkraft- oder Biogasanlagen in Zeiten niedriger oder gar negativer Strompreise komplett vom Netz zu nehmen, könnte der grüne Strom laut Schlütz künftig zu bestimmten Zeiten für die Erzeugung von Wasserstoff genutzt und in dieser Form zunächst auch gespeichert werden.

Welche Art der anschließenden Nutzung idealerweise in Frage komme – beispielsweise das Betanken von Brennstoffzellen-Fahrzeugen, die Erzeugung von Gas zum Betrieb von Heizungsanlagen oder die Rückumwandlung in Strom – soll, so Schlütz, Gegenstand künftiger Untersuchungen im Stadtgebiet sein.

Vor diesem Hintergrund konnte der Holzhauser in den vergangenen Tagen nach eigenen Angaben namhafte Akteure ins Boot holen, um gemeinsam mit diesen die neue „Nieheimer Wasserstoff­Allianz“ ins Leben zu rufen.

Hochschule macht mit

Folgende Institutionen und Unternehmen haben sich laut Schlütz zu einer Erörterung sämtlicher Möglichkeiten zur Wasserstoffnutzung in der Gemeinde Nieheim bereit erklärt: Technische Hochschule OWL (Lemgo), Universität Paderborn, Rieks Mineralöle und Fuhrbetrieb (Nieheim), Test- und Versuchsstrecke Bilster Berg (Bad Driburg), Verein Natur und Technik e.V., HSH-Biogas- und Photovoltaikanlage (Oeynhausen), UMaAG (Windkraftanlagen in Holzhausen), Von der Borch’sche Gutsverwaltung (Holzhausen), Nolte Taxi und Pollmann-Reisen (beide Nieheim). Ein erstes Treffen der „Nieheimer Wasserstoff-Allianz“ sei für Ende August avisiert. Als Referent für das Treffen stehe Dr. Jörg Ott vom französischen Industriegase-Hersteller „Air Liquide“ zur Verfügung. Ott beschäftige sich in seinen Forschungen mit Zukunftsszenarien für die deutsche Industrieentwicklung. Wasserstoff spiele dabei eine entscheidende Rolle. Einen ersten Besuch der Frankfurter Versuchslabore von „Air Liquide“ konnten Schlütz und ein Vertreter der Technischen Hochschule OWL bereits in den letzten Tagen absolvieren.

Fachfirma „Air Liquide“

„Air Liquide“ plane über die kommenden Monate die Anschaffung mehrerer Elektrolyseure, die für die Wasserstoffproduktion aus Strom benötigt werden.

Das Unternehmen baut in Kanada derzeit die weltweit wohl leistungsfähigste Anlage dieser Art. Dazu Schlütz: „Wir haben uns unter anderem über die Kosten und Größe entsprechender Anlagen informiert. Außerdem wollten wir wissen, wie weit Wasserstoff über Rohrleitungen sicher und ohne Leistungsverlust transportiert werden kann.“

Produktion in Nieheim

Auf der Basis der Gesprächsergebnisse sei es möglich, weitere Überlegungen zu einer Vor-Ort-Produktion in Nieheim anzustellen. „Eine erste Idee ist es, Wasserstoff dezentral in der Nähe von Photovoltaik-, Biogas- und Windkraftanlagen zu produzieren – und anschließend zu einer Tankstelle in Nieheim zu leiten oder per Tanklastwagen zu transportieren“, so Schlütz.

Endnutzer des produzierten Wasserstoffs könnten Bus- und Fuhrunternehmen, größere landwirtschaftliche Betriebe oder auch Taxi-Unternehmen aus der ganzen Region sein. Dazu Dieter Pollmann, Inhaber von Pollmann-Reisen in Nieheim: „Die verantwortlichen Politiker signalisieren uns gegenüber schon heute, dass bei künftigen Ausschreibungen – das heißt bereits ab 2021/22 – ein beachtlicher Anteil an Bussen mit alternativen Antriebstechnologien verlangt werden wird. Wären das Busse ausschließlich mit Batteriebetrieb und würden diese künftig allesamt gleichzeitig über Nacht geladen, würde das die regionale Stromversorgung sehr wahrscheinlich überfordern. Busse mit Brennstoffenzellentechnologie auf Basis von Wasserstoff sind mit Blick auf die Treibstoffversorgung eine überaus sinnvolle Alternative. Dazu muss dann aber rechtzeitig natürlich auch die notwendige Infrastruktur in der Fläche geschaffen werden!“

Johannes Schlütz aus Nieheim-Holzhausen ist unabhängiger Bürgermeisterkandidat für die Kommunalwahl in 2020.

Johannes Schlütz aus Nieheim-Holzhausen ist unabhängiger Bürgermeisterkandidat für die Kommunalwahl in 2020. Foto: Harald Iding

Da auch Bildungsmaßnahmen zum Thema Wasserstoff in Zukunft staatlich gefördert werden sollen, sei es ein weiteres Ziel der „Nieheimer Wasserstoff-Allianz“, im nächsten Schritt auch Schulen in die Vorhabenbesprechungen und Projektplanungen einzubeziehen. Wer Interesse am Thema Wasserstoffforschung und -produktion in Nieheim hat, könne sich jederzeit an die Nieheimer Wasserstoff-Allianz wenden. Die E-Mail-Adresse lautet: „info@wasserstoff-nieheim.de“.

Vortrag in Erwitzen

Der Bürgermeisterkandidat Johannes Schlütz lädt am Freitag (3. Juli) zu einer weiteren Wahlveranstaltung ein. Beginn ist um 19 Uhr im Landgasthof Nolte in der Nieheimer Ortschaft Erwitzen. Ein Schwerpunkt des Vortrages soll die Digitalisierung des Dorfes sowie der Mobilfunkerschließung sein. Johannes Schlütz: „Bis zur Einnahme des Sitzplatzes ist unbedingt ein Nase-Mund-Schutz zu tragen.“ Einen solchen mögen daher alle Teilnehmer mitbringen.

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7478078?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2851053%2F
BGE: Deckgebirge in Gorleben nicht ausreichend für Endlager
Stefan Studt (r.), BGE-Vorsitzender und Steffen Kanitz, Mitglied der Geschäftsführung der BGE, zeigen eine Landkarte mit Teilgebieten für die Endlagersuche.
Nachrichten-Ticker