Vereine befürchten Ausfallzahlungen bei Festabsagen – Planungen für September
Schützen warten auf klare Regelung

Kreis Höxter (WB). Großveranstaltungen sind in Nordrhein-Westfalen bis zum 31. August verboten. Das schreibt die Corona-Schutzverordnung des Landes vor. Was aber eine Großveranstaltung ist, darüber hüllt sich das NRW-Gesundheitsministerium weiter in Schweigen. Ein Problem für die zahlreichen Schützenvereine und Bruderschaften, so wie auch für viele andere Vereine aus dem Kreis, die in diesem Jahr ein Fest geplant hatten, ist die eigenständige Absage von Veranstaltungen. „Wir haben natürlich Sorge, dass vertragliche Forderungen von Getränkelieferanten oder Bands auf uns zukommen, wenn wir ein Schützenfest von Vereinsseite absagen“, erklärt Stefan Rüther, seit einigen Monaten neuer Bezirksbundesmeister und für fast 50 Schützenvereine und Bruderschaften im Nordkreis Höxter und im lippischen Lügde zuständig. „Wir warten auf eine klare Regelung vom Land. Zur Zeit hängen wir in der Luft und brauchen dringend Planungssicherheit“, sagt Rüther angesichts näher rückender Termine. Er erwartet entweder eine Absage aller Veranstaltungen oder klare Vorgaben, welche Hygienerichtlinien bei einer Veranstaltung eingehalten werden müssten. Dann könnte jeder Verein für sich selbst sehen, ob solche Planungen umsetzbar seien, so Rüther.

Mittwoch, 29.04.2020, 23:49 Uhr aktualisiert: 30.04.2020, 05:02 Uhr
Ein Schützenfest mit Mund-Nase-Schutz kann sich Brudermeister Björn List aus Lüchtringen nicht vorstellen. Die Lüchtringer haben sowohl ihr Schützenfest, als auch das Bezirksschützenfest abgesagt. Nachholtermine sind 2022. Foto: Ralf Brakemeier
Ein Schützenfest mit Mund-Nase-Schutz kann sich Brudermeister Björn List aus Lüchtringen nicht vorstellen. Die Lüchtringer haben sowohl ihr Schützenfest, als auch das Bezirksschützenfest abgesagt. Nachholtermine sind 2022. Foto: Ralf Brakemeier

Stadt wartet auf Weisung

So sieht es auch Sebastian Vogt, Pressesprecher der Stadt Höxter: „Wir kennen auch nur die schwammige Formulierung von der ‚Großveranstaltung‘. Eine grundsätzliche Weisung müsste vom Gesundheitsministerium des Landes kommen. Die gibt es bisher aber nicht.“ Der Stadt sei auch noch kein klarer Zeitplan bekannt. „Die Städte im Kreis warten ein wenig auf das Treffen der Bundeskanzlerin mit den Länderchefs in dieser Woche. Wir hoffen dort auf eine Entscheidung. Alle brauchen Planungssicherheit. Das Land muss eine Klarstellung herbeiführen“, sagt Vogt. Zahlreiche Schützenfeste, unter anderem auch das Bezirksschützenfest, das mit Hunderten Schützen und Musikern sowie zahlreichen Besuchern in diesem Jahr in Lüchtringen gefeiert werden sollte, wurden bereits abgesagt.

Schützen schützen Bürger

Björn List ist Brudermeister in Lüchtringen: „Wir haben uns nun für das Bezirksschützenfest 2022 beworben und wollen unser diesjähriges Konzept dann umsetzen.“ List kann sich ein Schützenfest mit Nase-Mund-Schutz nicht vorstellen. Feiern müsse nicht nur erlaubt sein, die Menschen müssten auch Lust haben zu feiern, so List. Für die Zukunft sieht er neue, höhere Hygienestandards auf Volksfeste zukommen. „So wie es Höxters Kommandeur Thomas Wiesemann schon gesagt hat, beim Schützenverein gehört das Schützen der Bürger natürlich dazu“, sagte Björn List gestern im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT.

Schwieriger Start

Für Stefan Rüther belastet die Corona-Krise sein erstes Jahr im Amt als Bezirksbundesmeister. „Das habe ich mir natürlich anders vorgestellt“, gesteht der 32-jährige Rolfzener. Schon im Alter von zwölf Jahren hat er mit dem Schießsport begonnen, wurde 2006 Bezirksprinz im Bezirksverband Höxter. „Das Interesse am Schützenwesen war schon von Kindesbeinen an vorhanden, da mein Vater damals Oberst der Schützenbruderschaft Rolfzen war“, erinnert sich Stefan Rüther, der später als Jungschützenmeister und Schriftführer der St. Georg Schützebruderschaft Rolfzen tätig war. Im Dachverband hatte Rüther zunächst fünf Jahre das Amt des Bezirksjungschützenmeisters und später, ebenfalls fünf Jahre, das des stellvertretenden Bezirksgeschäftsführers inne, bevor er 2020 in die neue Leitungsfunktion aufstieg. Auch die Mitgliedschaft im Diözesanjungschützenvorstand und seine Zeit als Schützenkönig in Rolfzen 2018 belegen, dass Stefan Rüther Schütze mit Leib und Seele ist.

„Rechnen mit Einbußen“

Umso mehr macht ihm die Corona-Krise auch für seine Vereine und Bruderschaften Sorge: „Wir rechnen mit enormen Einbußen, die Schützenfeste tragen natürlich auch zur Finanzierung des Vereinslebens bei.“ Insgesamt litten sowohl die Vereine, als auch der Verband darunter, dass zu wenige Infos von den zuständigen Behörden kämen. „Es kann sein, dass noch Schützenfeste in diesem Jahr stattfinden. Manche Vereine tragen sich mit dem Gedanken, die Feste in den September zu verschieben“, weiß Rüther aus internen Gesprächen.

Sein Amtsvorgänger Georg Dressler, Oberst in Beverungen und mehr als 30 Jahre Bezirksbundesmeister, unterstützt Rüther in diesen schwierigen Tagen und Wochen mit Rat und Tat. „Die Hilfe von so einem erfahrenen Schützen, der ja auch noch im Tagesgeschehen ist, kann ich gut gebrauchen“, ist Rüther froh. Es gebe einiges zu klären mit den Mitgliedsvereinen. „Wir versuchen zu helfen“, sagt Stefan Rüther, der die Schützenfeste im Kreis Höxter aus vielen Gründen vermisst: „Als Neuling in meinem Amt wäre es natürlich schön gewesen, bei den Festen Gespräche zu führen und Kontakte zu knüpfen. Das findet jetzt alles über das Telefon statt“.

Schnelle Entscheidung

So hoffen alle Verantwortlichen auf eine schnelle Weisung des Landes NRW, die Vorgaben macht, was Großveranstaltungen sind und wie gegebenenfalls kleinere Feste unter Auflagen stattfinden könnten. Was nach dem 31. August kommt und ob im kommenden Jahr Schützenfeste und andere Vereinsveranstaltungen wie gewohnt durchgeführt werden können, steht aber noch in den Sternen. Das gewohnte Leben in den Dörfern und Städten des Kreises, zu dem eben auch die Schützenfeste gehören, wird sicher nicht nur Bezirksbundesmeister Stefan Rüther vermissen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7389958?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2851055%2F
Früherer NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement tot
Wolfgang Clement starb am Sonntagmorgen in Bonn. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker