Gelungene Premiere in Nieheim: 600 Weißdornpflanzen auf einer Länge von 150 Meter gepflanzt
Grüne Hecke als Alternative zum Drahtzaun

Nieheim -

Als „Immaterielles Kulturerbe“ hat die Deutsche Unesco-Kommission die Nieheimer Flechthecke vor zwei Jahren anerkannt. Seit dem Wochenende hat die Flechthecke durch die Pflanzung einer Kreuzhecke aus Weißdorn eine Ergänzung bekommen. Diese Weißdornhecke ist die erste ihrer Art in Nieheim.

Montag, 16.11.2020, 06:00 Uhr
In eine vorbereitete Rille haben am Wochenende Mitglieder von „Juprona“ („Jugend pro Natur“) die Weißdornpflanzen eingesetzt und mit Erde verfüllt.
In eine vorbereitete Rille haben am Wochenende Mitglieder von „Juprona“ („Jugend pro Natur“) die Weißdornpflanzen eingesetzt und mit Erde verfüllt. Foto: Heinz Wilfert

Mit der Auszeichnung für die Flechthecke wurde deren Anlage und Pflege als kultur-historisch gewachsene, spezifische handwerkliche Technik der Feldeinfriedung gewürdigt.

Besonders die aktuelle Bedeutung dieser Kulturform für die Landschaftspflege, aber auch die Ziele des Naturschutzes seien für die Auszeichnung positiv hervorzuheben. Erstmalig wird jetzt ein öffentlich zu schützender Bereich gesichert: Das Regenrückhaltebecken für das im Entstehen befindliche Baugebiet am Park wird mit diesem Umweltprojekt statt eines hohen Drahtzauns mit einer Naturhecke „eingezäunt“.

In den Niederlanden ist die Flechthecke weit verbreitet

Auf die Idee mit der Kreuzhecke waren Ulrich Pieper und die Flechtheckenfreunde bei einem Symposion in den Niederlanden gekommen, wo diese Heckenformen noch weit verbreitet sind.

Sie sind um Häuser, Bauernhöfe, Kapellen, Kirchen, Friedhöfe und in Heckenlabyrinthen angelegt. „Unsere niederländischen Freunde gaben den entscheidenden Impuls,“ so Pieper, der bereits einen Gegenbesuch aus Holland für 2022 geplant hat. Dann soll nicht nur die Weißdornhecke vorgestellt, sondern auch die unterschiedlichen Strukturen im Kurpark mit den Flechthecken präsentiert wer-den.

Von „Juprona“-Mitgliedern („Jugend pro Natur“) und Freunden im Arbeitskreis „Nieheimer Flechthecken“ wurden um das Regenrückhaltebecken nun 600 Weißdornpflanzen auf einer Länge von 150 Meter gepflanzt, die zu einer dichten Hecke zusammenwachsen sollen. Mit welcher Begeisterung die Jugendlichen hinter der Pflanzung standen, zeigte der 18-jährige Anton Kros, der eine Ausbildung zum Zimmermann macht. „Ich war schon mit sechs Jahren bei Juprona und bin gerne draußen. Mit der Weißdornhecke geht es um einen wichtigen Beitrag für die Natur und die Kulturlandschaft.“

Pflanzaktion sehr professionell

Obwohl Weißdornhecken Neuland für Nieheim sind, ging die Pflanzaktion sehr professionell vonstatten. Da ein schönes, gleichmäßiges Rautenmuster für diesen Flechtstil charakteristisch ist, werden die Heckenpflanzen am besten dicht nebeneinander gepflanzt, zehn Heckenpflanzen pro laufendem Meter.

Die Pflanzen wurden um das Regenrückhaltebecken nicht einzeln gepflanzt, sondern jeweils zwei auf einmal. Dankenswerterweise hatte der Bauhof Nieheim das Umweltprojekt unterstützt und mit einem kleinen Bagger eine Rinne gezogen. In die konnten die Weißdornpflänzchen nun eingesetzt werden.

Auch Nieheims neuer Bürgermeister Johannes Schlütz war mit einer Schaufel vor Ort und half fleißig mit. Weißdornhecken gehören zu den traditionellen Heckengehölzen in der Feldflur. Sie sollten nicht nur die Weiden abgrenzen.

Sie diente auch als Wind- und Hochwasserschutz. Häufig kommen sie noch in Bauerngärten vor. Die Hecken zeichnen sich dadurch aus, dass sie dornig sind, nicht zu allzu üppig austreiben, einfach zu pflegen sind und für Vögel, Säugetiere und Insekten als bevorzugter ökologischer Lebensraum dienen. Als Frühblüher genießt Weißdorn als Nist- und Futterplatz zusätzlich eine besondere Bedeutung. Die Kosten für die Pflanzen hat die Stadt Nie-heim übernommen.

Ulrich Pieper erklärt das wesentliche Moment der Kreuzhecke: „Wir haben die Pflänzchen so vorbereitet, dass bis auf zwei Leittriebe die Seitentriebe entfernt wurden. Die Hecke soll erst in die Höhe wachsen.“

Dichte, undurchdringliche Weißdornhecken

Zur Unterstützung wurde ein Draht in anderthalb Meter Höhe gespannt, an dem die Pflanzen ranken können. Zu einem späteren Zeitpunkt werden die Stämmchen dann gekreuzt und im Winkel von 60 Grad in Form eines Rautenmusters zusammengebunden. Auf Dauer entstehe so eine dichte, undurchdringliche Weißdornhecke, die eine ideale Ergänzung und Alternative zur Nieheimer Flechthecke darstellt. Und Pieper hat schon noch eine weitere Idee.Es sagte dem WESTFALEN-BLATT: „Man könnte im Regenrückhaltebecken eine Blühwiese schaffen und so einen weiteren ökologischen Akzent setzten.“ Zu Besuch war auch Ulrike Hoffmann gekommen, die als Kartiererin im Kreis Lippe für die Florenkartierung des LANUV verantwortlich ist. Sie hatte zum Anpflanzen einige Wildapfelbäumchen mitgebracht

Weißdornhecken gab es früher in Nieheim (Holzhausen, Erwitzen), besonders aber in den Städten Bad Driburg (Pömbsen bis Alhausen), Marienmünster (Bredenborn und Vörden) und Steinheim, wo alte Bilder Figurenhecken sogar auf einer Postkarte zeigen. Solche Figurenhecken sind noch gut in Vörden zu beobachten. Weitere Kreuzhecken seien in Pömbsen, dem Schulgarten der Brede in Brakel und in Warburg in Arbeit.

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