BUND schlägt Alarm: Geplante Windräder bei Steinheim bedrohen den Artenschutz
Wo Könige der Lüfte ihre Runden drehen

Steinheim (WB). Wer als Ausflügler oder Radler mit offenen Augen das “Steinheimer ­Becken“ (zwischen Kernstadt, Ottenhausen und Vinsebeck gelegen) durchquert, der kann sie am Himmel immer mal wieder entdecken: die Könige der Lüfte – auch der Rotmilan als Greifvogel gehört dazu.

Samstag, 15.02.2020, 12:20 Uhr
Die Strommasten im „Steinheimer Becken“ haben eine Höhe von rund 30 Metern. Die dort vom Projektierer „EnBW“ vorgesehenen fünf Windräder weisen dagegen eine Gesamthöhe von 241 Metern aus. Beim Erörterungstermin in der Stadthalle kam heraus: Bürger entdecken in der Börde regelmäßig Rotmilane. Foto: Harald Iding
Die Strommasten im „Steinheimer Becken“ haben eine Höhe von rund 30 Metern. Die dort vom Projektierer „EnBW“ vorgesehenen fünf Windräder weisen dagegen eine Gesamthöhe von 241 Metern aus. Beim Erörterungstermin in der Stadthalle kam heraus: Bürger entdecken in der Börde regelmäßig Rotmilane. Foto: Harald Iding

Doch wie hoch ist eigentlich das „Tötungspotenzial“ durch die vom Projektierer „EnBW“ dort beantragten fünf Winderenergieanlagen (WEA), die eine Gesamthöhe von 241 Metern haben – und Rotoren, die 75 Meter lang sind? Diese Windräder würden „wie eine Mauer“ mitten in der Landschaft stehen. „Ein Durchkommen für Greifvögel und Fledermäuse wäre nicht mehr möglich“, äußerten sich besorgte Bürger im Rahmen des Erörterungstermins in der Stadthalle Steinheim zu den Anträgen von „EnBW“ (wir berichteten über die Veranstaltung, die vom Kreis Höxter als „Untere Immissionsschutzbehörde“ ausgerichtet wurde). Dort stellte auch für die BUND-Kreisgruppe („Bund für Umwelt und Naturschutz“) zuständige Koordinatorin für Stellungnahmen, Irene Büttner aus Marienmünster, die Bedenken im Rahmen des Artenschutzes für das Untersuchungsgebiet (UG) „Steinheimer Becken“ noch einmal mündlich vor.

„Baustein“ für den Vogelzug

Ihr Fazit fiel eindeutig aus und stellte zugleich eine Mahnung an alle im Genehmigungsverfahren beteiligten Stellen dar. Anders als die Einschätzung des von „EnBW“ beauftragten Gutachterbüros kommt Büttner zu folgendem Gesamtergebnis: „Das Untersuchungsgebiet wird sowohl als Brutgebiet und Nahrungsraum von gefährdeten Vogelarten intensiv genutzt und benötigt“. Die vom Gutachter vorgeschlagenen Maßnahmen zur Vermeidung von nachteiligen Auswirkungen wie beispielsweise „Abschaltalgorithmen bei Fledermäusen“ sowie spezielle Abschaltungen zu Zeiten der Bewirtschaftung bei Greifvögeln hält der BUND für wirkungslos – zumindest aber für nicht ausreichend. Büttner: „Aufgrund der kleinteiligen Steinheimer Börde würde die Errichtung der WEA eine weitreichende Dominanz in dem von Großvögeln genutzten Luftraum einnehmen – und für diese eine große Gefahr bedeuten.“ Das „Steinheimer Becken“ sei im Kreis der letzte großflächige Bördebereich, „der durch seine kleinräumige Struktur insbesondere für die Avifauna (Vogelwelt eines bestimmten Gebietes) und auch für viele Fledermausarten ein wichtiger Lebensraum ist.“

Zudem stelle die Börde einen ebenso wichtigen „Baustein“ für den Vogelzug dar. Das bestätigte Stephan Lücking aus Ottenhausen. „Hunderte Kiebitze flogen 2019 an einem Tag über unsere Region hinweg“, sagte Lücking in der Versammlung. Er konnte den Behördenvertretern sogar Fotobeweise dafür liefern – für die sich wiederum der Versammlungsleiter Markus Blaschek (Kreis Höxter) interessierte. Blaschek sagte noch an dem Abend: „Der Transparenz wegen haben wir den Termin mit Gutachtern, Antragssteller sowie Bürgern, die zuvor schriftlich ihre Einwendungen eingebracht haben, angesetzt. Dadurch gewinnen wir eine noch bessere Möglichkeit, in diesem Verfahren eine gute Entscheidung zu treffen.“

Landschaftsschutzgebiet

Irene Büttner: „Das Landschaftsbild würde durch die neuen Anlagen erheblich gestört. Das UG liegt im Landschaftsschutzgebiet Nord des Kreises und größtenteils im Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge.“

Stephan Lücking (60), seit vielen Jahrzehnten engagierter Naturschützer: „Die Messlatte wird leider bei der Beurteilung durch neue Vorgaben im Verfahren immer höher gelegt, ab wann zum Beispiel durch Windmühen ein zu hohes Tötungspotenzial vorliegt.“ Der Eingriff in die Natur sei dagegen groß und für Lücking „jeder getötete Rotmilan einer zu viel!“

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