Stadt Steinheim und Banken finanzieren acht Defibrillatoren
Elektronische Lebensretter in den Dörfern

Steinheim (nf). Ihre Boxen leuchten grün und ihr Inhalt rettet Leben. Für die Stadt Steinheim sind jetzt insgesamt acht öffentlich zugängliche Defibrillatoren (AED) angeschafft worden. Angebracht sind sie jeweils an den Feuerwehrgerätehäusern der Ortschaften.

Samstag, 21.12.2019, 14:06 Uhr aktualisiert: 21.12.2019, 14:30 Uhr
In der Symbolfarbe grün leuchten die Boxen für den elektronischen Lebensretter, den hier Vize-Wehrchef Frank Eichmann zeigt. Foto: Heinz Wilfert
In der Symbolfarbe grün leuchten die Boxen für den elektronischen Lebensretter, den hier Vize-Wehrchef Frank Eichmann zeigt. Foto: Heinz Wilfert

Entstanden ist die Idee im IKEK-Prozess der Dorfwerkstatt in Hagedorn. „Die erschreckend hohe Anzahl von 100.000 Toten in Deutschland durch den plötzlichen Herztod haben uns bewegt, das Thema aufzugreifen,“ stellt Professor Johannes Üpping klar, als das Rettungssystem jetzt in Hagedorn präsentiert wurde. Bei einem Treffen der Löschgruppenführungen hatten sich alle für eine Anschaffung ausgesprochen.

Weil sich eine Finanzierung durch das Leader Projekt aufgrund bürokratischer Hürden nicht realisieren ließ, sprang die Stadt Steinheim ein und stellte 18.000 Euro im Haushalt bereit. Den Restbetrag finanzierten die drei Steinheimer Kreditinstitute: die Vereinigte Volksbank, die Sparkasse Höxter und die Verbundvolksbank OWL.

Angebracht sind die acht „Defis“ an den Feuerwehrgerätehäusern der Steinheimer Ortschaften. „Jeder weiß, wo im Dorf das Feuerwehrgerätehaus steht“, erklärte Steinheims stellvertretender Wehrführer Frank Eichmann die Wahl der Standorte.

Am Gerätehaus in der Kernstadt gibt es kein Gerät, dafür steht ein Defibrillator beim dort stationierten Rettungsdienst bereit. Mit der Anschaffung verpflichten sich die Löschgruppen für fünf Jahre, mit öffentlichen Unterweisungen über den Umgang mit den Defibrillatoren zu informieren und Ersthelfer mit der Handhabung vertraut zu machen.

Übungsgerät an einer Puppe ausprobieren

Diese Einweisung sei der Garant für die richtige Bedienung. Dafür stehe ein Übungsgerät zur Verfügung, an einer Puppe kann die Handhabung trainiert werden. „Es genügt nicht, die Geräte an die Wand zu schrauben. Es müssen möglichst viele Laienhelfer geschult und ihr Wissen regelmäßig aufgefrischt werden“, sagte zum Beispiel Hagedorns Löschgruppenführer Steffen Brand.

Die Geräte sind im Außenbereich der Gerätehäuser angebracht. Sie seien vier Jahre wartungsfrei, beheizt und sie verstrahlen grünes Licht – die Symbolfarbe für Rettung und Hilfe. Steinheims Bürgermeister Carsten Torke zur Bedeutung: „Defibrillatoren sind als Erste Hilfe- Maßnahme unverzichtbar und die Feuerwehren sind die idealen Multiplikatoren.“ Bei der Anwendung gebe es auch kein richtig oder falsch. Falsch sei nur, in dem Moment nichts zu unternehmen.

Hilfe im Notfall

Der Ersthelfer müsse im Notfall die Elektroden ankleben, danach analysiert eine spezielle Software selbstständig den Herzrhythmus. Soll der Ersthelfer per Knopfdruck einen Elektroschock auslösen, kommt die Anweisung vom Gerät. Durch den Elektroschock wird das Herz bei Kammerflimmern auf „Null gestellt“.

Zwei Mal pro Sekunde muss danach vom Ersthelfer der Brustkorb tief eingedrückt werden. Aufgehört werden darf erst, wenn die Profi-Helfer übernehmen, die immer gerufen werden müssen.

Kein Kammerflimmern, kein Stromstoß

Und: Liegt kein Kammerflimmern vor, erkennt das der Defibrillator und schickt auch keinen Stromstoß. Die Rettung könne später sogar eine Speicherkarte aus dem AED für ihre Erkenntnisse auswerten. Experten sagen, dass die Chance auf eine erfolgreiche Wiederbelebung beim rechtzeitigen Einsatz eines Defis bei 55 Prozent liege – ohne das Gerät seien es nur noch acht Prozent.

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