Wassersport: Am Ostersonntag vollbringt die Kreisstädterin auf der Weser eine große Leistung
Harter Kampf gegen den Strom

Höxter  (WB). Mit ihrem 25 Kilogramm schweren Kajak begibt sich Michaela Bast am Morgen des sonnigen Ostersonntags auf die Weser und paddelt einfach einmal los. Am Ende steht ein großer Erfolg: Die Extremtour ist nach vier Stunden und 20 Minuten beendet. Die 48-jährige Kajakfahrerin hat es stromaufwärts von Höxter bis Beverungen geschafft. Die Athletin hat den Kampf gegen den Strom angenommen und gewonnen.

Samstag, 18.04.2020, 07:10 Uhr
Stark: Michaela Bast paddelt in vier Stunden und 20 Minuten stromaufwärts von Höxter nach Beverungen. Foto: Jürgen Drüke
Stark: Michaela Bast paddelt in vier Stunden und 20 Minuten stromaufwärts von Höxter nach Beverungen. Foto: Jürgen Drüke

„Bei Wettkämpfen geht es meistens stromabwärts und nur beim Training stromaufwärts. Hier hole ich mir schließlich die Kraft und Kondition“, berichtet die Athletin. Stromaufwärts verlange eine Menge Durchhaltevermögen. Die 16 Kilometer von Höxter nach Beverungen hätten es in sich. Beim Bezirkspaddeln stromabwärts von Beverungen nach Höxter sei ihr bereits 2018 in den Kopf gekommen, den Teilnehmern entgegenzufahren. Bei Blankenau sei sie damals auf ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter vom Wassersport Höxter gestoßen. Zehn Kilometer hätte sie bis Blankenau zurückgelegt.

Den großen

Den großen Foto: Jürgen Drüke

Ein langer Traum

 

Bast wollte mehr und irgendwann das Ziel Beverungen erreichen. Zwei Jahre später verwirklichte sie ihren Traum, ohne diesen am Ostersonntag wirklich im Visier gehabt zu haben. Da in Zeiten von Corona nur Einzeltraining und Einheiten mit der Familie nötig sind, nutzte Michaela Bast das schöne Wetter zum Einzeltraining und letztlich dazu, die große ­Herausforderung anzugehen. „Mit 147 Zentimetern war der Wasserstand im normalen Bereich. Ich paddelte einfach einmal los.“ Mit jedem Meter mehr wuchs der Ehrgeiz der Sportlerin. „Auf dem Wasser hielt ich mich so nah wie möglich am Ufer auf und wählte immer die Innenkurve, denn dort ist die Strömung geringer“, beschreibt die Athletin vom Wassersport Höxter. In fünf Stunden wollte Michaela Bast die 16 Kilometer, die Weser hat eine Fließ-Geschwindigkeit von fünf Kilometern pro Stunde, hinter sich lassen. Nach zwei Stunden erreichte sie Wehrden. Die Hälfte der Strecke war um 11.45 Uhr geschafft. Kajakfahrerin Bast lag gut im Zeitplan. Es ging weiter. Um 13.45 Uhr erreichte sie die Weserbrücke in Beverungen. Noch war nicht Schluss. Das Bootshaus war schließlich das Ziel. „Die Schmerzen in Händen und Schultern blendete die Sportlerin aus. Um 14.05 Uhr hatte sie das Ziel erreicht: „Ich war erschöpft.“ Vier Stunden und 20 Minuten hatte sie gebraucht. Geschafft! Ein langer Traum war in Erfüllung gegangen. „Stromaufwärts, das ist schon ein bisschen verrückt“, weiß Michaela Bast. „Die Weser habe ich dabei aus einer ganz anderen Perspektive erlebt. Das war der große Unterschied zu den Fahrten stromabwärts.“ Eine große Leistung war vollbracht.

Michaela Bast und ihr Ehemann Wolfgang sind im Hamburger Hafen unterwegs.

Michaela Bast und ihr Ehemann Wolfgang sind im Hamburger Hafen unterwegs. Foto: privat

Mit elf Jahren angefangen

Die Höxteranerin ist seit ihrem elften Lebensjahr Mitglied im Wassersport Höxter und hat hier das Kajakfahren erlernt. Auf dem Wasser meisterte sie zahlreiche Herausforderungen und feierte tolle Erfolge. Viele Medaillen hat die Sekretärin in den vergangenen 37 Jahren gewonnen. „Die vielseitige Wassersportlerin hält sich mit Schwimmen, Radfahren und Nordic Walking fit. „Ohne das regelmäßige Training kannst Du eine solche Tour nicht bewältigen“, weiß Michaela Bast, die neben ihrer Mitgliedschaft beim Wassersport Höxter auch für den WSV Beverungen aktiv ist. Den ersten Marathon hat die Kreisstädterin bereits Mitte der 80er-Jahre bewältigt. Inzwischen liegen 13 Marathons hinter ihr. Bast ist dabei zwölfmal auf der ­Silberstrecke von 80 Kilometern unterwegs gewesen. Einmal hat sie die Bronzestrecke (53 Kilometer) zurückgelegt.

Mit ihrem Sohn paddelt Michaela Bast durch Venedig.

Mit ihrem Sohn paddelt Michaela Bast durch Venedig. Foto: privat

Mit der Familie unterwegs

Mit ihrer Familie, das sind ihr Ehemann Wolfgang sowie ihre Tochter Carolin (20) und ihr Sohn Marcel (18), hat Michaela Bast 2018 zudem die „Vogalonga“ in Venedig erlebt. „Wer paddelt nicht gerne durch Venedig. Die Stadt der Gondeln und der Liebe hat uns beeindruckt.“ Bei der Vogalonga sei vom Wander- über Rennkajaks, Renn- und Drachenbooten, den berühmten Gondeln bis hin zu den Stand-Up-Paddlern die ganze Vielfalt der muskelbetriebenen Wassersportgeräte am Start gewesen. „Die Strecke führte an den Inseln und am Festland vorbei durch die Kanäle. Zum Abschluss ging es durch den „Canale Crande“. Es war eine traumhafte und anstrengende Tour zugleich. Die Distanz betrug 30 Kilometer. Die Familie aus Höxter absolvierte in Venedig ein Zusatzprogramm: „Letztlich brachten wir es auf eine Gesamtstrecke von 43 Kilometern. Da wir stehendes Gewässer durchqueren mussten, kamen die Anstrengungen einem Silber-Marathons von 80 Kilometern gleich.“

Großes Erlebnis

Ein weiteres großes Erlebnis sei 2019 die Teilnahme an einer Verbandsfahrt der Niederdeutschen Wanderpaddler gewesen. „Am ersten Tag stand eine Erkundungs- und am zweiten Tag eine Hafentour auf dem Plan.“ An beiden Tagen legten Michaela und Wolfgang Bast jeweils 23 Kilometer zurück. „Ebbe und Flut mussten wir im Visier haben. Es ist schon eine Herausforderung an sich, wenn der Wasserstand bei der Abfahrt etwa zwei Meter niedriger als bei der Ankunft ist.“

Michaela Bast, die neben dem Kajak auch mit dem Boot und Drachenboot erfolgreich ist, würde gerne auch einmal einen Triathlon bestreiten: „Das geht aufgrund von Lungenproblemen und einer Knieverletzung nicht.“ Gegen den Strom will die Höxteranerin noch einige Male ankämpfen.

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