Aktionstag der Waldjugend Steinheim „Rettet unsere Waldvögel“ – Abfallsammeln auf Distanz
Jedes Stück Müll weniger hilft der Natur

Steinheim -

Dass die Menschen der Natur nicht nur Gutes tun, ist vielen Kindern aus der Schule bekannt. Denjenigen, die sich in der Steinheimer Waldjugend engagieren, auch aus den gemeinsamen Gruppenstunden. Welches Ausmaß der Eingriff der Menschen in die Natur tatsächlich haben kann, konnten sie nun beim zweiten Aktionstag des Projekts „Rettet unsere Waldvögel!“ hautnah erfahren.

Mittwoch, 21.04.2021, 19:32 Uhr aktualisiert: 22.04.2021, 09:38 Uhr
Viel Freude am Naturschutz: Die Mitglieder der Steinheimer Waldjugend waren in den vergangenen Wochen in und um Steinheim unterwegs und haben Müll gesammelt, um den heimischen Vögeln einen sichereren Lebensraum zu gewähren.
Viel Freude am Naturschutz: Die Mitglieder der Steinheimer Waldjugend waren in den vergangenen Wochen in und um Steinheim unterwegs und haben Müll gesammelt, um den heimischen Vögeln einen sichereren Lebensraum zu gewähren. Foto: Privat

„Nachdem wir unseren ersten Aktionstag noch alle gemeinsam im Wald durchführen konnten, haben wir uns dieses Mal für eine Variante entschieden, die auf Distanz funktioniert“, erläutern die Organisatoren der Steinheimer Ortsgruppe der Deutschen Waldjugend. Während beim letzten Mal herausgefunden wurde, welche Vögel im heimischen Wald leben, sollte nun aktiv ihr Lebensraum verbessert werden.

Dafür konnte sich jedes Mitglied eine Tüte, Handschuhe und seine Familie schnappen und beim nächsten Spaziergang alles, was an Müll zu finden war, einsammeln. „Wir waren wirklich erschüttert, wie schnell unsere Tüte voll war, obwohl wir uns eigentlich noch gar nicht weit von zu Hause entfernt hatten“, erzählte etwa Hannes, der mit Mama Kirsten Volmer unterwegs war.

Guckt man sich einmal im Wald um, findet man überall Plastik, Papier und anderen Abfall, der den Vögeln, aber auch allen anderen Tieren, zu schaffen macht. Wer sich ein Vogelnest anschaut, entdeckt häufig kleine Schnüre oder Bonbonpapiere, die die Vögel als Baumaterial benutzt haben, weil sie es auf der Straße gefunden haben. Im Nest verbautes Plastik kann schlimme Folgen für die Jungtiere haben: Regenwasser, das normalerweise abfließt, kann sich leicht im Nest anstauen und die Vogeljungen erfrieren oder ertrinken. Auch die erwachsenen Vögel können sich in Schnüren und Plastiktüten verheddern. Ein achtlos weggeworfenes Taschentuch verbleibt laut Waldjugend bis zu fünf Jahre in der Natur, eine leere Coladose rund 500 Jahre und eine Glasflasche sogar bis zu 50.000 Jahre.

Kommentar von Ralf Brakemeier

Gerade in Corona-Zeiten häufen sich weggeworfene Tüten und Burger-Verpackungen entlang der Zufahrtsstraßen zu den bekannten amerikanischen Fast-Food-Ketten. Das Bild von (zumeist jungen Leuten), die gemeinsam im Auto schmausen und anschließend die Reste aus dem Seitenfenster „entsorgen“ drängt sich auf. Wer an dieser Stelle sagt: „Das muss doch nicht sein“, ist keineswegs ein Spießer oder uncool.Ein Spaziergang im Wald, ein Picknick im Park, Sonnenbaden am Strand – mangels Alternativen stehen solche Freizeitbeschäftigungen hoch im Kurs. Aber bitte: Den Müll von der Marschverpflegung, die Verpackung vom Energie-Drink oder die Reste der Grillaktion kann doch jeder wieder mit nach Hause nehmen und dort fachgerecht entsorgen.Dass viele, vor allem auch junge, Menschen sich für die Umwelt engagieren und in den Dörfern und Städten des Kreises Höxter achtlos weggeworfene Abfälle entsorgen, ist lobenswert. Dass hierbei säckeweise Müll in „Feld und Flur“ gefunden wird, aber eigentlich nur traurig.

...

„Darüber machen sich die Menschen oft leider keine Gedanken“, sagt Helmut Struck, Leiter der örtlichen Waldjugendgruppe. Manche Abfälle zersetzen sich in schädliche Stoffe, die das Ökosystem auf den Kopf stellen und ganze Nahrungsketten beeinträchtigen können. Dass das nicht gut sein kann, ist auch für die Jüngsten gut nachvollziehbar, sodass sich schnell viele engagierte Mitglieder der Waldjugend ganz selbstständig auf Müllsuche begaben. „Es hat mir riesig Spaß gemacht“, berichtete Nils Floren nach seiner Runde im Steinheimer Wald. Flaschen, Masken, Verpackungen und sogar Kleidungsstücke fanden sich nach getaner Arbeit in den Tüten der fleißigen Müllsammler.

Den Mitgliedern liegt eines besonders am Herzen: „Wir und auch die Waldvögel würden uns riesig freuen, wenn noch viel mehr Steinheimer auf ihren nächsten Spaziergängen einen kleinen Beutel dabei haben und aufheben, was ihnen vor die Nase kommt. Jedes Stück Müll weniger in der Natur hilft!“

Das Projekt „Rettet unsere Waldvögel!“ wird bundesweit von der Deutschen Waldjugend durchgeführt und gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Ziel ist es, Umweltbewusstsein und nachhaltiges Verhalten der Gesellschaft sowie nachhaltige Biodiversität und Landschaftsqualität zu fördern. In der Steinheimer Ortsgruppe sollen, sobald die Gruppenstunden wieder anfangen, Nistkästen und Futterstellen gebaut und aufgestellt werden, um die heimische Vogelwelt zu unterstützen.

 

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7928492?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2851055%2F
Neue bundesweite Einreise-Regeln
Ein Schild mit der Aufschrift "Bundesrepublik Deutschland" steht an der deutsch-tschechischen Grenze.
Nachrichten-Ticker