Corona: Karnevalshochburgen gehen von Einschränkungen aus – kleinere Feiern möglich
„Fröhlichkeit kann man nicht absagen“

Kreis Höxter(WB). Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kann sich ausgelassene Karnevalsfeierlichkeiten zur Zeit nicht vorstellen. Auch die Karnevalshochburgen im Kreis Höxter müssen sich in diesen Tagen zu Entscheidungen durchringen: Feiern oder nicht? Die WESTFALEN-BLATT-Redaktion hat sich in den Städten Nieheim, Brakel, Beverungen, Bad Driburg und Steinheim umgehört. Hier finden traditionell die großen Umzüge und Feiern statt. Auch der närrische Auftakt am 11.11. steht in den Sternen. Was wird auch der Session 2020/2021?

Freitag, 21.08.2020, 13:52 Uhr aktualisiert: 21.08.2020, 13:54 Uhr
Närrischer Spaß in der Gruppe, ausgelassen und ohne Schutzmaske – das wird es wohl vorerst nicht mehr geben. Foto: Harald Iding, Archiv
Närrischer Spaß in der Gruppe, ausgelassen und ohne Schutzmaske – das wird es wohl vorerst nicht mehr geben. Foto: Harald Iding, Archiv

Brakel

„Wir planen konkret erst mal gar nichts – weil wir davon ausgehen müssen, dass alles ausfällt“, sagt Mark Elberg, Präsident von „Brakel Radau“. Zunächst möchten die Nethe-Narren jedoch noch die Versammlung aller Präsidenten aus dem Kreis Höxter am 6. September abwarten. Es wäre wünschenswert, einen Konsens zu finden; letztendlich müsse aber jeder Verein nach seinen Möglichkeiten planen. Doch Elberg erklärt schon jetzt: „Eine Session zu organisieren, bedeutet einen riesigen Aufwand. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in der Kürze der Zeit ein Impfstoff gefunden und alle durchgeimpft worden sind. Wir haben auch eine Verantwortung gegenüber alle Karnevalisten – die Gesundheit geht vor.“ Karneval bedeute für Elberg „schunkeln, singen, locker und fröhlich sein – und das ist auch mit Auflagen nur schwer umzusetzen“. Den Karneval zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr 2021 zu feiern, sei für die Brakeler ebenfalls keine Option. „Wir hatten in diesem Jahr noch Glück, weil wir das letzte große Fest in Brakel vor Corona ausrichten konnten. Jetzt müssen wir halt ebenfalls zurückstecken. Auch, wenn es sehr schade ist, müssen wir die Situation realistisch bewerten“, erklärte Elberg.

Bad Driburg

In Bad Driburg muss der neue Präsident Uwe Rohde ausgerechnet im ersten Jahr seiner Amtszeit eine Corona-Session planen. Dazu versammelt sich die Karnevalsgesellschaft Rot-Weiße-Garde einmal mehr am 1. September. „Bereits im Vorfeld haben wir uns mit Ovenhausen und Nieheim ausgetauscht, weil wir unter normalen Voraussetzungen die Künstler für den Karnevalssamstag gemeinsam buchen.“ Rohde gibt sich verhalten optimistisch, dass einige Veranstaltungen stattfinden könnten – wenn auch deutlich kleiner als gewohnt: „Was wir durchkriegen, würden wir – Stand heute – versuchen. Am 11. November könnte es eine kleine Veranstaltung für Mitglieder geben. Außerdem versuchen wir, eventuell Kinder- und Frauenkarneval sowie den Karneval für Jedermann durchzuführen – dann aber nur als abgespeckte Party oder mit einem kleinen Programm, das kurzfristig im Verein geplant würde. Letztendlich hat die Gesundheit aber immer Priorität.“ Einen Auftakt im Schützenhaus am 11. November sowie einen Königsball werde es nicht geben. Das Prinzenpaar bleibe im Amt.

Beverungen/Lauenförde

„Wir feiern richtig Karneval oder wir lassen es sein.“ So ist die einhellige Meinung im geschäftsführenden Vorstand des Carnevalsvereins Weserbrücke. Zur Zeit plane man zweigleisig, sagt Präsident Friedhelm Dierkes. A: Es finden Veranstaltungen statt – eventuell auch mit Einschränkungen, B: Die Session fällt aus. Dierkes würde ein kreisweit einheitliches Vorgehen begrüßen. „Letztendlich entscheidet natürlich jeder Verein für sich, aber die weitere Planung wird sicher Hauptthema sein bei unserem Treffen am 6. September.“ Auch von den karnevalistischen Dachverbänden sollten bis dahin Entscheidungen gefallen sein. Ein neues Prinzenpaar steht in Beverungen und Lauenförde auf jeden Fall in den Startlöchern, Kleid und Ornat sind gekauft, vielleicht bleibt beides aber auch noch ein Jahr im Schrank. „Ich persönlich kann mir einen Karneval auf Distanz, ohne Singen, Schunkeln und das Bier an der Theke nicht vorstellen“, sagt Präsident Dierkes.

Steinheim

„Wir müssen erst mal abwarten, wie sich die Situation entwickelt“, ist Dominik Thiet, Präsident der Steinheimer Karnevalsgesellschaft (StKG), vorsichtig. Eigentlich feiern die Steinheimer den Karnevalsauftakt am „11. im 11.“ um 11.11 Uhr mit Hunderten Besuchern auf dem Marktplatz rund um den Kump. Hier wird dann mit einem bunten Showprogramm auch das Kinderprinzenpaar inthronisiert. „Wir haben noch keine konkreten Pläne und wollen die nächsten Wochen erst einmal abwarten“, sagt Thiet. Erst gegen Ende des Monats werde in Steinheim die Entscheidung über das weitere Vorgehen fallen. Stefan Wiedemeier ist Präsidiumssprecher der StKG. Für ihn ist ganz klar: „Karneval kann man nicht absagen genauso wie man Fröhlichkeit nicht absagen kann.“ Natürlich stehe die Gesundheit an erster Stelle, in Steinheim werde man aber auf jeden Fall versuchen, den Menschen den Karneval auch in der Session 2020/21 nahe zu bringen. „Wie wir das machen, das hängt natürlich von der Entwicklung der Pandemie ab.“ Wiedemeier kann sich zur Not auch digitalen Karneval vorstellen, wie er bei „Man teou-TV“ aus der Steinheimer Karnevalshalle bereits zweimal gelaufen sei. Wiedemeier: „Was passiert denn, wenn wir den Karneval ganz absagen, wie es der ehemalige Kinderprinz aus Ahaus/Ottenstein (gemeint ist Bundesgesundheitsminister Jens Spahn) angedeutet hat? Dann feiern die Menschen im privaten Umfeld und ganz ohne Kontrolle.“ Eine Feier am 11.11. unter freiem Himmel mit Masken und ohne Alkohol kann Stefan Wiedemeier sich vorstellen. Dass dabei, wie gewohnt, ganze Schulklassen vor Ort sind, allerdings nicht. Auch Generalversammlung und Elferratssitzung – beides mit Neuwahlen – stehen bei der StKG noch an. Ob und wie das möglich sei, darüber berät die StKG gerade mit Bürgermeister Carsten Torke und Anke Rüsenberg vom Ordnungsamt.

Nieheim

„Wir könnten loslegen. Im Hintergrund ist alles geplant“, sagt Friedrich Simon, 1. Vorsitzender der Nieheimer Karnevalsgesellschaft (NKG). Persönlich sei er aber pessimistisch. Eine ausgelassene Feier könne man sich gerade nicht vorstellen „und sie passt auch nicht in die Zeit“, meint Simon. Jetzt müsse man auch in Nieheim erst einmal abwarten, was die Politik und die übergeordneten Gremien, wie der Bund Westfälischer Karneval entscheiden würden. Simon: „Mit 100 Leuten und auf Abstand, brauchen wir nicht Karneval zu feiern. Wir warten ab und hoffen – wie alle.“

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