Abriss von drei maroden Gebäuden im Rahmen des IKEK-Prozesses in Steinheim-Ottenhausen
Neue Freifläche wird zur „grünen Lunge“

Steinheim -

Ideen und Wünsche gab es bereits seit langer Zeit, das Wohnquartier „Marien-/Kesselstraße“ neu zu gestalten und aufzuwerten. Im IKEK-Prozess gewann die Idee eine neue Dynamik, weil sie als wichtiges Projekt für die Dorfentwicklung erkannt wurde. Bürgermeister Carsten Torke zeigte sich erfreut, dass zwischen 2018 und 2020 die Kaufverhandlungen mit drei Eigentümern erfolgreich geführt wurden, so dass jetzt der Abriss von drei Schrottimmobilien beginnen konnte.

Donnerstag, 26.11.2020, 21:12 Uhr aktualisiert: 26.11.2020, 21:20 Uhr
Diese drei Immobilen in der Marien-/Kesselstraße in Ottenhausen werden abgerissen, um eine kleine „grüne Lunge“ im Ort zu schaffen und Anwohnern die Möglichkeit zu geben, Flächen für ihre eigenen Grundstücke zu erwerben (von links): Stephan Lücking, Alexander Rauer, Bürgermeister Carsten Torke, Heimatvereinsvorsitzender Ferdinand Lüking, Heribert Gensicki und Anne Wochnik.
Diese drei Immobilen in der Marien-/Kesselstraße in Ottenhausen werden abgerissen, um eine kleine „grüne Lunge“ im Ort zu schaffen und Anwohnern die Möglichkeit zu geben, Flächen für ihre eigenen Grundstücke zu erwerben (von links): Stephan Lücking, Alexander Rauer, Bürgermeister Carsten Torke, Heimatvereinsvorsitzender Ferdinand Lüking, Heribert Gensicki und Anne Wochnik. Foto: Heinz Wilfert

 

IKEK steht dabei für das „Integrierte kommunale Entwicklungskonzept“. Torke dankte allen Akteuren in Ottenhausen für ihre Unterstützung – nicht nur den ehemaligen Eigentümern, dem Heimatverein und der Dorfbevölkerung, die das Vorhaben in großer Einmütigkeit priorisiert haben. „Der Abriss führt zu einem großen Gewinn für die verdichtete Ortskernlage. Er bringt dem gesamten Quartier mehr Attraktivität, weil man durchatmen kann“, gab sich Torke überzeugt, dass dieser Bereich das gesellschaftliche Miteinander positiv stärken werde.

Der Bürgermeister dankte auch dem Steinheimer Demografiebeauftragten Alexander Rauer und Anne Wochnik vom Bauamt, „die dicke Bretter bohren mussten, bis die Verkaufsverhandlungen erfolgreich zum Abschluss geführt waren“.

Entrümpelung

Bei der Entrümpelung der Gebäude hatten Helfer aus dem Dorf gute Vorarbeit geleistet. Besonders geachtet wurde auf die Umsiedlung von Fledermäusen, für deren Umzug extra spezielle Kästen aufgehängt wurden.

Heribert Gensicki aus Ottenhausen lobte die Vitalisierung des Quartiers in seinem Heimatort und bedankte sich stellvertretend beim Bürgermeister. Mit ein wenig Wehmut betrachtete Stephan Lücking vom Heimatverein den Abriss der drei Gebäude im historischen Zusammenhang: „Hier geht leider ein Stück Dorfgeschichte zu Ende. Aber es beginnt auch eine neue Geschichte.“

Wieder bebaut wird die Freifläche (rund 900 Quadratmeter) übrigens nicht. Sie soll künftig als „grüne Lunge“ für Ottenhausen dienen. Das wird auch durch das Kaufinteresse von Anwohnern geschehen, die dadurch mehr Grün für ihre Immobilie – etwa durch die Anlage eines Bauerngartens – schaffen können. Die Kosten der Maßnahme belaufen sich auf 106.000 Euro für Erwerb, Abriss, das Artenschutzgutachten und die Neuvermessung. Die Förderung beläuft sich laut Stadt auf 30.000 Euro.

Ottenhausen verfügt bei der Dorfentwicklung über große Erfahrungen, denn die Dorfbevölkerung hat sich zwischen 1990 und 2000 der alten Dorfsubstanz im Dorfkern in besonderer Weise gestaltet. „Es darf nicht alles abgerissen werden, sonst haben wir kein Dorf mehr“, nennt Heribert Gensicki als grundsätzliches Ziel. 17 Gebäude und Gebäudeteile wurden deshalb umgestaltet, umgenutzt und dem Dorfensemble angepasst. Den Beteiligten sei klar geworden, dass sich der demografische Alterungsprozess nicht aufhalten lasse, dass es künftig zu Leerständen und Umnutzungen kommen werde. Dieser Prozess, in den sich auch junge Leute eingebracht haben, setzte seit 2014 verstärkt ein, was auch zu den Leerständen im Quartier „Kes-sel-/Marienstraße“ führten.

Auf eine Belebung bestand wenig Hoffnung, so dass der Abriss zwangsläufig war, hieß es. 2014 kam es zu einem Ideenkonzept von Heimatverein Ottenhausen und Stadt Steinheim. Der Grundsatz „Umnutzung geht vor Neubau“ war nicht für jede Bausubstanz aufrecht zu erhalten. Der IKEK- Prozess brachte einen zusätzlichen Auftrieb in dem Dorfgestaltungsprozess. „Dank der seit 2019 möglichen Förderung von Abrissvorhaben zur Vitalisierung der Ortskerne wurde mit den Eigentümern und Verantwortlichen im Dorf eine Lösung erarbeitet, die der Dorfbegrünung, vor allem aber der Lebensqualität der Bewohner gerecht wird,“ ist der Heimatvereinsvorsitzende Ferdinand Lüking ­sicher. Im letzten Jahr habe eine junge Familie ein neues Wohnhaus errichtet.

Entwicklungsziele

Die Zahlen würden den Entwicklungszielen und der Vitalisierung in Ottenhausen recht geben. In den vergangenen fünf Jahren seien dort zehn junge Familien mit 14 Kindern in das frühere Bundesgolddorf gezogen oder sind zurück gekehrt. „Das gibt Hoffnung, dass Ottenhausen nicht aussterben wird“, blickt Gensicki zuversichtlich in die Zukunft.

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