Verkäufer von Karten fürs DFB-Damen-Finale muss Käufer entschädigen
Ebay: Streit um Pokalfinal-Tickets

Steinheim (WB). Zwei Männer, die bei Ebay versehentlich Karten fürs DFB-Frauenfinale ersteigert haben, bekommen ihr Geld zurück. Das Amtsgericht Brakel und das Amtsgericht Lehrte verurteilten Thomas D. aus Steinheim (Kreis Höxter), einem Käufer 450 Euro und einem anderen 582 Euro zu erstatten.

Montag, 20.07.2015, 07:28 Uhr aktualisiert: 20.07.2015, 07:34 Uhr
Verkäufer von Karten fürs DFB-Damen-Finale muss Käufer entschädigen : Ebay: Streit um Pokalfinal-Tickets
Frauen statt Männer: Wie Bianca Schmidt vom 1. FFC Frankfurt den DFB-Pokal in die Höhe stemmt, wollten die beiden Kläger nicht sehen. Foto: dpa

Am 17. Mai 2014 fanden das DFB-Pokalfinale der Frauen im Rhein-Energie-Stadion Köln und das DFB-Pokalfinale der Männer im Olympiastadion in Berlin statt. Thomas D. bot bei Ebay zweimal zwei Karten fürs Frauenfinale an. In der Überschrift des Angebots stand: »2 x Sitzplatz DFB-Pokal«. In der Rubrik »Artikelmerkmale« stand: »Veranstaltungsort Rhein-Energie-Stadion, Spielpaarung Essen-Frankfurt, Wettbewerb DFB-Pokal Frauen«.

Thomas D.: »Nach Ende der Auktion haben die Käufer mich wüst beschimpft.« Es kam zu Prozessen. Der Steinheimer war sich eigentlich sicher, zu gewinnen, aber die Richter warfen ihm arglistige Täuschung vor. Im Urteil des Amtsgerichts Lehrte heißt es, ein Interessent habe »überhaupt keine Veranlassung«, sich die Rubrik Artikelmerkmale anzusehen, »denn niemand wird auch nur auf den Gedanken kommen können, dass gar keine Tickets für das Herrenfinale zum Verkauf stehen könnten.« Zumal es noch genügend Karten fürs Damenfinale für 20 Euro gegeben habe.

Im zweiten Fall urteilte die Direktorin des Amtsgerichts Brakel, der Käufer sei durch arglistige Täuschung zum Abschluss des Vertrags gebracht worden. Das Angebot sei bewusst so gestaltet worden, dass es mit dem Herrenfinale in Verbindung gebracht worden sei. In Deutschland, wo der Damenfußball nicht annähernd die Popularität habe wie der Herrenfußball, sei immer der Herrenwettbewerb gemeint, wenn vom DFB-Pokalfinale die Rede sei. Man müsse davon ausgehen, dass der Verkäufer bewusst auf die Angabe »Damen« in der Überschrift verzichtet habe.

Ein Interessent habe keine Veranlassung, auf weitere Angaben in der Rubrik »Artikelmerkmale« zu achten.
 Thomas D.: »Ich verstehe nicht, warum ich von einem erwachsenen Käufer nicht erwarten darf, dass er sich alle Angaben durchliest, bevor er mehrere hundert Euro bietet.« Sein Anwalt Hans-Joachim Kirchhof aus Detmold: »Bei einem schriftlichen Vertrag geht jeder davon aus, dass der Unterzeichner jedes Wort gelesen hat. Ich halte es für ein Unding, dass die Gerichte bei Verträgen, die im Internet geschlossen werden, diese Sorgfalt nicht erwarten.«

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