Kleine Feierstunde im Landgasthof Nolte – Weniger Bewerber in der Gastronomie
Der erste Azubi wird Erster

Nieheim-Erwitzen (WB). Der Hotel- und Gaststättenverband hat am Mittwochnachmittag in Erwitzen die besten Auszubildenden im Hotelfach Ostwestfalens ausgezeichnet. Beide kommen aus dem Kreis Höxter.

Freitag, 14.08.2020, 05:14 Uhr aktualisiert: 14.08.2020, 05:20 Uhr
Marwin Lüke und Luisa Stellpflug vor einer alten Kutsche, die im Biergarten des Landgasthofs Nolte in Erwitzen steht. Der Betrieb war ursprünglich ein Bauernhof mit Ausschank und bietet heute insgesamt 28 Betten. Foto: Marius Thöne
Marwin Lüke und Luisa Stellpflug vor einer alten Kutsche, die im Biergarten des Landgasthofs Nolte in Erwitzen steht. Der Betrieb war ursprünglich ein Bauernhof mit Ausschank und bietet heute insgesamt 28 Betten. Foto: Marius Thöne

Erstplatzierter ist Marwin Lüke (22) aus Erwitzen. Er hat im örtlichen Landgasthof Nolte eine Ausbildung zum Hotelfachmann absolviert. „Er ist unser erste Lehrling gewesen“, berichtet Inhaber Wilfried Nolte (51), der den Gasthof in achter Generation führt. Dass sein erster gleich Erster wird, macht den Gastronomen besonders stolz. Marwin Lüke hatte bereits als 16-Jähriger im Gasthof „über die Theke geguckt“, wie Claudia Nolte (52) betont.

Es begann als Job

„Ich will bei euch arbeiten“, sei sein erster Satz gewesen. Und so jobbte Marwin Lüke dort neben der Schule im Service. „Mir macht es Freude, die Gäste zu bedienen. Ich mag den Kontakt zu Menschen“, sagt Lüke. Dass er auch hauptberuflich ins Hotelfach gehen würde, war zunächst nicht klar.

„Ich habe erst ein Jahr in Paderborn Wirtschaftsingenieurwesen und Maschinenbau studiert, dann aber gemerkt, dass das für mich nichts ist“, sagt Lüke, der am Brakeler Petrus-Legge-Gymnasium sein Abitur abgelegt hat. Also fing er in dem Erwitzer Landgasthof mit 28 Betten, verteilt auf zehn Zimmer und vier Ferienwohnungen, seine Lehre an. „Eine Entscheidung, die ich nie bereut habe“, sagt er.

Lüke wird nach seiner Ausbildung nicht bei Familie Nolte bleiben. Sein großer Traum von einem Arbeitsplatz auf einem Kreuzfahrtschiff hat sich vorerst aber zerschlagen. Corona hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Ich fange jetzt im Gräflichen Park in Bad Driburg an“, berichtet Marwin Lüke.

Richtige Entscheidung

Dort wird er auf Luisa Stellpflug (21) treffen. Die Manroderin hat in dem Bad Driburger Hotel auch schon ihre Ausbildung absolviert und als Zweitbeste ihres Jahrgangs abgeschlossen. Die Tochter eines Getränkehändlers hatte sich vor drei Jahren beim Driburger Brunnen um eine Lehrstelle als Speditionskauffrau beworben.

Als das nichts wurde, hat sie eine Liste mit Ausbildungsberufen der Unternehmensgruppe Oeynhausen-Sierstorpff bekommen. „Da habe ich gedacht, das Hotel könnte auch etwas für mich sein“. Eine Entscheidung, die rückblickend betrachtet für Luisa Stellpflug goldrichtig war. „Das liegt mir einfach“, berichtet sie. Sie kann sich noch gut an die ersten Wochen ihrer Ausbildung erinnern, in der sie unter anderem mit dem Knigge vertraut gemacht wurde. „Es war eine sehr gute Zeit“, sagt sie. Nur das Besteckpolieren liege ihr nicht so, gibt die 21-Jährige zu.

In ihren Abschlussprüfungen, die coronabedingt übrigens etwas später stattfanden, mussten die Azubis beispielsweise einen Zimmercheck durchführen, ein Blumengesteck gestalten, einen Tisch eindecken und ein Wochenarrangement für Gäste vorbereiten.

Wenige Bewerbungen

Für Dr. Joachim Avenarius, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes im Kreis Höxter, sind die beiden gute Beispiele, dass sich eine Ausbildung in der Gastronomie lohnen kann. Derzeit seien die Bewerberzahlen deutlich rückläufig. Avenarius gibt daran auch der Corona-Pandemie die Schuld. „Viele haben offenbar die Befürchtung, dass eine Ausbildung in unserer Branche direkt in die Arbeitslosigkeit führen könnte“, mein Avenarius, der Hotels in Bad Driburg und Willebadessen betreibt. Dabei sei die Auslastung der heimischen Betriebe mittlerweile wieder gut, weil viele Gäste ihren Urlaub im eigenen Land verbringen.

Schlechtes Internet

Auch Familie Nolte glaubt an die Zukunft ihres Unternehmens. Die jüngste Tochter macht auch eine Ausbildung in der Gastronomie. Allerdings kritisieren beide das nach wie vor ausbaufähige Internet und den schlechten Mobilfunkempfang in Erwitzen. Das mache vor allem das Geschäft mit Firmenkunden schwierig, die beispielsweise bei Tagungen auf gutes Netz angewiesen seien.

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