Wahlnachlese in Nieheim: Elmar Kleine wirft die Flinte nicht ins Korn – Grüne glücklich über Einzug in Rat
Noch keine Empfehlung für Stichwahl in Sicht

Nieheim (WB). Die Diskrepanz zwischen dem Ratswahlergebnis der CDU (43,9 Prozent) und dem schlechten Abschneiden ihres Bürgermeisterkandidaten Elmar Kleine (12,6 Prozent) ist am Montag Gesprächsthema in Nieheim gewesen. Die mehr als 30 Prozentpunkte Unterschied wecken den Eindruck einer gespaltenen CDU.

Dienstag, 15.09.2020, 05:13 Uhr aktualisiert: 15.09.2020, 13:18 Uhr
Wahlabend in der Grundschule. Foto: Greta Wiedemeier
Wahlabend in der Grundschule. Foto: Greta Wiedemeier

Geben die Christdemokraten jetzt für die Stichwahl zwischen Amtsinhaber Rainer Vidal und Einzelbewerber Johannes Schlütz eine Empfehlung ab? Elmar Kleine, der Stadtverbandsvorsitzender seiner Partei ist, geht nicht davon aus. „Wir haben am Sonntagabend mit den gewählten Ratskandidaten zusammen gesessen. Es war keine Mehrheit für eine Empfehlung erkennbar.“ Das CDU-Klientel, das ihn nicht gewählt habe, habe wahrscheinlich bei Amtsinhaber Rainer Vidal ihr Kreuz gemacht, schätzt Kleine. Sein Ratsmandat in Oeynhausen hat der Christdemokrat mit 60,1 Prozent geholt. Er werde es auf jeden Fall antreten. Nach der Rolle rückwärts von Rainer Vidal, der seinen Verzicht erklärt hatte und dann plötzlich doch wieder antrat, „habe ich die Flinte auch nicht ins Korn geworfen. Das ist nicht meine Art“. Die Wähler hätten Vidal die Rolle rückwärts wohl nicht so übel genommen wie es in Höxter der Fall war, wo Alexander Fischer entgegen dem angekündigten Verzicht kandidierte und mit 14,5 Prozent desaströs verlor.

Für Vidal geworben

Nieheims scheidender CDU-Fraktionsvorsitzender Thomas Menne machte am Montag keinen Hehl aus seiner Meinung: Er habe in seiner Partei nach dem Wiederantritt Vidals dafür geworben, den Amtsinhaber zu unterstützen und Elmar Kleine den Kandidaturverzicht nahezulegen. „Das wäre der bessere Weg gewesen. Mit dieser Meinung stand ich aber ziemlich alleine da – zumindest bei denen, die sich geäußert haben.“ Die Partei habe sich mehrheitlich entschieden, an ihrem Kandidaten festzuhalten. „Jetzt muss man das Ergebnis respektieren.“ Erfreulich sei das CDU-Resultat der Ratswahl und das gute Abschneiden auch der neuen Kandidaten. „Es zeigt, dass das Vertrauen in die CDU groß ist“, betont Menne, der selbst nicht mehr angetreten ist.

Zweistellige Verluste (minus 11,9 Prozentpunkte) musste die SPD hinnehmen. Sie blieb unter 30 und erreichte 26,2 Prozent. Ortsvereins- und Fraktionschef Wolfgang Kuckuk geht davon aus, dass seine Partei Stimmen an die neu gegründeten Grünen verloren hat. Mit Verlusten habe die SPD gerechnet, aber nicht mit so großen. „Wir haben eine konstruktive Politik und einen engagierten Wahlkampf gemacht.“ Auch habe die SPD gehofft, dass Jana Katharina Reineke in die Stichwahl kommt. Ob die Sozialdemokraten nun eine Empfehlung für einen der Stichwahlkandidaten abgeben, steht noch nicht fest. „Wir treffen uns am Mittwoch und werden darüber beraten, wie wir mit der Stichwahl umgehen.“

Keine Empfehlung der UWG

Herbert Müller (UWG), der sein Ratsmandat in Merlsheim mit 43,8 Prozent direkt geholt hat, kündigte keine Empfehlung für die Stichwahl an: „Bei uns steht die Unabhängigkeit ganz vorne. Sie ist unser Aushängeschild.“ Daher hat sich die UWG auch vor dem ersten Wahlgang nicht festgelegt. „Die Wahl ist für uns positiv gelaufen“, bilanziert der Fraktionssprecher mit Hinweis auf den Zuwachs um fünf Prozentpunkte auf 16,3 Prozent. „Das Ergebnis, das wir eingefahren haben, ist hart erarbeitet.“ Dass es keine absolute Mehrheit im Rat gibt, sei ein Wahlziel der UWG gewesen. „Das haben wir erreicht.“ Die UWG sei offen für Gespräche.

Glücklich über das Ratswahlergebnis (9,2 Prozent aus dem Stand) sind die Grünen. „Dafür, dass es uns vor neun Wochen noch nicht gegeben hat, sind wir mit enormer Geschwindigkeit durchgestartet“, sagt Ortsverbandssprecher Gerhard Antoni. Die Entscheidung bei der Stichwahl möchte er den mündigen Bürgern überlassen. „Sie brauchen keine Wahlempfehlung einer Partei.“ Sollten die Mitglieder des Ortsverbandes das mehrheitlich anders sehen, „richten wir uns nach dem basisdemokratischen Votum“.

Im Rat sind die Grünen mit zwei Frauen vertreten. Eine der beiden, Uta Lücking, sagte, dass sie sich darauf freue, Farbe und Vielfalt in die Parlamentsarbeit zu bringen.

FDP nicht zufrieden

Wieder im Rat, aber nicht zufrieden mit ihrem Ergebnis ist Gerda Scheips (FDP). Die Liberalen erreichten in Nieheim 4,4 Prozent. Die Anerkennung dessen, was Menschen in ihrem Ort geleistet haben, lasse oft zu wünschen übrig, so Scheips. Stattdessen fielen Versprechungen auf fruchtbaren Boden. Trotzdem will die Ratsfrau wie gehabt Politik mitgestalten.

Eine Empfehlung für einen Stichwahl-Kandidaten wolle die FDP nicht abgeben, signalisierte Ortsverbandsvorsitzender Friedrich-Wilhelm Hörr. Die Wahlberechtigten sollen frei entscheiden. Johannes Schlütz und Rainer Vidal seien gute Kandidaten, die imFall ihrer Wahl jeden unterstützen würden und auch das Programm der FDP im Blick hätten.

Beide Stichwahlkandidaten treten unabhängig an.

Der neue Rat Nieheim

CDU (elf Sitze): Frank Bertram (Direktmandat), Stephan Kunstein (DM), Thomas Lauinger (DM), Simon Rieks (DM), Robin Lintemeier (DM), Thomas Müther (DM), Elmar Kleine (DM), Jan Philipp Lakemeyer (DM), Werner Benning (DM), Benjamin Zell (Reserveliste), Johannes Kros (RL).

SPD (sechs Sitze): Stefan Pollmann (DM), Dr. Matthias Kros (DM), Wolfgang Kuckuk (RL), Dr. Ulrich Kros (RL), Lucia Walter (RL), Swen Horstmann (RL).

UWG (vier Sitze): Herbert Müller (DM), Guido-Ralf Karp (RL), Michael Rasche (RL), Hans Jürgen Happe (RL).

FDP (ein Sitz): Gerda Scheips (RL).

Grüne (zwei Sitze): Patricia Arendes-Meyn (RL), Uta Lücking (RL).

 

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