Mi., 21.08.2019

Fünf Unternehmen im Kreis Höxter engagieren sich – Hochschule mit im Boot Gemeinwohl als Gewinn in der Bilanz

Die Vinsebecker Graf Metternich Quellen nehmen ebenso am Pilotprojekt teil wie die Lebenshilfe Brakel, der Biolandhof Engemann aus Willebadessen und die beiden Steinheimer Unternehmen Chemical Check und Petersilchen.

Die Vinsebecker Graf Metternich Quellen nehmen ebenso am Pilotprojekt teil wie die Lebenshilfe Brakel, der Biolandhof Engemann aus Willebadessen und die beiden Steinheimer Unternehmen Chemical Check und Petersilchen. Foto: privat

Steinheim/Brakel/Willebadessen (WB). Wie wäre es, wenn Firmen nicht nur ihren Gewinn in einer Bilanz messen, sondern auch ihren Beitrag zum Gemeinwohl? Genau das wollen fünf Pionier-Unternehmen aus dem Kreis Höxter in einem nun vereinbarten Projekt ausprobieren.

»Wir werden eine Gemeinwohl-Bilanz erstellen, weil der Ansatz sehr gut zu unserem Familienbetrieb passt. Dadurch wollen wir auch unser Umwelt-Engagement sichtbar und bewertbar machen sowie neue Entwicklungspfade aufzeigen«, beschreibt Andreas Schöttker seine Motivation. Der Geschäftsführer der Vinsebecker Graf Metternich Quellen nimmt mit seinem Team ebenso am Pilotprojekt teil wie die Lebenshilfe Brakel, der Biolandhof Engemann aus Eissen und die beiden Steinheimer Unternehmen Chemical Check und Petersilchen.

Menschenwürde, Transparenz, ökologische Nachhaltigkeit, Solidarität

Gemeinsam mit Studierenden des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften der Technischen Hochschule OWL wollen sie das Bilanzsystem der Gemeinwohl-Ökonomie auf ihre Unternehmen anwenden. Dabei wird bewertet, welchen Beitrag ihre Unternehmen zu Werten wie Menschenwürde, Transparenz, ökologische Nachhaltigkeit und Solidarität leisten. Und natürlich auch, wo es noch etwas zu verbessern gilt. Chemical Check-Geschäftsführerin Karen Schnurbusch erläutert: »Die Gemeinwohl-Bilanz ist uns wichtig, weil wir daran mitwirken möchten, diese Erde für alle zu erhalten, weil wir zu einem Miteinander kommen möchten – weg von immer schneller, immer höher, immer weiter.« Eine weitere Motivation sei, dass »der von uns gelebte differenzierte Ansatz uns als Arbeitgeber attraktiver macht«.

Verantwortungsvolles Wirtschaften

Zusammengeführt wurden Hochschule und Unternehmen im Rahmen eines EU-geförderten Projekts der »Stiftung Gemeinwohl-Ökonomie NRW«. Referent Christoph Harrach beschreibt die Vision: »Wir stehen vor großen Herausforderungen, global ebenso wie hier im Kreis. Die Gemeinwohl-Ökonomie ist ein interessanter Weg, diese Themen anzugehen und die eigene Organisation im Hinblick auf verantwortungsvolles Wirtschaften weiterzuentwickeln.« Das sieht auch BWL-Professorin Dr. Elke Kottmann von der TH OWL so: »Die Gemeinwohlbilanz ist ein interessanter Ansatz für alle Organisationen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen wollen. Der Umgang mit diesem Rating-Tool ist für unsere Studierenden sicher eine wichtige Erfahrung. Wir sind gespannt, wie das neue Angebot angenommen wird.«

Gemeinsame Arbeit beginnt im Wintersemester

Die gemeinsame Arbeit, bei der die Unternehmen sich auch untereinander austauschen, beginnt mit dem kommenden Wintersemester. Zunächst werden den Studierenden im Modul »Markt und Wettbewerb mit Schwerpunkt Gemeinwohlökonomie« Grundlagen vermittelt, insbesondere das Format der Gemeinwohl-Kompaktbilanz. Dieses Wissen können sie anschließend direkt anwenden: In einer Gruppenarbeit begleiten sie die fünf Pilotunternehmen bei der erstmaligen Aufstellung ihres Gemeinwohlberichts. So werden am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften aktuelle nachhaltigkeitsrelevante Themenstellungen systematisch in das betriebswirtschaftliche Studium eingebunden. Die Unternehmen veröffentlichen anschließend ihre Berichte und erhalten ein Testat. Ein Konzept, das den Zeitgeist trifft: »Die Warteliste für den nächsten Durchlauf mit weiteren fünf Unternehmen ist schon gut gefüllt«, zeigt sich Organisator Christoph Harrach zufrieden. »Gleichzeitig freuen wir uns über weitere Anfragen. Es muss es ja nicht bei zehn zertifizierten Unternehmen bleiben.«

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