Di., 18.06.2019

Landgericht Paderborn verhängt vier Jahre Haft gegen notorischen Betrüger Drei Urteile summieren sich

Am Landgericht fiel das Urteil.

Am Landgericht fiel das Urteil. Foto: Jörn Hannemann

Steinheim (WB/upf). Ein smarter junger Mann, der vielleicht mal ein echt guter Verkäufer werden könnte – das ist der junge Steinheimer, der sich vor dem Landgericht Paderborn wegen zahlreicher Betrügereien verantworten musste. Verkauft hatte er Dinge, die er gar nicht besaß – aber dafür echte Euro kassiert. Und deshalb wandert er nun glatte vier Jahre hinter Gitter. Es war der Absturz mit Ansage.

Wie berichtet, war der 21-Jährige angeklagt, über eine Internet-Plattform Handys verkauft zu haben, die es gar nicht gab. Gut 5000 Euro betrug der Schaden. Zudem sollte er als Staubsauger-Vertreter Geschäftsabschlüsse gefälscht haben, um die Provisionen zu kassieren – womit er ebenso aufflog wie mit den nicht-existenten Handys. Das Meisterstück in Sachen Unverfrorenheit – und ebenso Naivität – leistete er sich mit dem versuchten Kauf eines gebrauchten Mercedes: Dem Verkäufer gaukelte er eine Überweisung der Zahlungssumme auf dessen Konto vor, indem er sich als der zuständige Bankmitarbeiter ausgab, der die Transaktion telefonisch bestätigte – dummerweise von seinem eigenen Handyanschluss, was dem Verkäufer nicht verborgen blieb.

Vier Monate U-Haft

Seit vier Monaten sitzt der 21-Jährige in Untersuchungshaft. Und hat im Knast besonderen Eindruck hinterlassen: Gute Umgangsformen, vernünftig, verlässlich, kooperativ, so beschrieb ihn eine Sozialarbeiterin, die den Steinheimer einen »angenehmen Gefangenen« nannte. Er selbst hatte dem Gericht nicht nur ein Geständnis bereits am ersten Prozesstag geliefert, sondern gab sich bis zum Schluss auch reumütig: Jetzt sei der Punkt gekommen, wo er die Verantwortung übernehmen müsse für seine Fehler. Von denen hatte er noch einige mehr gemacht als nur diejenigen, die in der Anklage vor dem Landgericht verhandelt wurden: Insgesamt dreieinhalb Jahre Jugendstrafen waren zur Bewährung ausgesetzt worden, als der Heranwachsende 2017 und 2018 vor dem Amtsgericht in Höxter wegen genau der gleichen Masche verurteilt worden war.

Flucht durch Frankreich

Eine Serie von Betrügereien hatte er begangen, als er mit seiner Freundin auf der Flucht vor deren Eltern durch Deutschland und Frankreich tingelte – und so den Lebensunterhalt bestritt. Das letzte Urteil hatte er nur wenige Tage vor dem Beginn der jetzt verhandelten Taten kassiert – eine »dermaßen hohe Rückfallgeschwindigkeit« hielt Staatsanwältin Verena Spieker für einen Anlass, jetzt auf dem 21-Jährigen »massiv einzuwirken«: Vier Jahre und acht Monate sollte er nach ihrem Strafantrag hinter Gitter. Wobei die beiden alten Urteile in das Strafmaß einzubeziehen seien.

Eher mildes Urteil

Verteidiger Jann Henrik Popkes hingegen forderte »eine Jugendstrafe, die eine gewisse Perspektive hinterlässt«: Sein Mandant wolle im Knast einen Beruf erlernen, um sein Leben später in geordnete Bahnen zu lenken, erläuterte der Anwalt.

Tatsächlich blieb die Jugendkammer mit vier Jahren Haft nach Jugendstrafrecht für einen notorischen Betrüger in einem eher milden Bereich.

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