Mi., 10.04.2019

Bürger wollen Tier gesehen haben – Expertin verweist auf dünne Spurenlage Geht der Wolf in Sandebeck um?

Diese Spur aus Sandebeck hat ein besorgter Tierhalter dem zuständigen Jagdaufseher Ferdi Amelunxen per Handy zukommen lassen.

Diese Spur aus Sandebeck hat ein besorgter Tierhalter dem zuständigen Jagdaufseher Ferdi Amelunxen per Handy zukommen lassen. Foto: Harald Iding

Von Harald Iding

Steinheim (WB). Der Wolf ist das Gesprächsthema Nummer eins in Sandebeck. »So ein Wildtier hat hier im Dorf nichts zu suchen. Wir machen uns Sorgen«, sagt ein Dorfbewohner auf der Straße im Gespräch mit anderen Bürgern. An mehreren Stellen wollen Anwohner das Tier gesehen haben, andere nur die vermeintlichen Spuren.

Nach dem jüngsten Vorfall in Bielefeld, wo ein Rinderzüchter auf einer Wiese ein gerissenes Kalb entdeckt hat und an einen durchziehenden Wolf als Verursacher glaubt, machen sich in Sandebeck (830 Einwohner) immer mehr Menschen Gedanken, was es mit den jüngsten Beobachtungen in ihrem Dorf auf sich hat. Der Wolf soll gleich an mehreren Stellen aufgefallen sein, unter anderem auf einem Spielplatz.

Trittsiegel auf Handyfoto

Mit seinen 80 Jahren hat der Jagdaufseher des Reviers Sande­beck-Grevenhagen I, Ferdi Amelunxen, so etwas noch nicht erlebt. Aber er nimmt die Sorgen und die Hinweise aus der Bevölkerung ernst. »Von einem Tierhalter im Ort habe ich Handyaufnahmen erhalten, die einige Trittsiegel zeigen.« Damit ist der Abdruck der Extremität eines Wirbeltieres im weichen Untergrund gemeint.

Diese habe er auch einem Vertreter des Regionalforstamtes gezeigt. Der habe ihm bestätigt, dass es sich möglicherweise um eine Wolfsspur handeln könnte. Aber eine endgültige Antwort hat Amelunxen nach eigenen Angaben bislang noch nicht erhalten.

Wölfe in Deutschland ernähren sich hauptsächlich von wild lebenden Tieren wie Rehen, Wildschweinen und Rothirschen. Sie fressen insbesondere junge, kranke sowie alte und schwache Beutetiere. Nahrungsanalysen hatten zuletzt in Sachsen auch gezeigt, dass Nutztiere wie Schafe und Rinder nur einen sehr geringen Teil der Wolfsnahrung ausmachen.

Aufklärung ist wichtig

»Bei uns im Ort gibt es schon einige, die Nutztiere im Garten oder auf der Wiese stehen haben«, weiß Ferdi Amelunxen. Und die Vorsitzende des Heimatvereins, Gabriele Böddeker, bestätigt dieser Zeitung, dass im Ort ein Wolf gesehen worden sein soll – und zwar auch nahe an einem Wohnhaus. »Ein Tierhalter hat mir davon erzählt, der unter anderem Schafe hält.« Sie selbst habe das Wildtier allerdings noch nicht entdeckt. »Auch wenn wir mit unseren schulpflichtigen Kindern etwas außerhalb wohnen, so spüren wir jetzt keine konkrete Bedrohung. Ein Wolf hat bestimmt mehr Angst als wir.«

Gerald Bläsing, Vorsitzender des Jagdhorn-Bläsercorps, betonte, dass er oft Ausflügler mit Hunden in den Wäldern des Eggedorfes sehen würde. Da könne es denn schon sein, dass es zu kritischen Kontakten kommt, falls ein Wolf unterwegs ist. »Es ist aber wichtig, darüber aufzuklären und in die Öffentlichkeit zu gehen«, ist Bläsing überzeugt.

Es könnte auch ein Hund gewesen sein

Und wie schätzt die erfahrene Wolfsberaterin Friederike Wolff vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (Lanuv) die Situation in Sandebeck ein? »Sichtbeobachtungen nehme ich zunächst zur Kenntnis. Es gibt einfach zu viele Verwechslungen mit Hunden. Aber eine Fährte als Wolfsfährte identifizieren zu können – da braucht man mehrere hundert Meter, um Klarheit zu haben. Die wenigen Aufnahmen der Spuren aus Sande­beck reichen da leider nicht aus.« Wer ein gerissenes Tier entdecken würde (Schaf oder Reh), der könne sich gerne an die Expertin Wolff und ihre Kollegen vom NRW-Lanuv wenden. »Wir tragen genau diese Daten zusammen. Übrigens: Das Wolfsgebiet Senne ist deshalb auch so groß angesetzt worden, weil ein Wolf ohne Schwierigkeiten in der Nacht 50 bis 70 Kilometer wandern kann.« Wenn es keine konkreten Hinweise wie aussagekräftige Fotos gebe, könne es auch ein großer freilaufender Hund gewesen sein.

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