Teile des Handels im Kreis Höxter öffnen am Montag
Rückkehr zur Normalität

Kreis Höxter (WB). Mit Klebeband hat die Buchhandlung Brandt in Höxter einen Rundweg durch ihr Geschäft geklebt – für die Kunden, die von Montag an wieder Bücher vor Ort kaufen. Seit Mittwoch ist klar: Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern dürfen ihre Türen öffnen. Für viele Einzelhändler im Kreis Höxter geht damit eine kritische Phase zuende.

Donnerstag, 16.04.2020, 22:27 Uhr aktualisiert: 16.04.2020, 22:30 Uhr
Monika und Hermann Manegold bereiten in ihrer Parfümerie alles für den Start vor. Für die Öffnung haben sie Mundschutz geordert. Auf die Lieferung warten sie noch. Foto: Jürgen Drüke
Monika und Hermann Manegold bereiten in ihrer Parfümerie alles für den Start vor. Für die Öffnung haben sie Mundschutz geordert. Auf die Lieferung warten sie noch. Foto: Jürgen Drüke

Bücher Brandt hatte sich mit Liefer- und Abholservices während der Schließung beholfen. „Das Angebot wurde sehr gut angenommen. Einen Großteil der Bestellungen haben wir selbst ausgeliefert“, berichtet Susanne Weide, die für den Einkauf, die Buchhaltung und den Verkauf zuständig ist. Sie überlege, den Service auch nach der Öffnung fortzusetzen. Gerade für ältere Personen, die sich nicht in die Geschäfte trauen, könnte das eine Alternative sein.

Für die Öffnung des Ladens am Montag müssen lediglich die Tische verschoben werden, um eine Rundweg durch den Laden zu schaffen. Es geht nur in eine Richtung – mit dem nötigen Abstand. Ebenfalls neu sein wird eine Plexiglasscheibe, die im Kassenbereich angebracht werden soll. Außerdem soll im Eingang ein Desinfektionsmittelspender platziert werden.

Im Kundengespräch werde man Mundschutz tragen, sagt Weide. Bezüglich des Starts am Montag hat sie eine geteilte Meinung: „Einerseits freut man sich auf den persönlichen Kontakt, andererseits ist man skeptisch und vorsichtig, wie es angenommen wird.“ Von vielen Kunden habe sie gehört, dass sie die Öffnung mit Vorfreude erwarten würden.

Warten auf den Mundschutz

Das gilt auch für Hermann Manegold. Kurzarbeit und sofortige Schließung der Parfümerie: Dieses Szenario habe sich der Geschäftsführer nicht ausmalen können. Umso glücklicher ist er, dass es am Montag wieder los geht. „Wir sind gerüstet“, betont er und meint damit die Ausstattung zur Einhaltung der Hygienevorschriften: Plexiglasscheibe, Desinfektionsmittel, Einkaufskörbe.

Doch Desinfektion und Handhygiene seien in seinem Geschäft nichts Neues. Im Verkaufsraum sei ein Waschbecken installiert und während Kosmetikbehandlungen werde Mundschutz getragen. Auf dessen Lieferung wartet Manegold aktuell. „Es ist vorgesehen, dass jeder Kunde einen Mundschutz bekommt.“ Dass es bald in seinem Laden auf dem Fußboden Klebeband zur Wahrung des Abstands geben werde, davon gehe er aus. Die Details stünden aus. Ebenso wie die Information, ob der Bereich für Kosmetikbehandlungen geöffnet werden dürfe.

Während der Schließung war die Parfümerie auf einen Lieferservice umgestiegen. Die Päckchen packten die Mitarbeiter vor Ort. „Es tat weh zu sehen, dass auf der Straße und auf dem Markt viel los war und man selbst steht im Halbdunkel.“

Große Modehäuser bleiben geschlossen

Jens Klingemann, zweiter Vorsitzender der Werbegemeinschaft Höxter, appelliert an die Kunden, die Handelsbetriebe mit ihren Käufen zu unterstützen. „Es ist wichtig, auf lange Sicht eine gute, funktionierende Innenstadt zu haben und weiter attraktiv zu bleiben.“ Für den gesamten Handel sei es keine leichte Situation gewesen. „Wir sind nun unmittelbar von den Verbrauchern abhängig.“ Klingemann selbst überlegte am Donnerstagmorgen, eine Teilfläche seines Modehauses zu öffnen. „In Niedersachsen ist das möglich.“

In Nordrhein-Westfalen ist dies am Donnerstagnachmittag allerdings verboten worden. „Die Länderchefs wollten das einheitlich regeln“, kritisiert Klingemann. „Wir hoffen jetzt, dass nachgebessert wird.“ Hygiene- und Abstandsregeln könnten in einem großen Geschäft gut erfüllt werden. Den Beschluss zur 800-Quadratmeter-Grenze bezeichnet er als „bittere Entscheidung“ für mittlere Betriebe, die nun zwei weitere Wochen ihre Türen geschlossen halten müssen. Das Modehaus werde weiterhin seinen Bestell- und Lieferservice anbieten, über den auch auf der Internetseite informiert wird. Die Bekleidungsgeschäfte Green Monkey und Twenty_4 werden am Montag öffnen.

Warburgs Bürgermeister Michael Stickeln wertet es als „gutes Zeichen“, dass Geschäfte mit bis zu 800 Quadratmetern Verkaufsfläche jetzt wieder öffnen dürfen. Darunter fielen in der alten Hansestadt mehr als 90 Prozent der Läden. Die Stadt Warburg will den Einzelhändlern in den kommenden Tagen beim Erstellen von Hygieneschutzkonzepten mit Informationen unter die Arme greifen. Weiterhin laufe auch der regionale Internetmarktplatz „remapla“. Stickeln appelliert an die Bürger, jetzt auch tatsächlich lokal zu kaufen, um den heimischen Einzelhandel zu unterstützen.

Einrichtungshäuser dürfen öffnen

Eine überraschende Wendung nahm der gestrige Tag für die Möbelstadt Steinheim. Im Gespräch am Morgen ging Prokurist Thomas Buckoh noch davon aus, dass die Möbelstadt geschlossen bleiben muss und sagte: „Wir gönnen es allen, die öffnen dürfen, aber wir können die Entscheidung nicht nachvollziehen.“ Das Unternehmen fühle sich „ungerecht behandelt“.

Am Nachmittag erklärte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann in einer Pressekonferenz, dass es für Einrichtungshäuser eine Sonderregelung geben wird und diese öffnen dürfen. „Wir freuen uns“, sagte Buckoh. Nun stehe man jedoch vor der Frage, unter welchen Voraussetzungen das Einrichtungshaus öffnen dürfe, beispielsweise hinsichtlich der Hygienevorschriften.

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