Do., 30.05.2019

Missbrauchsfall Lügde: Landgericht Detmold veröffentlicht Details der Anklage – mit Video Mario S. soll seit 20 Jahren Kinder missbraucht haben

Oberstaatsanwalt Ralf Vetter und Oberstaatsanwältin Katja Erfurt auf dem Campingplatz »Eichwald« an der Behausung des mutmaßlichen Sexualstraftäters Mario S. (kleines Foto) aus Steinheim.

Oberstaatsanwalt Ralf Vetter und Oberstaatsanwältin Katja Erfurt auf dem Campingplatz »Eichwald« an der Behausung des mutmaßlichen Sexualstraftäters Mario S. (kleines Foto) aus Steinheim. Foto: Althoff

Von Christian Althoff

Lügde/Steinheim/Detmold (WB). Im Missbrauchsfall Lügde hat das Landgericht Detmold am Mittwoch Einzelheiten zu den Anklagevorwürfen genannt, die dem zweiten Hauptbeschuldigten Mario S. (34) aus Steinheim (Kreis Höxter) gemacht werden.

Aus den Details der 45-seitigen Anklageschrift ergibt sich: Mario S. soll kein Mitläufer des Hauptbeschuldigten Andreas V. (56) gewesen sein, sondern ein weitgehend selbständig agierender Sexualverbrecher. Er soll 20 Jahre lang Kinder missbraucht haben – nicht nur auf dem Campingplatz »Eichwald« in Lügde, sondern auch in seiner Heimatstadt Steinheim. Schon im Februar war bekanntgeworden, dass Mario S. mehrfach Jungen mit in das Haus genommen haben soll, in dem er mit seinen Eltern in einer Mietwohnung lebte.

Von 1999 bis Januar 2019 Kinder missbraucht

Nach Ermittlungen der EK »Eichwald« soll Mario S. von 1999 bis zu seiner Festnahme

Angeklagt ist Mario S. aus Steinheim.

im Januar 2019 Kinder missbraucht haben. Demnach soll er als 14-Jähriger mit den Taten begonnen haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, ihm 162 Verbrechen an 17 Opfern nachweisen zu können – acht Mädchen und neun Jungen. Dabei wertet die Staatsanwaltschaft 48 Taten als Vergewaltigungen. Sechs missbrauchte Mädchen sollen zugleich Opfer von Andreas V. gewesen sein. Mario S. soll außerdem 4806 Kinder- und Jugendpornos besessen haben. Die Ermittler sind sich sicher, dass er auch eigene Taten aufgenommen hat.

Die 68-jährige Mutter des 34-Jährigen hatte im Februar gesagt, ihr Sohn habe erst seit vier Jahren eine Parzelle auf dem Campingplatz in Lügde. »Sie läuft auf seinen Namen, aber mein Mann und ich bezahlen den Stellplatz und sind an den Wochenenden meistens mit der ganzen Familie dort.« Die Polizei hat die Parzelle inzwischen auf Steuerzahlerkosten räumen lassen, angeblich soll das 7000 Euro gekostet haben.

Nachbarn haben nichts gemerkt

Mario S. soll eine Sonderschule besucht haben und arbeitslos gewesen sein. Gastwirt Özkan Yilanci von der Steinheimer Pizzeria »Bella Riva«, die im Erdgeschoss des Hauses liegt, in dem Mario S. lebte, sagte im Februar: »Ich bin mit Mario großgeworden. Wir haben zusammen auf dem Spielplatz gespielt. Keiner von den Nachbarn hätte gedacht, dass er mal in so einen Verdacht gerät.« Er könne nur Gutes über den 34-Jährigen sagen: »Mario ist handwerklich sehr begabt und kann viele Sachen. Er hat beim Karneval und beim Schützenfest immer beim Aufbauen geholfen und sich so ein paar Euro dazuverdient.« Allerdings habe ihm ein Kollege erzählt, dass er mehrmals gesehen habe, wie Mario S. einen Jungen mit ins Haus genommen habe. »Das kam ihm komisch vor.«

Der Prozess gegen Mario S., Andreas V. und Heiko V., der u.a. beim Missbrauch per Internet zusah, soll am 27. Juni vor dem Landgericht Detmold beginnen. Anschließend soll jeden Donnerstag und Freitag verhandelt werden.

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