Gemeinsame Resolution gegen ein Logistiklager in Würgassen auf dem Weg nach Berlin
Vereint im Widerstand

Beverungen (WB). So ein Großaufgebot an Bürgermeistern sieht man selten. In Beverungen haben sich die Rathauschefs und hochrangige Vertreter aus allen Kommunen des Kreises Höxter sowie aus Boffzen und Bad Karlshafen getroffen, um ihren Widerstand gegen das in Würgassen geplante Bereitstellungslager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle zu bündeln.

Montag, 10.08.2020, 03:03 Uhr aktualisiert: 10.08.2020, 05:03 Uhr
NRW, Niedersachsen und Hessen – die Bürgermeister und deren Vertreter sind sich einig in Sachen Würgassen (von links): Jost Riedel (Bad Karlshafen), Hans Hermann Blum (Willebadessen), Hubertus Grimm, Beverungen), Hermann Temme (Brakel), Carsten Torke (Steinheim), Tino Wenkel (Boffzen), Franz-Josef Koch (Bad Driburg), Robert Klocke (Marienmünster), Dietmar Becker (Nieheim), Michael Stickeln (Warburg), Rainer Rauch (Borgentreich), Alexander Fischer (Höxter). Foto: Alexandra Rüther
NRW, Niedersachsen und Hessen – die Bürgermeister und deren Vertreter sind sich einig in Sachen Würgassen (von links): Jost Riedel (Bad Karlshafen), Hans Hermann Blum (Willebadessen), Hubertus Grimm, Beverungen), Hermann Temme (Brakel), Carsten Torke (Steinheim), Tino Wenkel (Boffzen), Franz-Josef Koch (Bad Driburg), Robert Klocke (Marienmünster), Dietmar Becker (Nieheim), Michael Stickeln (Warburg), Rainer Rauch (Borgentreich), Alexander Fischer (Höxter). Foto: Alexandra Rüther

Im Gepäck hatten sie die in den Räten beschlossenen Resolutionen (der Beschluss steht nur in Bad Driburg noch aus) gegen das Vorhaben der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ). Dazu kommen die Papiere der Landkreise Holzminden, Kassel und Höxter.

Direktes Gespräch

Beverungens Bürgermeister Hubertus Grimm wird die Resolutionen dem heimischen Bundestagsabgeordneten Christian Haase mit nach Berlin geben – adressiert an Bundesumweltministerin Svenja Schulze und verbunden mit der Einladung nach Beverungen. „Wir fordern ein direktes Gespräch mit ihr“, so Grimm.

In den Inhalten der Resolutionen sind sich die Städte einig, auch wenn es hier und da Abänderungen gibt – bedingt durch die jeweiligen Interessen vor Ort, etwa was den Tourismus angeht. Jost Riedel, erster Stadtrat in Bad Karlshafen, betonte, dass die Bad Karlshafener Resolution auf einen Antrag der SPD zurückgeht – wohlwissend, dass die Bundesumweltministerin das gleiche Parteibuch besitzt. „Davor scheuen wir uns nicht, denn hier geht es um kommunale Interessen“, so Riedel und betonte die „Symbolkraft“ dahinter. Für ihn sei die Größenordnung, in der die BGZ das Lager plane, unerklärlich.

„Die BGZ spricht von einem Logistiklager, keiner Dauerlösung. Da fragt man sich schon, warum dann diese Dimension sein muss.“ „Zumal für ein Logistikzentrum auch die Logistik vor Ort vorhanden sein muss, sprich die verkehrliche Anbindung“, fügte Hubertus Grimm hinzu. Und das sei hier nun einmal nicht der Fall. „Von einer guten Logistik zu sprechen, ist schon ein Hohn, wenn man um die Bahnverbindungen hier vor Ort und die Entfernung bis zur nächsten Autobahn weiß.“ Auch Staatssekretär Jochen Flasbarth sei bei seinem Besuch überrascht gewesen, wie weit es von Würgassen bis zur Autobahn sei.

Neue Suche

„Neben der schlechten Informationspolitik und dem intransparenten Vorgehen der BGZ ist das unser Hauptkritikpunkt“, so Grimm. „Wenn man den besten Standort in Deutschland finden will – und diesen Anspruch setze ich für diese nationale Aufgabe voraus – dann ist das nicht geschehen. Und deshalb gilt es, die Suche neu zu beginnen.“ Das Auswahlverfahren soll nach dem Willen der Resolutionsunterzeichner vom Bundesumweltausschuss als unabhängigem Gremium überwacht werden.

Unterdessen habe Jochen Flasbarth der Stadt Beverungen schriftlich zugesichert, dass Würgassen auf keinen Fall Endlager werden würde. „Die Nutzung als Endlager ist auch aus sicherheitstechnischen Gründen ausgeschlossen“, heißt es in dem Schreiben, eine Endlagerung müsse in einem Bergwerk erfolgen.

Kommentare

Odo Günther  schrieb: 10.08.2020 14:33
Ergänzung meines Beitrags.
Bitte entschuldigen Sie die Rechtschreibfehler meines ersten Beitrags. Den oben positionierten Bürgermeistern möchte ich entgegenhalten. Schauen Sie sich die erwähnen Videos einmal an. In Wahrheit war Würgassen Vorreiter im Rückbau von Kernkraftwerken und erbrachte den Beweis, dass am Ende eines "AKWs" eben keine Jahrhunderte strahlende Ruine verbleibt, sondern dass ein ordentlicher Rückbau in einem überschaubaren Zeitraum erfolgten kann und erfolgreich abgeschlossen wurde. Nein, man muss Kernenergie und die fachgerechte Behandlung der Reststoffe nicht als Makel ansehen, man könnte sie sogar zur touristischen Attraktion mit leichtem Grusel machen. Wenn im übernächsten Jahr alle Kernkraftwerke abgeschaltet sein werden, wird alles was damit zu tun hat, zunehmend an Attraktivität gewinnen. Ich selbst habe nur das Kernkraftwerk Grohnde besichtigt und fand das schon sehr beeindruckend. Wenn man den Technikern etwas mehr Freiheit einräumte, könnte es sogar technologisch sehr, sehr interessant sein. Ein solches Lager zu genehmigen, fände ich vorbildlich. Es zeigt, dass eine Region bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Es ist in Ordnung, angemessene, vernünftige Sicherheitsanforderungen zu stellen und was für die Bevölkerung wichtig wäre, Transparenz zu ermöglichen. Und, machen Sie sich ehrlich: Ein solches Lager braucht keinen Autobahnanschluss. Es reichen gut ausgebaute Landes- und Bundesstraßen und man braucht auch keine Trasse für den TGV oder ICE, im Grunde reicht 'ne Bummelzugstrecke. Was wichtig ist, ist eine hohe Verlässlichkeit von Mitarbeitern, Managern, TÜV und Aufsichtsbehörden.
Odo Günther  schrieb: 10.08.2020 12:02
In meinen Augen wäre der Standort Würgassen 100% geeignet.
Es gibt einige Videofilme über den ersten Abriss eines Kernkraftwerks in Deutschland, in Würgassen. Es wird darin gezeigt wie verantwortungsvoll und akkurat das Kernkraft zerlegt, jedes einzelne Teil und seine Strahlung vermessen wurde, wie man versucht hat, die Menge radioaktiven Abfalls so gering wie möglich zu halten und möglich viel Material (Stahl, sonstige Metalle, Kabel, Beton ...) der Wiederverwertung zuzuführen. Ich finde das sehr gelungen. Der hier abgebildete Aufmarsch von Bürgermeistern, deren Karrieren sicher sind, die alle feste 5stellige Monatseinkommen nach Hause tragen, kommt mir wie erbärmlicher Populismus vor. Hier können einige gut bezahlte sichere Arbeitsplätze für vielleicht 20-30 Jahre entstehen. Wenn man Sicherheitsbedenken hat, okay, dann gilt es diese professionell zu behandeln und auszuräumen. Ansonsten ist gegen eine solche Anlage überhaupt nichts zu sagen, erst recht nicht von unserem Steinheimer Bürgermeister. Wir sind doch überhaupt nicht tangiert. Was mischt der Kerl sich da ein? Er mimt den Helden und ist in Wahrheit doch nur ein ganz gewöhnlicher, anpasster Mitläufer. Bei den monströsen Windkraftanlagen in und um Steinheim, von denen Steinheimer massiv beeinträchtigt und bedroht werden, da war er ganz leise, ist fast auf Tauchstation gegangen. Es ist ein Trauerspiel, dass der in Steinheim keinen Gegenkandidaten hat.
2 Kommentare
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