Sa., 15.06.2019

Lorenz Krome hat 18 Nester an seinem Wohnhaus in Ottenbergen Hier fühlen sich Schwalben wohl

Wirft man einen genauen Blick unter das Dach von Lorenz Kromes Haus in Ottenhausen, dann erkennt man eine Vielzahl von Schwalbennestern. Zwei sind es an dieser Seite, auf der anderen Seite des Hauses gleich 16 Stück.

Wirft man einen genauen Blick unter das Dach von Lorenz Kromes Haus in Ottenhausen, dann erkennt man eine Vielzahl von Schwalbennestern. Zwei sind es an dieser Seite, auf der anderen Seite des Hauses gleich 16 Stück. Foto: Angelina Zander

Von Angelina Zander

Ottenhausen (WB). Rund um Lorenz Kromes Haus ist den ganzen Tag Betrieb. Nicht aber, weil in direkter Nachbarschaft eine Baustelle ist, sondern weil er besondere Mitbewohner hat: Schwalben. 18 Nester zählt der 81-Jährige mittlerweile an seiner Hausfassade.

Und eine Seite seines Hauses mögen die Schwalben besonders gern. Auf der Seite des Parkplatzes haben sie 16 Nester errichtet, auf der Seite seines Gartens noch einmal zwei. Und an fast allen ist am Freitag reger Flugbetrieb zu erleben. Während in den Nestern der Nachwuchs aufgeregt zwitschert, fliegen die erwachsenen Vögel fleißig hin und her, um den Hunger der Küken zu stillen. Wenn Lorenz Krome durch sein Küchenfenster schaut, sieht er die Schwalben herausfliegen, fast wie im Sturzflug schießen sie an ihm vorbei. Seit etwa 20 Jahren, schätzt Lorenz Krome, nisten die Schwalben nun an seinem Haus. »Früher waren es vier oder fünf Nester«, erinnert er sich. Im vergangenen Jahr seien es zwölf gewesen, in diesem Jahr schon 16 an der Hauswand am Parkplatz. »Die Jungen bauen hier auch wieder«, meint Krome.

Vögel sind zurückgekehrt

Noch vor Ostern seien diesmal die ersten Vögel zurückgekehrt, um ihre Nester zu bauen oder zu reparieren. Denn: »Wenn die Schwalben weg sind, kommen die Spatzen. Und die zerstören die Nester.« Doch die Reparaturen an den Nestern an Kromes Haus waren größtenteils erfolgreich. Davon zeugten auch die Eierschalen, die der 81-Jährige auf dem Boden gefunden hatte. Bis September oder Oktober würden die Vögel bleiben, und dann für das Überwintern in Afrika verabschieden. Krome bezeichnet sich selbst als Naturfreund. Trotzdem ärgere er sich über den Dreck, den die Vögel auf seinen Fensterbänken hinterlassen. Aber: »Wo wollen die Vögel sonst hin? Die lassen sich nicht vertreiben.« Und das würde er auch gar nicht wollen. Stattdessen freut er sich über die »Glücksbringer«, die an seinem Haus nisten. »Viele wären froh, wenn sie Schwalben hätten«, meint Krome.

Tipps vom Nabu

Bei ihm sind die Schwalben gekommen, ohne dass er besondere Maßnahmen getroffen hatte. Wer an seinem Haus nicht die idealen Bedingungen für den Nestbau vorweisen kann, aber trotzdem gerne Schwalben ein Zuhause bieten möchte, für den hat der erste Vorsitzende des Nabu-Kreisverbands Höxter, Rudolf Ostermann, einen Tipp: Kunstnester. »Damit entscheide ich, wo ich die Nester aufhänge.« Denn das Problem des Kotes könne auf diese Weise kontrolliert werden. Werden die Kunstnester nicht direkt über dem Fenster angebracht, gibt es auch keinen Dreck auf der Fensterbank. Die Nester könnten zum Beispiel im Nabu-Büro, Ostheimer Straße in Brakel, erworben werden. Wer allerdings von Schwalben gebaute Nester am Haus hat und sich am Kot stört, der könne auch Bretter anbringen. Aber: »Sie müssen mindestens 50 Zentimeter tiefer hängen. Hängen sie zu hoch, kommen Elstern und holen die Jungen aus dem Nest«, warnt Ostermann.

Spatzen machen Nester kaputt

Ein weiterer Konkurrent der Schwalbe ist der Spatz. »Spatzen gehen gerne in die Nester rein und machen sie kaputt«, berichtet Ostermann. Bei den Kunstnestern aus Holzbeton ergebe sich dieses Problem nicht. Sollten gehäuft Spatzen auftreten, sollten Alternativen angeboten werden, zum Beispiel Spatzenhotels, empfiehlt der Vorsitzende. Darüber hinaus informiert er, dass Schwalbe nicht gleich Schwalbe ist. »Mehlschwalben bauen ihre Nester draußen am Haus«. Rauchschwalben dagegen nisten dagegen in Scheunen und Ställen. Da allerdings viele landwirtschaftliche Betriebe geschlossen worden sind, fehle immer mehr Raum für die Rauchschwalbe so Ostermann. Dass Menschen wie Lorenz Krome Mehlschwalben ein Zuhause bieten, lobt Ostermann: »Klasse, dass er das macht.« Für dieses Engagement hat der Nabu ein Zertifikat entwickelt, das Häuser als »schwalbenfreundlich« auszeichnet. Auf der Internetseite können sich Interessierte dafür bewerben. Generell sei die Akzeptanz der Schwalben in Höxter hoch, berichtet der Vorsitzende.

Wenn es um Natur- und Tierschutz geht, kommt auch häufig das Thema Insektensterben zur Sprache. Dieses hat auch Auswirkungen auf die Population der Schwalben, so Ostermann. »Die Biomasse Insekten hat um 70 Prozent abgenommen.« Doch mit Insekten ziehen die Schwalben ihre Jungen auf.

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