76.000 Euro Spenden: Sieben Rollstuhlfahrer und ihre Begleiter treten Reise am 21. Mai an
Traum von New York wird wahr

Steinheim/Höxter (WB). Sprachlosigkeit macht sich unter sieben jungen Menschen breit, als sie erfahren, dass ihr gemeinsamer Traum in greifbare Nähe rückt: Einmal wollen sie zusammen nach New York fliegen. Die Crux dabei: Alle sitzen im Rollstuhl. Denn sie leiden an der Muskeldystrophie Duchenne. So wie Leon Schröder aus Rolfzen. Aus diesem Grund ist ein hoher logistischer Aufwand nötig, der mit Kosten von etwa 80.000 Euro einhergeht – für Flüge und Unterkunft.

Dienstag, 07.01.2020, 18:20 Uhr aktualisiert: 08.01.2020, 10:08 Uhr
Mitte Dezember hatten Leon Schröder und Sabrina Raschke ihr Projekt vorgestellt und von Spenden in Höhe von 20.000 Euro berichtet. Damals lag der Traum von New York für die sieben Rollstuhlfahrer und ihre Begleiter noch in weiter Ferne. Foto: Dennis Pape
Mitte Dezember hatten Leon Schröder und Sabrina Raschke ihr Projekt vorgestellt und von Spenden in Höhe von 20.000 Euro berichtet. Damals lag der Traum von New York für die sieben Rollstuhlfahrer und ihre Begleiter noch in weiter Ferne. Foto: Dennis Pape

Dank zahlreicher Spender ist diese Summe nun fast erreicht, sagt Sabrina Raschke. Sie betreut die Gruppe ehrenamtlich und setzt sich voller Tatendrang dafür ein, dass aus dem Traum Wirklichkeit wird. 76.000 seien bisher zusammengekommen, ein Ende des Spendenbedarfs sei allerdings noch nicht in Sicht: „Wir fordern auf, weiter zu spenden. Denn mit 80.000 Euro sind Eintrittsgelder und Verpflegung noch nicht abgedeckt“, erklärt sie. „Keiner soll vor Sehenswürdigkeiten stehen und überlegen, ob er sich den Eintritt leisten kann, wenn er abends noch Essen geht. Jeder soll eine unbeschwerte Reise erleben.“

Spenden von 2,50 bis 5000 Euro

Am 18. November hatte sie die Spendensammlung gestartet. „Das weiß ich noch genau, weil ich an dem Tag 110 E-Mails verschickt habe.“ Sieben Wochen später ist aus der 0 auf dem Konto eine 76.000 geworden. „Es ist unbeschreiblich schön, so viele positive Rückmeldungen zu bekommen“, sagt Raschke. Die Spanne der eingehenden Spenden reiche von 2,50 Euro bis 5000 Euro, sowohl von Privatpersonen als auch von Firmen. Raschke hatte dafür die Werbetrommel gerührt, zum Beispiel bei den Stars der „1Live Krone“.

Mit der Vorfreude und den Planungen auf die New-York-Reise hatte sich Sabrina Raschke bis zuletzt stark zurückgehalten. „Bei 23.000 Euro kam schon Euphorie in der Whats-App-Gruppe auf und sie haben gefragt, was sie sehen wollen. Da habe ich gesagt, dass wir noch gar nichts sehen wollen.“ Aber jetzt, wo ein Großteil der Kosten gedeckt ist, dürfe jeder seine Pläne schmieden. Am Montag sei die Gruppe zusammengekommen, um unter anderem intensiv über ihr Vorhaben zu sprechen. „Wir saßen heulend zusammen“, erklärt Raschke.

Besuch der Freiheitsstatue

Nun dürfen die jungen Reisenden ihren Fantasien freien Lauf lassen. Hoch im Kurs stehe laut Raschke ein Besuch des Empire State Buildings. Die Gruppe will von oben die Aussicht auf New York genießen. „Sie wollen am Times Square mit den Rollis entlangfahren und auf jeden Fall die Freiheitsstatue besuchen“, berichtet sie. Nach den bisherigen Recherchen sei es dort möglich, mit den Rollstühlen bis zum ersten Sockel zu fahren. „Ich will bis zur Krone. Das werde ich mir nicht nehmen lassen“, freut sich Sabrina Raschke.

Sieben Begleiter werden an der Reise teilnehmen. Jetzt müsse jeder der jungen Erwachsenen sich für die Sehenswürdigkeit entscheiden, die er unbedingt sehen möchte. Auf Grundlage dessen werde ein Reiseplan erstellt. Beliebt sei bei den Rollstuhlfahrern außerdem der Besuch einer Rooftop-Bar, also einer Bar, die im obersten Stockwerk eines Hochhauses liegt.

Kooperationen vor Ort

Zehn Tage will die Gruppe in New York verbringen. Ein Hotel hat sie in Aussicht, gebucht ist noch nichts. „Wir warten noch auf eine Rückmeldung von der Lufthansa.“ Hier strebt Raschke eine Kooperation an. Denn auf Partner ist sie bei dem Projekt angewiesen. Sie stehe mit Sanitätshäusern vor Ort in Kontakt, um über die Möglichkeit zu sprechen, diese Artikel zu mieten.

So müsse nicht jedes Hilfsmittel transportiert werden. „Um alle Hilfsmittel mitzunehmen, müssten wir ein kleines Flugzeug mieten“, verdeutlicht sie. Und man könne schließlich von keinem Hotel erwarten, sieben Weichlagerungsmatratzen bereit zu haben.

Mit der Gewissheit, einen Großteil der Kosten bereits gedeckt zu haben, blicke Sabrina Raschke nun entspannter in die nahe Zukunft. „Wir haben keinen Zeitdruck mehr. Bis Mai haben wir noch Zeit, um Spenden zu sammeln.“ Und einige Projekte stünden schon auf dem Plan: Sie werde beispielsweise beim Feuerwehrlauf präsent sein. Außerdem gebe es Benefizkonzerte, die für die Gruppe ausgerichtet werden: Eines in Warstein und eines am kommenden Samstag, 11. Januar, um 20 Uhr in Entrup mit der Coverband „Agent Schmitt“.

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