Johannes Schlütz gewinnt Stichwahl mit deutlichem Vorsprung
Nieheimer wählen Bürgermeister ab

Nieheim (WB). Nieheims neuer Bürgermeister heißt Johannes Schlütz. Der unabhängige Kandidat (50) setzte sich in der Stichwahl mit einem deutlichen Vorsprung von annähernd zwölf Prozentpunkten gegen Amtsinhaber Rainer Vidal (47) durch. Schlütz gewann mit 55,93 Prozent (1.876 Stimmen). Sein Mitbewerber holte 44,07 Prozent (1.478). Die Wahlbeteiligung war mit 67,14 Prozent für eine Stichwahl hoch. Um 18.26 Uhr stand das Ergebnis fest.

Sonntag, 27.09.2020, 21:39 Uhr aktualisiert: 27.09.2020, 22:02 Uhr
Wahlsieger Johannes Schlütz mit Ehefrau Anke. Foto: Sabine Robrecht
Wahlsieger Johannes Schlütz mit Ehefrau Anke. Foto: Sabine Robrecht

In der Aula der katholischen Grundschule brandete Beifall auf, als Johannes Schlütz mit seiner Familie und seinem Team den Raum betrat. Er war vorher in Holzhausen, seinem Wohnort, bei der Stimmauszählung gewesen. Hier landete er mit 83,7 Prozent sein bestes Ergebnis. Ein Heimspiel nach Maß. Amtsinhaber Vidal lag in Himmighausen (58,1 Prozent), Oeynhausen (52,2) und Eversen (61,9 Prozent) vorne. Alle anderen Wahlbezirke holte Schlütz.

Dieses tolle Ergebnis ist ein Vertrauensbeweis.

Johannes Schlütz

„Dieses tolle Ergebnis ist ein Vertrauensbeweis“, sagte der als Führungskraft bei der „Bundesrepublik Deutschland-Finanzagentur GmbH“ in Frankfurt am Main tätige Wahlsieger. „Die letzten zwei Wochen waren extrem spannend.“ Bis einschließlich Freitag hat der Kandidat Veranstaltungen gemacht. Authentisch, fleißig, ehrlich: So habe er überzeugt, bewertet Schlütz jetzt sein Ergebnis. Er habe einen Wahlkampf mit Inhalten geführt, nicht mit Floskeln. Das habe die Bevölkerung honoriert. „Ich habe offensichtlich das beste Bild für die Zukunft Nieheims gemalt.“ Auf Sieg hat der 50-Jährige gesetzt. „So deutlich hatte ich aber nicht damit gerechnet.“

Mehrere Themen in Angriff nehmen

Johannes Schlütz gewinnt Stichwahl in Nieheim

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Im Amt möchte er nicht nur einen Ball in die Luft halten, sondern mehrere Themen in Angriff nehmen – die Belebung des Gewerbegebiets beispielsweise. Zunächst geht es aber gleich am ersten Arbeitstag, dem 2. November, wie angekündigt, in den Bauhof und von dort nach Sommersell. Dort liege seit längerem ein Haufen Erde. Schlütz versprach den Bürgern, die ihn darauf ansprachen, das Ärgernis gleich am ersten Tag im Bauhof zu beseitigen.

Ehefrau Anke freute sich mit ihrem Mann über das überzeugende Ergebnis. „Er ist ein unbeschreibliches Gefühl“, brachte sie am Stichwahlabend ihre Überwältigung über den Sieg zum Ausdruck. „Er hat es so sehr verdient.“

Die Feier des Wahlsiegs und auch die Freude fiel in der Familie allerdings etwas verhaltener aus. Der Vater des zukünftigen Bürgermeisters ist am Samstag verstorben. Der Trauerfall überschattete diesen besonderen Wendepunkt im Leben von Johannes Schlütz. Das Mitgefühl vieler Menschen begleitete ihn durch den Wahlabend.

Vidal gratuliert

In der Aula der katholischen Grundschule gratulierte auch der abgewählte Bürgermeister Rainer Vidal mit Corona-Gruß dem Wahlsieger. Nach elf Jahren im Amt muss er aus dem Rathaus ausziehen. „Ich bin erleichtert, dass der Wahlkampf vorbei ist und bin nicht persönlich enttäuscht, sondern deshalb, weil ich für die Menschen, die mir ihr Vertrauen ausgesprochen haben, nicht mehr der Bürgermeister sein kann.“ Johannes Schlütz wünsche er viel Glück, sagte Vidal. Mehr wolle er zum Wahlergebnis noch nicht sagen.

Landtagsabgeordneter Matthias Goeken (CDU), der in Nieheim vorbeischaute, wertete Vidals Niederlage als Indiz dafür, dass die Bürgerinnen und Bürger seine „Rolle rückwärts“ (erst den Verzicht zu erklären und dann doch anzutreten) nicht akzeptieren. „Das sieht man deutlich“ – wie in Höxter. Dort hatte Amtsinhaber Alexander Fischer ebenfalls erst verzichtet und dann doch kandidiert. Mit 14,5 Prozent im ersten Wahlgang straften ihn die Menschen noch heftiger ab.

Vorsprung deutlich ausgebaut

In Nieheim lag im ersten Wahlgang vor zwei Wochen zwischen Schlütz und Vidal eine hauchdünne Differenz von sieben Stimmen. So knapp hatte der jetzige Stichwahl-Sieger vorne gelegen. Die Wahlbeteiligung hatte bei knapp 71 Prozent noch besser ausgesehen als an diesem Sonntag.

Dass Schlütz jetzt so klar vorne lag, freut den UWG-Ratsherrn Michael Rasche. „Das ist ein sehr schönes Ergebnis. Wir freuen uns, dass Johannes Schlütz gewonnen hat, weil er für unsere Themen steht.“ Vor der Wahl hatte die UWG keine Empfehlung ausgesprochen – CDU und FDP ebenfalls nicht. Die SPD hatte Amtsinhaber Vidal empfohlen. Grünen-Sprecher Gerhard Antoni hatte, obwohl es innerhalb des neu gegründeten Ortsverbandes kein einheitliches Meinungsbild gegeben hatte, öffentlich gesagt, dass es mit dem Bürgermeister eine große Übereinstimmung mit grünen Vorstellungen für Nieheims Zukunft gebe.

Ein Kommentar von Sabine Robrecht

Nieheim hat seinen Bürgermeister abgewählt – so wie Höxter es bereits im ersten Wahlgang mit Alexander Fischer getan hat. Jetzt ist Rainer Vidal ebenfalls gescheitert. Er muss nach elf Jahren im Amt das Rathaus räumen. Nach sieben Stimmen Rückstand vor zwei Wochen lag er nun mit knapp 400 Stimmen deutlich hinten. Die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger hat es ihm offenbar doch nicht durchgehen lassen, dass er erst verzichtet hat und dann plötzlich doch wieder angetreten ist. Diese „Rolle rückwärts“ hatte den CDU-Kandidaten Elmar Kleine vor zwei Wochen in schon tragischer Tragweite Stimmen gekostet. Er holte nur 12,6 Prozent. Viele CDU-Wähler machten ihr Kreuz wohl bei Vidal.

Jetzt steht in Nieheim alles auf Anfang. Im neuen Rat ist die CDU stark, hat aber nicht die absolute Mehrheit. Es wird sich zeigen, welche Bündnisse sich bilden. Neu und für den ersten Anlauf stark sind die Grünen vertreten. Und jetzt ist auch der Bürgermeister neu. Der kleinen, aber feinen Käsemetropole ist es zu wünschen, dass die neuen und bewährten Kräfte sie in konstruktiver Zusammenarbeit nach vorne bringen.

 

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