Grundschule in Steinheim-Vinsebeck geht neue Wege – Vorbereitungen für möglichen Neustart
„Linden-TV“: ein Kanal nur für Kinder

Steinheim (WB). Auf der großen Tafel im Klassenraum der „Grundschule an den Linden“ (GGS) steht noch das Datum des letzten Unterrichts: Es ist Freitag, der 13. März. Das Ministerium gab an dem Tag die offizielle Anweisung heraus, den Unterrichtsbetrieb in allen Schulen in NRW ab dem 16. März vorerst einzustellen.

Mittwoch, 29.04.2020, 10:23 Uhr aktualisiert: 29.04.2020, 10:26 Uhr
Schulleiter Ingo Kortmann fördert das neue TV-Projekt. Foto: Harald Iding
Schulleiter Ingo Kortmann fördert das neue TV-Projekt. Foto: Harald Iding

Die kleine, aber feine Bildungseinrichtung in Vinsebeck hält trotz der Corona-Schließung weiterhin engen Kontakt zu ihren 146 Schülern. Die Ältesten unter ihnen fiebern dem Neustart entgegen.

Daneben gibt es schon länger eine „Notbetreuung“ an der Schule (15 Kinder in drei Gruppen). „Wenn es grünes Licht von der Regierung gibt, dann kommen bei uns 40 Viertklässler am Montag, 4. Mai, zum Unterricht. Alles ist vorbereitet. Aber vieles wird anders sein als vorher“, betont Schulleiter Ingo Kortmann im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. Um den Jüngsten in der Gesellschaft das Lernen auch von daheim zu ermöglichen, haben sich die elf Lehrkräfte des Kollegiums (zum Team gehören ebenfalls noch drei Erzieher der OGS) etwas Außergewöhnliches einfallen lassen, um den Unterrichtsstoff so gut und anschaulich wie möglich in einem anderen Format zu vermitteln.

Wie ein kleines „Fernsehstudio“ sieht dieser Klassenraum in der „Grundschule an den Linden“ derzeit aus.

Wie ein kleines „Fernsehstudio“ sieht dieser Klassenraum in der „Grundschule an den Linden“ derzeit aus. Foto: Harald Iding

Und da kommt das neue „Linden-TV“ ins Spiel, das die „Grundschule an den Linden“ ins Leben gerufen hat. Eine Videokamera, ein wertiges Audio-Aufnahmegerät sowie die passende Ausleuchtung mit zwei Lichtschirmen – in dem provisorischen „Aufnahmestudio“ der Schule geht es richtig professionell zu, aber vor allem merkt man den Beteiligten die Freude an. Denn ihre Zielgruppe ist klar definiert: es sind ihre Schüler, die ja auf den gewohnten Unterricht leider verzichten müssen. Und so heißen die Beiträge auch „Erklärvideos“ – von den Lehrern für die Kinder erstellt, um zum Beispiel für die Erstklässer den schwierigen Buchstaben „Y“ vorzustellen. Da greift Sven Weber zu einem „Y“ und erläutert vor der Kamera, warum der Buchstabe manchmal wie ein „I“ klingt – und sich sogar wie ein „Gauner“ verhält. „Zylinder, Pyramide, Teddy – diese Wörter muss man einfach lernen und gut im Kopf haben“, rät der Lehrer den Kids am PC.

Homepage der Schule

So machen die Hausaufgaben Spaß. Eingestellt und hochgeladen werden die Beiträge laut Kortmann übrigens von den Lehrern selbst. Über die eigene Homepage der Schule kann man sie dort per Link („Youtube“) abrufen. Alle Klassen werden bedient, auch die einzelnen Fächer wie Deutsch und Mathematik. Die Ältesten befassen sich mit dem Multiplizieren – mit einstelligen, zweistelligen und sogar dreistelligen Zahlen. „Willkommen mal wieder beim Linden-TV. Unsere Aufgabe ist heute die Multiplikation von 158 mal 218. Das ist schwierig. Deshalb schauen wir uns die einzelnen Ziffern zunächst an“, erläutert Christian Tegethoff die Übung. Am Ende – nach den einzelnen Rechenschritten an der Tafel – kommt natürlich die Auflösung. Es ist die Zahl „34.444“. Tegethoff: „Jetzt weißt Du, wie es geht. Tschau und mach es gut“, winkt der Pädagoge noch schnell in die Kamera.

„Erklärvideos“ begeistern

Diese mehr als 30 Erklärvideos, von den Lehrern selbst gedreht und geschnitten, sind richtig klasse – und kommen bei den Kindern und Eltern bestens an. Der 46-jährige Schulleiter Ingo Kortmann, Familienvater von drei Kindern (4, 8 und 10), setzt sich schon seit Ende 2019 mit den Kollegen für das neue TV-Projekt ein. „Erfolgreiches Lernen in der Grundschule braucht neben anderen begünstigenden Faktoren vor allem zwei Bedingungen, damit es gelingt: eine tragfähige Beziehungsebene zwischen Kind und Lehrkraft sowie permanentes, fachlich fundiertes Feedback zum individuellen Lernprozess. Beides macht den Präsenzunterricht wesentlich aus – und ist so ungemein wichtig!“ Beides sei beim Lernen auf Distanz aber nun nicht gegeben.

Digitale Lernangebote

Kortmann: „Digitale Lernangebote sind daher für uns eine weitere Facette des multimedial geprägten Unterrichts.“ Aus praktischen Gründen seien digitale Kanäle momentan natürlich sehr hilfreich und wertvoll.

Daneben bekommen alle Kinder noch tägliche Hausaufgaben, die sie sich als Sammlung alle zwei Wochen (in einem Umschlag verpackt) direkt vor Ort abholen – und nach Erledigung auch wieder abgeben.

Übrigens: Der schuleigene Internet-Fernsehsender „Linden-TV“ soll später von den Kindern inhaltlich selbst bedient werden – zum Beispiel mit Reportagen.

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