Agentur für Arbeit sieht für den Kreis Höxter Anlass zu „vorsichtigem Optimismus”
Erholung am Arbeitsmarkt

Kreis Höxter  (WB). In schweren Zeiten gibt es am Arbeitsmarkt des Kreises Höxter Anlass zu vorsichtigem Optimismus: Der neue Geschäftsführer der Agentur für Arbeit des Kreises Höxter, Heinz Thiele, und die Höxteraner Geschäftsstellenleiterin Andrea Wesemann haben mitten in der Corona-Pandemie die Zahlen präsentiert.

Donnerstag, 01.10.2020, 03:10 Uhr aktualisiert: 01.10.2020, 03:30 Uhr
Daumen nach oben: Heinz Thiele, neuer Geschäftsführer der Agentur für Arbeit, und Geschäftsstellenleiterin Andrea Wesemann sehen Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Im September waren im Kreis Höxter 3265 Personen arbeitslos gemeldet. Foto: Jürgen Drüke
Daumen nach oben: Heinz Thiele, neuer Geschäftsführer der Agentur für Arbeit, und Geschäftsstellenleiterin Andrea Wesemann sehen Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Im September waren im Kreis Höxter 3265 Personen arbeitslos gemeldet.

Rückläufig

Heinz Thiele, der die Nachfolge von Rüdiger Matisz angetreten hat, stellte während der Pressekonferenz in der Agentur für Arbeit in Höxter fest: „Im September ist die Arbeitslosigkeit, wie bereits im Vormonat August, rückläufig. Das ist ein gutes Zeichen, welches auf die beginnende Erholung des Marktes nach den Einschränkungen aus dem Frühjahr hindeutet. Die Krise sei allerdings nicht vorbei. Die Entwicklung am Arbeitsmarkt sei, wie so vieles in der aktuellen Zeit, abhängig von der weiteren Pandemie-Entwicklung. „Auch sehen wir weiterhin eine erhöhte Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr. Wir sind nicht am Ende der Krise, aber wir sind momentan auf einem guten Weg dorthin“, hob der Paderborner hervor. In Zahlen liest sich das so: Gab es im August im Kreis Höxter noch 3.488 Arbeitslose, ist diese Zahl im September auf 3.265 gesunken. Im September 2019 waren nur 2660 Menschen arbeitslos gemeldet worden. „Das sind aber immer noch weniger als während der Wirtschaftskrise 2008/2009“, betonte Thiele. Die Kurzarbeit sei konstant.

Erholung

Andrea Wesemann, Geschäftsstellenleiterin der Höxteraner Arbeitsagentur, bestätigte das: „Die Kurzarbeitsanzeigen bewegen sich weiterhin auf einem relativ konstanten Niveau. Das ist ein weiteres gutes Zeichen für die Erholung.“ Auch sei die tatsächlich realisierte Kurzarbeit für die Zeit des Beginns der Krise nicht so hoch, wie die Zahl der bei der Agentur eingegangenen Anzeigen das hätten vermuten lassen. „Das ist eine von uns erwartete Entwicklung. Wir freuen uns aber trotzdem, dass diese Erwartung sich nun auch in der Realität tatsächlich widerspiegelt.“

Kurzarbeit

„Im September 2020, Stand am 24. September, wurden von Unternehmen aus dem Kreis Höxter neun Anzeigen über Kurzarbeit eingereicht. In diesen Anzeigen sind 130 Personen als potenziell von Kurzarbeit betroffene Mitarbeiter benannt“, berichtete Thiele. Im Vergleich zum Vormonat seien das zwei Anzeigen und 104 Personen mehr.

„Zudem gibt es erste hochgerechnete Zahlen zur Kurzarbeit aus dem Monat April“, so Thiele. Das sei bereits abgerechnete und damit auch durchgeführten Kurzarbeit im Kreis Höxter. Demnach haben im April 934 Betriebe Kurzarbeit durchgeführt. Die Statistik weist für den April 7.521 Kurzarbeiter aus. Das seien 448 Betriebe und 4.693 Kurzarbeiter mehr als im März gewesen. Für den Agenturbezirk Paderborn (Kreise Paderborn und Höxter) liegen erste Hochrechnungen zu der realisierten Kurzarbeit im Monat Mai vor. Demnach waren im Mai in beiden Kreisen 2.578 Betriebe mit 30.679 Mitarbeitern in Kurzarbeit. Das sind 501 Betriebe und 639 Kurzarbeiter weniger als im April.

3.265 Personen arbeitslos

Die Zahl der Arbeitslosen ist im Kreis Höxter im September 2020 gesunken. Insgesamt waren 3.265 Personen als arbeitslos gemeldet worden. Verglichen mit den Zahlen des Vormonates sind dies 223 Personen oder 6,4 Prozent weniger. „Im Vergleich zum September des Vorjahres wiederum ist die Zahl der Arbeitslosen um 605 Personen oder 22,7 Prozent gestiegen“, stellte der neue Chef der Arbeitsagentur des Hochstifts fest. Die Arbeitslosenquote beträgt im September 2020 4,3 Prozent. Vor einem Jahr belief sie sich zum gleichen Zeitpunkt auf 3,5 Prozent. Das bedeutet einen Anstieg von 0,8 Prozentpunkten.

 

Jugendarbeitslosigkeit

365 Arbeitslose waren im Berichtsmonat September im Kreis Höxter unter 25 Jahre alt. Im Vormonat waren es noch 82 mehr und im gleichen Monat des Vorjahres 69 weniger arbeitslose junge Menschen. Die prozentuale Veränderung beläuft sich somit auf ein Minus von 18,3 Prozent zum vorherigen Monat. Das ist ein Plus von 23,3 Prozent zum Vorjahr.

Ab 50 Jahre

Die Anzahl arbeitsloser Personen ab 50 Jahre ist im Vergleich zum August gesunken, es sind 68 Personen oder 5,4 Prozent weniger. Im Vergleich zum Vorjahr sind es 155 Arbeitslose mehr (plus 14,8 Prozent). Insgesamt sind 1.199 Menschen ab 50 Jahre im Kreis Höxter betroffen.

Langzeitarbeitslose

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist im Kreis Höxter im Berichtsmonat gestiegen. „973 Personen waren länger als ein Jahr nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Darunter zählten 81,1 Prozent, das sind 789 Personen, zur Grundsicherung“, stellte Thiele fest. Verglichen mit den Gesamtzahlen des Vormonates sind das 34 Langzeitarbeitslose mehr. Im Vergleich zum Vorjahr steigt die Zahl der Arbeitslosen damit um 181 Personen.

Stellenangebot

Unternehmen aus dem Kreis haben im September 282 Stellen gemeldet – das sind 31 mehr als im Vormonat. Im Bestand befanden sich insgesamt 1.080 offene Stellen. Was wiederum 44 mehr offene Stellen gegenüber August gleichkommt. „Das sind wiederum 263 weniger als im September 2019“, erklärte Thiele und fügte an. „Trotz der derzeit erkennbaren Entspannung auf dem krisengeschüttelten Arbeitsmarkt, ist es für eine Entwarnung zu früh. Es sei aktuell noch nicht absehbar, wie sich die Corona-Situation in den Herbst- und Wintermonaten entwickeln würde.

Agentur stellt sich auf

Auch die Arbeitsagentur stelle sich derzeit wieder neu auf. „Die erste Priorität liegt auf dem Gesundheitsschutz für unsere Mitarbeiter. Es folgt die Sicherstellung der Leistungen, die Menschen müssen ihr Geld bekommen“, führte Andrea Wesemann aus. Die Arbeitsagentur würde die Arbeit auch im operativen Bereich wieder aufnehmen.

Die Arbeitsagentur bleibt allerdings für Publikumsverkehr in Zeiten von Corona weiterhin geschlossen. Ausnahmen gebe es nur bei einer Einladung zu einem persönlichen Gespräch.

Fachkräfte gesucht

„Der Fachkräftemangel, der sich bereits seit einiger Zeit abzeichnet, wird uns herausfordern“, appellierte Thiele an die Jugendlichen, sich für Handwerksberufe zu entscheiden. Das Handwerk biete große Möglichkeiten und eine Absicherung für die Zukunft.

Strukturwandel

Der Strukturwandel habe aufgrund von Covid-19 zusätzlich an Fahrt aufgenommen. „Menschen in Ausbildung zu bringen,  und auch Beschäftigte weiterzuqualifizieren, ist wichtiger denn je“, sagte Thiele in Richtung Betriebe.

Qualifizierungs-Offensive

Für die Qualifizierung der Mitarbeiter sei es nie zu spät. „Die Betriebe sollten Corona nutzen und für ihre Mitarbeiter eine Qualifizierungsoffensive starten“, sprach Andrea Wesemann von einem günstigen Zeitpunkt. Der Ausbildungsmarkt für das laufende Ausbildungsjahr sei immer noch in Bewegung. Das sei auch auf Corona zurückzuführen. „Es gibt Ausbildungsplätze und unversorgte Bewerber“, ergänzte Thiele. Ein Start in das aktuelle Ausbildungsjahr sei noch bis zum 31. Januar möglich.

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