Gemeinwohl-Bilanz der ersten Kommune Deutschlands liegt vor – Christian Felber übernimmt Auszeichnung
Steinheim wird Vorbild für alle Städte

Steinheim (WB). Er ist Initiator und Motor der „Gemeinwohl-Ökonomie“: Christian Felber, Hochschuldozent und Autor mehrerer Bestseller, ist für seine besonderen Verdienste und Ideen von der Stadt Steinheim vor drei Jahren mit der Reineccius-Medaille als wahrer „Querdenker und Pionier“ ausgezeichnet worden. Jetzt kommt Felber zurück an die Emmer – dieses Mal aber als Laudator.

Freitag, 21.08.2020, 06:30 Uhr aktualisiert: 21.08.2020, 06:40 Uhr
Vor drei Jahren erhielt Christian Felber von Bürgermeister Carsten Torke (re.) die Reineccius-Medaille. Jetzt kommt der „Querdenker“ Felber zurück und zeichnet die Emmerstadt selbst aus. Foto: Heinz Wilfert
Vor drei Jahren erhielt Christian Felber von Bürgermeister Carsten Torke (re.) die Reineccius-Medaille. Jetzt kommt der „Querdenker“ Felber zurück und zeichnet die Emmerstadt selbst aus. Foto: Heinz Wilfert

Er hat die ehrenvolle Aufgabe, die Stadt Steinheim auszuzeichnen. Es geht um die erste Zertifizierung als Kommune unter dem Aspekt der „Gemeinwohl-Ökonomie“. Mit ihrem Vorhaben hat die Emmer­stadt in den vergangenen Monaten nämlich eine echte Pionierleistung erbracht. Es ist ein Leuchtturmprojekt. Als erste Stadt in Deutschland und damit auch als erste Kommune in Nordrhein-Westfalen hat sie eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt. Zunächst erfolgte die Zustimmung auf politischer Ebene – der Rat der Stadt stimmte gerne zu.

„Mit einem Team der Fachhochschule Bielefeld (unter Anleitung von Prof. Dr. Oliver Bierhoff) wurde dann Anfang 2019 das Bilanzierungsprojekt gestartet“, so Sprecherin Daniela von Pfuhlstein. Nun liegt die erste umfassende Gemeinwohl-Bilanz vor. Für alle Beteiligten sei dieser Bilanzierungsprozess „eine lohnende Herausforderung, bei dem alle Mitmacher viel gelernt haben.“

Städtische Arbeitsweise hinterfragt

Zudem wurden Maßstäbe und Kriterien, die ursprünglich für Unternehmen entwickelt wurden, auch für eine städtische Arbeitsweise angewandt, hinterfragt und adaptiert. Daniela von Pfuhlstein: „Mit der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) hat Steinheim ein Modell gefunden, das die Bedürfnisse aktueller und zukünftiger Entwicklungen gemeinsam abdeckt. Es geht um eine lebenswerte Welt, in der nachhaltiges Wirtschaften in einer intakten Natur und eine hohe Lebensqualität aller Menschen das erklärte Ziel sind“.

Dazu erklärt Bürgermeister Carsten Torke im Vorfeld der Feierstunde: „Ökonomisches Handeln, jegliche Handlung, erzeugt eine Wirkung. Diese unter dem Aspekt der Gemeinwohlorientierung zu betrachten und das eigene Handeln darauf hin zu überprüfen, ist ein erster, wichtiger Schritt. Es braucht aber noch viele Schritte und es braucht noch viel mehr Öffentlichkeit.“

Festakt in der Stadthalle

Die Zertifizierung der Stadt Steinheim erfolgt im Rahmen eines Festaktes am Mittwoch, 2. September, in der Stadthalle am Schützenplatz. Zahlreiche Vertreter lokaler, regionaler und überregionaler Politik sowie aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft werden an der Verleihung teilnehmen. Unter der Moderation von Cornelia Hartweg richten zunächst Bürgermeister Carsten Torke und Landrat Friedhelm Spieker ihre Grußworte an die Gäste. Die Veranstaltung findet unter strengen Corona-Auflagen statt, die Teilnahme sei nur nach vorheriger Anmeldung möglich und der Zugang begrenzt.

Ziel: Gemeinwohl-Region

Auch außerhalb der Steinheimer Verwaltung wird der Gemeinwohlökonomie-Gedanke bereits weiterverfolgt: So ist in Steinheim ist die erste „Gemeinwohlökonomie-Stiftung-NRW“ zuhause. Zwei weitere Kommunen im Kreis erstellen aktuell ebenfalls eine Bilanz. Carsten Torke: „Ziel ist eine flächendeckende ­Bilanzierung und die erste ‚Gemeinwohl-Region‘ Deutschlands.“

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