Fr., 21.06.2019

Tatort Campingplatz: Nächste Woche beginnt am Detmolder Landgericht der Prozess Hamelner Opferanwalt hofft auf Geständnisse im Lügde-Prozess

Eine abgesperrte Parzelle auf dem Campingplatz Eichwald in Lügde. Mittlerweile ist sie geräumt.

Eine abgesperrte Parzelle auf dem Campingplatz Eichwald in Lügde. Mittlerweile ist sie geräumt. Foto: Guido Kirchner/dpa/Archiv

Hameln/Lügde/Detmold/Steinheim (dpa). Vor dem Prozess um den massenhaften Missbrauch auf einem Campingplatz in Lügde (Kreis Lippe) hofft Opferanwalt Roman von Alvensleben, dass die mehr als 40 betroffenen Kinder nicht noch einmal vor Gericht aussagen müssen. »Ich appelliere an alle Beschuldigten, Geständnisse abzulegen«, sagte der Jurist aus Hameln.

Er vertritt eine heute Zehnjährige, die im Sommer 2018 Opfer sexueller Gewalt wurde. Die Strafanzeige ihrer Mutter hatte die Ermittlungen gegen einen 56-jährigen Dauercamper ins Rollen gebracht. Der Mann war vom Landkreis Hameln trotz mehrerer Hinweise auf sexuell übergriffiges Verhalten als Pflegevater für ein kleines Mädchen eingesetzt worden. »Wir wollen, dass der nicht mehr aus dem Gefängnis herauskommt«, betonte von Alvensleben.

Dem Deutschen werden 298 Straftaten gegen 23 Kinder vorgeworfen, davon über 100 gegen sein damaliges Pflegekind. Ein 34-Jähriger aus Steinheim (Kreis Höxter) soll in 162 Fällen acht Mädchen und neun Jungen missbraucht haben. Ein weiterer 49 Jahre alter Angeklagter aus dem niedersächsischen Stade soll die Taten im Internet verfolgt und teilweise zu ihnen angestiftet haben. Anfang dieser Woche ist eine vierte Anklage gegen einen zum Tatzeitpunkt noch jugendlichen Mann bekannt geworden. Der Prozess startet am 27. Juni vor dem Landgericht Detmold.

Roman von Alvensleben. Foto: Holger Hollemann/dpa

Der Schutz der traumatisierten Kinder müsse oberste Priorität bei der Gerichtsverhandlung haben, sagte der Hamelner Anwalt. Gleichzeitig forderte er, das Thema Kindesmissbrauch in die Öffentlichkeit zu bringen, ohne die Opfer zu stigmatisieren. Nach von Alvenslebens Beobachtung werden Taten oft aus Scham und Angst verschwiegen.

Wegen des Behördenversagens in dem Fall prüft von Alvensleben auch Klagen auf Schadensersatz beziehungsweise Schmerzensgeld gegen den Landkreis Hameln sowie die Länder Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. »Es wäre weniger Leid entstanden, wenn Polizei und Jugendamtsmitarbeiter ordentlich gearbeitet hätten«, ist er sicher. »Jedes Kind hat ein Einzelschicksal.« Seine Mandantin sei traumatisiert und befinde sich in Therapie.

Er sei geschockt, dass das Jugendamt Hameln Hinweisen auf Pädophilie des Campers im Jahr 2016 nicht konsequent nachgegangen sei und ihm Anfang 2017 sogar die Pflegschaft für das Kind übertrug. Auch das Verschwinden eines Koffers mit 155 CDs und DVDs aus einem Raum der Polizeibehörde in Detmold sei völlig unverständlich. »Ich verlange, dass das aufgeklärt wird.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6709311?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2851055%2F