Sieben Stimmen Unterschied: Kopf-an-Kopf-Rennen in Nieheim
Schlütz und Vidal in der Stichwahl

Nieheim (WB). Kopf-an-Kopf-Rennen in Nieheim: Der unabhängige Bewerber Johannes Schlütz (32,1 Prozent) und Amtsinhaber Rainer Vidal (31,9 Prozent) kommen in die Stichwahl. Zwischen beiden Bewerbern liegen nur sieben Stimmen. Schlütz holte 1137 und Vidal 1130 Stimmen – gefolgt von Jana Katharina Reineke mit 826 Stimmen (23,3 Prozent). Deutlich abgeschlagen liegt der CDU-Kandidat Elmar Kleine (447 Stimmen, 12,6 Prozent) auf Platz 4. Er holte 1096 Stimmen weniger als seine Partei bei der Ratswahl, deren Fraktion auf 43,9 Prozent der Stimmen kam, und war an diesem Wahlabend bitter enttäuscht.

Sonntag, 13.09.2020, 22:26 Uhr aktualisiert: 14.09.2020, 07:52 Uhr
Spannender Wahlabend in Nieheim: Johannes Schlütz hat mit sieben Stimmen Vorsprung gegenüber dem Amtsinhaber gewonnen. Das Foto zeigt (von links) Anke, Amélie, Johannes, Niklas und Lennart Schlütz. Foto: Greta Wiedemeier
Spannender Wahlabend in Nieheim: Johannes Schlütz hat mit sieben Stimmen Vorsprung gegenüber dem Amtsinhaber gewonnen. Das Foto zeigt (von links) Anke, Amélie, Johannes, Niklas und Lennart Schlütz. Foto: Greta Wiedemeier
Amtsinhaber Rainer Vidal geht am 27. September gegen Mitbewerber Johannes Schlütz in die Stichwahl.

Amtsinhaber Rainer Vidal geht am 27. September gegen Mitbewerber Johannes Schlütz in die Stichwahl. Foto: Greta Wiedemeier

Bei der Ratswahl in Nieheim wurde die CDU mit 43,9 Prozent (minus 1,5) stärkste Fraktion. Sie kommt auf elf Sitze. Die SPD erreichte 26,2 Prozent (sechs Sitze) und verlor zweistellig (minus 11,9). Die UWG legte um knapp 5 auf 16,3 Prozent zu (vier Sitze). Leichte Verluste gibt es bei der FDP. Sie kommt auf 4,4 Prozent (minus 0,7, ein Sitz). Die erstmals angetretenen Grünen kamen aus dem Stand auf 9,1 Prozent der Stimmen (zwei Sitze). Die Wahlbeteiligung liegt bei 70,9 Prozent.

Nieheim ganzheitlich nach vorne bringen

Bei der Stichwahl am 27. September wird sich nun zeigen, bei wem die Anhänger der im Rat vertretenen politischen Kräfte ihr Kreuz machen. Der Sieger des Abends, Johannes Schlütz (50), hat den Amtsinhaber Rainer Vidal im ersten Anlauf knapp überholt. „Der Vorsprung hätte besser sein können, trotzdem ist es ein hervorragendes Ergebnis, den Bürgermeister zu schlagen“, sagte er nach Vorliegen des Wahlergebnisses dem WB. Das Resultat des Urnenganges entspreche seinen Erwartungen. Er habe mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen gerechnet. Jetzt möchte der 50-Jährige, der unabhängig antritt, noch einen Info-Brief an alle Bürgerinnen und Bürger herausgeben und herausstellen, dass er nicht nur auf einzelne Themenschwerpunkte wie Wirtschaft und Bildung setze, sondern Nieheim ganzheitlich nach vorne bringen wolle.

Amtsinhaber hat mit Stichwahl gerechnet

Amtsinhaber Rainer Vidal (47) hat, wie er am Abend sagte, damit gerechnet, in die Stichwahl zu kommen, weil das Umfeld schwierig gewesen sei und die großen Parteien sich auf andere Kandidaten festgelegt hätten (Elmar Kleine war der Kandidat der CDU, Jana Katharina Reineke wurde als unabhängige Bewerberin von der SPD unterstützt). Der Bürgermeister war 2009 als parteiloser Kandidat von der CDU unterstützt worden. 2015 trat er dann – wie jetzt – ohne die Unterstützung einer Partei an. „Jetzt sind die Karten bis zur Stichwahl zwischengelegt.“ Es gelte, um die Wählerinnen und Wählern von Elmar Kleine (52) und Jana Katharina Reineke (32) zu werben.

„Vielleicht ist es doch noch nicht an der Zeit für eine Frau in Nieheim.“

Jana Katharina Reineke

„Das hätte ich mir so nicht träumen lassen“, kommentierte Elmar Kleine seine Niederlage. Der Amtsinhaber habe aus dem gleichen Teich gefischt wie er. Der Bürgermeister habe offenbar ein Klientel in den Reihen der CDU. Sein Ergebnis sei enttäuschend. Gleichwohl habe die CDU eine Mehrheit im Rat. „Wir sind eine starke Fraktion. Wir werden hier unsere Eckpunkte setzen.“ Kleine habe sein Ratsmandat gewonnen. Diesen Wählerauftrag nehme er ernst.

„Ich hätte mir gewünscht, in die Stichwahl zu kommen“, macht Jana Katharina Reineke aus ihrer Enttäuschung keinen Hehl. „Vielleicht ist es doch noch nicht an der Zeit für eine Frau in Nieheim.“ Sie werde den Kopf aber nicht in den Sand stecken. „Man wird weiter von mir hören“, kündigte die 32-Jährige an.

Kommentar von Sabine Robrecht

Was für ein Krimi! Zwischen Neustarter Schlütz und Amtsinhaber Vidal liegen ganze sieben Stimmen. Dieses Ergebnis zeigt ein differenziertes Bild: Viele Nieheimer wollen offenbar einen Wechsel – sonst wären die Newcomer Johannes Schlütz und Jana Katharina Reineke nicht aus dem Stand so weit gekommen. Beide repräsentieren mehr als die Hälfte der Wählerinnen und Wähler. Die kommunalpolitische Erfahrung des CDU-Kandidaten Elmar Kleine war offensichtlich wenig wahlentscheidend. Für ihn ist der Wahlabend besonders bitter.

Zumal zwischen Kleines Ergebnis und dem seiner Partei im Rat eine Diskrepanz von 31,28 Prozentpunkten liegt. Sehr viele Christdemokraten haben ihr Bürgermeister-Kreuz woanders gemacht – zum Beispiel beim Amtsinhaber. Er stürzte zwar von 68,8 auf 31,92 Prozent ab. 2015 war er aber auch alleine angetreten. Jetzt hatten die Bürger drei Alternativen. Und obwohl Vidal erst seinen Verzicht ankündigte und dann plötzlich doch – wie durch die Hintertür – ins Rennen einstieg, wollen ihn fast 32 Prozent der Wahlberechtigten behalten. Jana Katharina Reineke hat mit ihrer „Frischer Wind für Nieheim“-Kampagne politisches Potenzial bewiesen und ein achtbares Ergebnis erzielt. Wem ihre Wählerschaft bei der Stichwahl die Stimme gibt, wird sich zeigen.

 

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