Corona-Pandemie stellt Auszubildende vor große Herausforderungen – Steinheimer Firma „Struck-Leuchten“ setzt auf Teamarbeit
„Die selbstständige Arbeit wird gefördert“

Steinheim/Nieheim -

Wie beeinflusst die Pandemie die Ausbildung von jungen Leuten in den heimischen Betrieben? Und wie schätzt die Jugend selbst die angespannte Situation ein?

Donnerstag, 28.01.2021, 15:29 Uhr
Corona-Pandemie stellt Auszubildende vor große Herausforderungen – Steinheimer Firma „Struck-Leuchten“ setzt auf Teamarbeit: „Die selbstständige Ar...

Stellvertretend für die vielen Ausbildungsbetriebe in der Region hat das WESTFALEN-BLATT mit den Nachwuchskräften des mittelständischen Familienunternehmens „Struck-Leuchten“ in Steinheim gesprochen. „Es ist durch Corona vieles anders als zu Beginn meiner Ausbildung“, sagt zum Beispiel Robin Wessel.

Der 22-Jährige absolviert eine Ausbildung zum „Kaufmann im Groß- und Außenhandel“. In diesem Sommer steht nach drei Jahren der Abschluss bevor. Auf die Zwischenprüfung – wie üblich im zweiten Lehrjahr – musste er verzichten. Die sei wegen Corona ausgefallen. Robin Wessel hat dabei noch Glück. Er gehört laut Firmenleitung zu den Besten seines Jahrgangs und bräuchte sich keine Sorgen zu machen, dass er den Unterrichtsstoff am Berufskolleg in Höxter trotz des vielen Distanzunterrichts am Ende meistern wird. Sein Chef, Markus Struck, ist zuversichtlich, dass alles klappt. Sorgen, eine Beschäftigung nach der Ausbildungszeit zu bekommen, braucht sich der angehende Kaufmann nicht zu machen. „Wir werden ihn gerne übernehmen“, betont Struck.

Erstmalig Kurzarbeit

Alle der 80 Mitarbeiter in den ganz unterschiedlichen Arbeitsbereichen des Unternehmens haben längst die Folgen des Corona-Virus zu spüren bekommen. Denn viele Kunden, vor allem aus dem Messebereich und der Gastronomie, leiden unter der Pandemie. So müssen sie immer wieder – wie gerade im Lockdown – ihre gastronomischen Betriebe schließen. Damit bleiben Gäste fern und der größte Anteil der Einnahmen fällt weg. Für den Firmenchef Markus Struck und seine Ehefrau Cornelia Struck (Assistenz der Geschäftsleitung) ist die Pandemie eine große Herausforderung, wie auch für die Belegschaft.

„Zum ersten Mal in unserer Firmengeschichte seit der Gründung in 1954 mussten wir Kurzarbeit einführen. Das hat uns alle im Frühjahr 2020 kalt erwischt. Man hoffte ja zunächst, dass alles nach ein paar Wochen erledigt und die Gefahr durch den Virus gebannt ist. Leider hat es sich ganz anders entwickelt“, so Markus Struck. Die Kurzarbeit betrifft alle – bis auf die Auszubildenden, die davon ausgenommen und weiterhin in Vollzeit beschäftigt sind.

Aber bei ihnen rückt nun zwangsläufig das selbstständige Arbeiten immer mehr in den Fokus. Während viele der Kollegen daheim sind, übernehmen die Azubis wichtige Aufgaben im Betrieb und sorgen mit dafür, dass die Produktion und die Entwicklungsarbeit (Grafik etc.) weiter gewährleistet ist. Struck: „Sie sind eine enorme Stütze, ohne sie geht es nicht voran!“

Der Nieheimer Steffen Ullrich ist im dritten Lehrjahr (Mediengestalter/Digital und Print) und besucht das Berufskolleg in Bielefeld. Der Blockunterricht erfolgte zuletzt immer auf der digitalen Ebene, per Internet und „Schalte“ mit den Lehrern und Mitschülern. Ausbilderin Martina Luedecke sagte gestern dem WESTFALEN-BLATT: „Steffen kennt sich bereits gut in der digitalen Welt aus, ist motiviert und übernimmt auch einige Arbeiten von uns, wenn es notwendig ist. Der Distanzunterricht ist für ihn und seine Mitschüler wohl weniger ein Problem, sie können sich gut organisieren.“

Dadurch, dass der angehende Mediengestalter Ullrich immer vor Ort im Betrieb sei (bis auf den Blockunterricht am Berufskolleg), habe er auch Aufgaben übernehmen dürfen, an die er sonst bestimmt nicht so schnell herangekommen wäre. Durch die veränderten Bedingungen wegen Corona gibt es neue Ansätze in den Arbeitsabläufen. Steffen Ullrich sieht es positiv: „Ich bearbeite noch mehr Aufgabenfelder. Das bringt mich fachlich weit nach vorn. Die Selbstständigkeit wird dadurch noch mehr gefördert. Ich finde das gut, denn oft wird man doch in der Ausbildung an die Hand genommen – das weiß ich von anderen Schulkollegen. Es fühlt sich für mich jetzt schon wie ein zukünftiger Berufsalltag an – und weniger wie eine Ausbildung.“ Die Vermittlung des Fachwissens durch die Ausbilder – die komme dabei aber trotz Corona nicht zu kurz.

„EQ“-Maßnahme

Ihren „Traumberuf“ hat die 17-jährige Chiara Giesbecht aus Steinheim bereits gefunden. Sie befindet sich in der betrieblichen Einstiegsqualifizierung – kurz „EQ“ genannt. Die „EQ“ beinhaltet ein Langzeitpraktikum (mindestes sechs bis maximal zwölf Monate), wobei eine Übernahme in eine Ausbildung angestrebt wird. Bei der ehemaligen Realschülerin dauert die Maßnahme rund zehn Monate – quasi als Überbrückung

Dazu Cornelia Struck: „Es ist für die jungen Leute eine gute Chance, direkt in den Betrieb zu kommen. Ansonsten würden sie auf dem Markt bleiben.“ Wegen Corona und der schwierigen Auftragslage habe sich 2020 damit für die junge Frau eine echte Chance ergeben. Und: Diese „EQ“-Zeit werde bei einer Übernahme angerechnet. Man könne gleich in das zweite Ausbildungsjahr einsteigen. Einen Anstellungsvertrag für die Zeit nach „EQ“ hat sie schon in der Tasche. Giesbecht wird im Herbst 2021 bei „Struck-Leuchten“ ihre Ausbildung als „Medientechnologin (Siebdruck)“ fortsetzen und – wie schon jetzt – das Berufskolleg in Bielefeld besuchen. Vor den Ferien lief das oft nur digital ab. Chiara Giesbecht: „Da spart man sich zwar die lange Anfahrt. Aber der Austausch mit den anderen in der Schule, der ist und bleibt mir wichtig!“

Sie hoffe wie alle anderen Kollegen, dass die Pandemie bald überwunden sein wird. Markus Struck: „Wir gehen mit Optimismus in die neue Saison und sind bereit, wieder voll durchzustarten!“

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