Angehende Landschaftsökologen untersuchen die Insektenvielfalt in der Egge
Was krabbelt denn da?

Steinheim (WB/mai). Wie ist es um die Artenvielfalt im heimischen Wald bestellt? Was in der nördlichen Egge kreucht und fleucht, untersuchen derzeit Forscher der Universität Münster im Forstrevier Kempen von Förster Andreas Bathe. Sie stellen im 1500 Hektar großen Waldnaturschutzgebiet an 24 Standorten Insektenfallen auf, um einen Einblick in die Lebenswelt der Käfer, Spinnen, Wespen, Fliegen, Wanzen und Nachtfalter zu erhalten.

Donnerstag, 30.07.2020, 23:36 Uhr aktualisiert: 01.08.2020, 14:08 Uhr
Forscher bei der Arbeit: Mit Hilfe von überdimensionalen Keschern und Lichtfallen werden im Eggewald Insekten eingefangen und anschließend gezählt. Foto: Jan Preller
Forscher bei der Arbeit: Mit Hilfe von überdimensionalen Keschern und Lichtfallen werden im Eggewald Insekten eingefangen und anschließend gezählt. Foto: Jan Preller

Alle zwei Wochen sammeln die Landschaftsökologie-Studenten von Professor Christoph Scherber, die von Förster Andreas Bathe (Forstamt Hochstift) unterstützt werden, die gefangenen Insekten auf und werten sie im Labor der Universität aus. „Einige Arten kann man auch vor Ort bestimmen, bei anderen sind die Unterschiede so minimal, dass eine exakte Bestimmung nur mit Hilfe eines Binokulars möglich ist“, erläutert Michael Elmer (Team Waldnaturschutz), der das Projekt für Wald und Holz NRW betreut. Nachtaktive Schmetterlinge würden vor Ort mit Hilfe von Lichtfallen untersucht. Außerdem werden die gefangenen Insekten gezählt. Schließlich werden die klimatischen Parameter ermittelt.

Nagelfleck

„Dabei haben wir beispielsweise festgestellt, dass der Nagelfleck, eine typische Art für Buchenwälder, sich in der nördlichen Egge offenbar wohl fühlt. Auch wenn diese Art nicht vom Aussterben bedroht ist, war das ein sehr schönes Ergebnis“, berichtet Michael Elmer von ersten Ergebnissen der im Mai gestarteten Untersuchungen, die bis 2021 fortgeführt werden sollen. Eine vom Aussterben bedrohte Art ist der kardinalrote Schnellkäfer, der den Studenten gleich an einer Handvoll Standorten in die Falle gegangen ist. „Wir wussten zwar, dass er in der Egge in den Naturwaldzellen vorkommt, aber auch das ist ein erfreuliches Ergebnis“, sagt Elmer. Der Käfer brauche Baumhöhlen in dicken alten Bäumen, in denen sich seine Larven innerhalb mehrer Jahre entwickeln können. „Während man über Käfervorkommen in unseren Wäldern bereits einiges weiß, gibt es kaum Untersuchungen, die alle Insektenarten erfassen“, beschreibt der Fachmann, den Hintergrund des auf zwei Jahre angelegten Forschungsprojektes. Gerade weil der Artenschutz im Allgemeinen und die schwindende Vielfalt der Insekten im Besonderen gegenwärtig intensiv diskutiert würden, sei es an der Zeit, auch in heimischen Wäldern Datenmaterial zu sammeln.

Bessere Bedingungen

Ziel des Projektes ist es, herauszufinden, welche Bedingungen die Insektenvielfalt im Wald erhalten und erhöhen. Die Forstleute von Wald und Holz NRW erhoffen sich Erkenntnisse darüber, wie sie die Biodiversität im Rahmen der naturnahen Bewirtschaftung fördern können. „Dass Totholz eine wichtige Rolle als Lebensraum für Insekten spielt, ist natürlich bekannt und entsprechend wird im Staatswald im Rahmen des Alt- und Biotopholzkonzeptes ‚Xylobius‘ auch gewirtschaftet, um den Lebensraum für Insekten, Pilze, Vögel und Flechten zu vergrößern“, erläutert Elmer. Jetzt gehe es auch um eine Erfolgskontrolle und Erkenntnisse darüber, in welcher Weise das Alt- und Totholz im Wald angereichert werden sollte, damit es einen optimalen Effekt für die Artenvielfalt erzielen kann. Aber auch die Rolle von blühenden Pflanzen, Schatten und Licht soll erhellt werden.

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