Steinheimer Betrieb Düwel verwirklicht Mastanlage mit vielen Elementen fürs Tierwohl
In diesem Stall regnet es Stroh

Steinheim (WB). Wer von Steinheim aus die Ostwestfalenstraße Richtung Eichholz befährt, der kann linkerhand schon seit vielen Monaten ein neues Gebäude entstehen sehen. Der Baukran steht noch, doch das Wichtigste ist nun vollendet: Der Großraum-Maststall von Familie Düwel. Vor gut zwei Wochen konnten die ersten 1480 Ferkel einziehen.

Montag, 27.04.2020, 06:12 Uhr aktualisiert: 27.04.2020, 06:20 Uhr
Zweimal am Tag lässt die automatische Strohförderanlage das organische Beschäftigungsmaterial in die Großbucht fallen. Foto: Greta Wiedemeier
Zweimal am Tag lässt die automatische Strohförderanlage das organische Beschäftigungsmaterial in die Großbucht fallen. Foto: Greta Wiedemeier

Keine offenen Türen

 

Tierwohl im Großraum-Maststall

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Eigentlich hatte die Familie einen „Tag der offenen Stalltür“ geplant, aus Rücksicht auf die aktuelle Corona-Situation kann dieser jedoch nicht stattfinden. Dem WESTFALEN-BLATT hat sie dennoch einen Einblick in ihren zertifizierten Tierwohl-Stall gewährt. Die Schweine haben dort dank des Agrarinvestitionsförderungsprogramms (AFP) 20 Prozent mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben und auch deutlich mehr Licht. Außerdem wird nicht länger auf einzelne Buchten gesetzt: Die Tiere dürfen sich im gesamten Stallbereich bewegen und frei zwischen den zwei großen Räumen mit Fress-, Liege- und Spielbereichen wählen.

20 Prozent mehr Platz

„Das bringt natürlich auch Nachteile mit sich“, räumt Landwirt Tobias Düwel ein, während ihm die Ferkel neugierig um die Beine wuseln. Beispielsweise könnten sich Krankheiten schneller im gesamten Stall ausbreiten und es sei schwieriger, kranke Tiere ausfindig zu machen. Dafür gebe es aber auch eine geringere Gefahr von Neuinfektionen: Es lebt immer nur eine Mastgeneration zeitgleich auf den 1500 Quadratmetern.

Sortierschleuse im Einsatz

Um in den Fressbereich zu gelangen, sollen die Tiere einzeln durch einen schmalen Gang gehen. Dieser verfügt über eine Kamera, die das Gewicht der Tiere erfasst, und sie dementsprechend in die richtige Richtung aus der Schleuse entlassen kann.

„Wenn ein Schwein zu schwer ist, kann man es an die Diät-Futterkrippe leiten. Und auch die Tiere, die zur Vermarktung bereit sind, können auf diese Weise automatisch separiert werden“, erläutert der 38-Jährige.

Aktuell sind jedoch auch die Seitentüren neben der Schleuse aus gutem Grund noch geöffnet: „Ich lerne die Schweine noch an“, sagt der Landwirt schmunzelnd – sie müssten das System schließlich auch erst einmal verstehen. Zweimal täglich schaut er aktuell nach den jungen Schweinen.

Fußbad im Futtertrog

Doch auch in dem hoch technisierten Betrieb funktionieren nicht alle Neuerungen auf Anhieb: In zweien der sensorgesteuerten Wassertröge nehmen die Jungtiere zur Zeit noch lieber ein Fußbad als daraus zu trinken. „Das verdreckte Wasser kann man ihnen natürlich auf Dauer nicht anbieten“, weiß Düwel und tüftelt bereits eine Lösung aus. Auch die durch das AFP-Programm vorgegebenen größeren Abstände zwischen den Schlitzen im Boden, durch welche die Gülle abläuft, sind kontrovers zu sehen: „Die Gefahr für die Schweine durch ein Steckenbleiben wird zwar geringer, dafür rutschen sie aber eher aus“, berichtet der Steinheimer von seinen Beobachtungen.

Strohförderung

Von all diesen Neuerungen erhofft sich Düwel vor allem eines: Arbeitserleichterung. Doch auch das Tierwohl liegt ihm am Herzen. „Die Schweine brauchen Beschäftigung“, weiß er aus seiner langjährigen Erfahrung. Und so gibt es neben den schon weit verbreiteten Kratzbürsten und Scheuerbäumen auch Wühltürme und sogar eine vollautomatische Strohförderanlage. „Zum Zeitpunkt der Planung gab es die in Deutschland nur ganz vereinzelt“, sagt Düwel. Zweimal am Tag lässt die Anlage, die außerhalb des Stalls mit einem Strohballen gefüttert wird, das organische Beschäftigungsmaterial zu Boden fallen. „Die Schweine freuen sich tatsächlich immer schon und stehen Schlange sobald sie merken, dass wieder etwas herunterfällt“, beobachtet der Landwirt.

Tierwohllabel

Mit dem neuen Maststall würde das Fleisch der Tiere mit dem Tierwohllabel 2 versehen werden – und damit trotz einiger Zusätze genau wie in seinen älteren Mastställen. „Bis zur nächsten Stufe ist es noch ein langer Weg. Da kommt ein Auslauf hinzu und die Bestimmungen sind noch recht unklar. Grundsätzlich könnte ich mir das aber auch vorstellen“, äußert Düwel. Wichtig sei es jedoch immer, die Wirtschaftlichkeit im Auge zu behalten – aktuell gibt es einen Einbruch beim Schweinepreis.

Der Landwirt selbst ist nun erst einmal erleichtert, den Maststall trotz der aktuellen Ausnahmesituation fertiggestellt zu haben. „Das hat mir schon so einige schlaflose Nächte bereitet“, gibt er zu. Hätte die Baufirma „Hölscher + Leuschner“ virusbedingt schließen müssen, hätte sich auch der Einzug der Ferkel auf unbestimmte Zeit verzögert.

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