Alexander Graf Lambsdorff in Nieheim
„Ich drücke Joe Biden die Daumen“

Nieheim/Holzhausen (WB). Er trägt einen bekannten Namen: der FDP-Außenpolitiker Alexander Graf Lambsdorff (53). Seinen Onkel, den inzwischen verstorbenen früheren Bundesminister und FDP-Chef Otto Graf Lambsdorff, kennen viele: Der junge MdB Lambsdorff ist in dessen Fußstapfen getreten und hat sich als Vizepräsident des EU-Parlaments und aktuell als medial viel gefragtem Fraktionsvize der FDP im Bundestag einen Namen erarbeitet. Der liberale Spitzenpolitiker hat am Mittwoch die aufwendig sanierte Grundschule Nieheim besichtigt und auf Gut Holzhausen vor gut besuchtem Haus eine FDP-Wahlkampfveranstaltung bestritten.

Donnerstag, 27.08.2020, 21:20 Uhr aktualisiert: 28.08.2020, 10:10 Uhr
Alexander Graf Lambsdorff (vorn, 2. von links) hat die sanierte Katholische Grundschule Nieheim und die Leitung Karin Finkeldei und Anette Berndt besucht. Zusammen mit Bürgermeister Rainer Vidal (links) und dem Nieheimer FDP-Ortsverbandsvorsitzenden Friedrich-Wilhelm Hörr (rechts) sowie weiteren FDP-Vertretern erlebt er, wie eine Schule im ländlichen Raum modern aufgestellt sein kann. Lambsdorff zeigt sich beeindruckt von dem, wie Digitalisierung und modernes Lernen heute aussehen können. Fotos: Michael Robrecht

Graf Lambsdorff kommt ganz auf seinen Onkel, denn er gehört dem „Club für deutliche Aussprache“ an, was den Zuhörern sichtbar gefiel. Klare Ansagen gab es zu den vielen Konfliktfeldern neben der Corona-Pandemie. „Ja, die Welt ist aus den Fugen“, sagte der Graf, der gestand, neben einem Auftritt in Warburg den Kreis Höxter noch nie erlebt zu haben. Die vielen globalen Themen könne Deutschland national nicht mehr angehen, sondern man müsse die EU viel stärker machen. Er bedauerte, dass die Kanzlerin auf die Sorbonne-Rede des französischen Präsidenten Emmanuel Macron nie reagiert habe. Europa habe die Wahl, als dritter „Elefant“ neben China und den USA Weltpolitik mitzugestalten oder sich – hoffentlich mit einer neuen US-Regierung – mit dem US-Verbündeten zusammen zu positionieren. Mit Russland unter Präsident Putin könne man leider das europäische Haus – wie Kohl und Genscher mit Gorbatschow und Schewardnadse es wollten – nicht weiter bauen. Russland habe daran kein Interesse. Erst die Ereignisse um die Vergiftung des Kremlkritikers Alexej Nawalny und viele ähnliche Fälle davor bewiesen das. Er möge Russland, aber eine Regierung, die die Krim besetze oder im Osten der Ukraine Krieg führe, sei für die EU ein echtes Problem.

Johann-Friedrich Freiherr von der Borch und Alexander Graf Lambsdorff mit Nieheim-Gesichtsmaske auf Gut Holzhausen.

Johann-Friedrich Freiherr von der Borch und Alexander Graf Lambsdorff mit Nieheim-Gesichtsmaske auf Gut Holzhausen. Foto: M. Robrecht

Graf Lambsdorff sprach im „Schafstall“ auch über die Corona-Pandemie. Er selbst sei im Frühjahr erkrankt und habe Covid 19 zum Glück überwunden. Mit Blick auf die Digitalisierung wies er auf große Sprünge durch die Krise hin. Das digitale Gespräch werde aber niemals das persönliche ersetzen, meinte er mit Blick auf die unzähligen Videokonferenzen der vergangenen Monate.

Daumendrücken für Biden

Alexander Graf Lambsdorff forderte die Beendigung der Beitrittsgespräche der Türkei mit der EU. Präsident Erdogan habe das Land an den Rand des wirtschaftlichen Ruins geführt. Er kritisierte die Re-Islamisierung und dass die Türkei ein Forschungsschiff mit militärischer Begleitung in griechische Gewässer schicke, um nach Bodenschätzen zu suchen. Zudem säßen nirgendwo so viele Journalisten im Gefängnis wie in der Türkei und in China.

Bemerkenswert sei auch, dass man sich in Deutschland und Berlin für das Syrienproblem erst seit der Flüchtlingskrise 2015 interessiere: „Da kamen plötzlich hunderttausende Flüchtlinge, viele davon auch in den Kreis Höxter, und da waren viele überrascht...“

Graf Lambsdorff drückt Joe Biden bei der US-Wahl die Daumen. Man dürfe aber nicht vergessen, dass viele Themen zwischen EU und USA auch bei einem Wechsel strittig blieben. Mit Sorge bewertet er auch den Brexit: 30.000 deutsche Firmen würden mit Großbritannien Handel betreiben.

 

Originalton Graf Lambsdorff

Zu seiner Nieheim-Gesichtsmaske : „Ich habe von Bürgermeister Vidal beim Besuch in der Grundschule eine Nieheim-Maske als Geschenk bekommen. Die trage ich in Berlin. Ein schönes Modell.“

Zum Gong aus China im Musikraum der Grundschule: „Ich hatte ein bemerkenswertes Erlebnis. Dort stand im Musikzimmer ein Gong. Und dieser Gong war, wie man lesen konnte, in China hergestellt worden – in Wuhan, wo Covid 19 zuerst ausgebrochen ist. Ich habe mich gefreut, dass auch gute Dinge aus Wuhan zu uns kommen...“

Zur US-Präsidentenwahl: „Trump ist ein echtes Problem. Er kehrt Nato, Uno und internationalen Organisationen den Rücken. Zuletzt mitten in Pandemie der Weltgesundheitsorganisation. Ich hoffe, dass Biden gewinnt.“

Zu China: „China will überall dominieren. China tritt immer aggressiver auf. China baut Flugzeugträger, und die beschafft man sich nur, wenn man militärische Aktionen außerhalb plant. Die Chinesen wollen das gesamte südchinesische Meer beherrschen und bauen auf künstlichen Inseln vor den Philippinen sogar Militärbasen. Ich befürchte, dass wir auf einen Kalten Krieg USA-China zusteuern.“

Zum Klimawandel: „Klimaschutz ist wichtig, wenn ich Smog, Waldbrände und CO2-Probleme sehe. Die Kosten für das Einsparen von einer Tonne CO 2 in Deutschland sind zu hoch; mit dem Geld könnte man international das Zehnfache an CO 2 einsparen.“

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7553502?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2851053%2F
Kurz vor dem Kontrollverlust
Mit Megafonen wiesen Ordnungsamtsmitarbeiter die Schnäppchenjäger darauf hin, dass die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten sind.
Nachrichten-Ticker