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Di., 02.09.2014

Start Anfang Oktober mit 150 Personen – Erweiterung auf 500 Plätze geplant – Kopten vermieten an Land NRW Alte Luftwaffenkaserne wird Flüchtlingsheim

Die Bundeswehr hat die Desenberg-Luftwaffenkaserne in Borgentreich in den Jahren 1992/93 aufgegeben. Nach diversen Umnutzungsplänen, die alle nicht umzusetzen waren, wurde die koptische Kirche Eigentümerin. Sie vermietet die Liegenschaft jetzt an das Land.

Die Bundeswehr hat die Desenberg-Luftwaffenkaserne in Borgentreich in den Jahren 1992/93 aufgegeben. Nach diversen Umnutzungsplänen, die alle nicht umzusetzen waren, wurde die koptische Kirche Eigentümerin. Sie vermietet die Liegenschaft jetzt an das Land. Foto: WB

Von Ulrich Schlottmann

Kreis Höxter/Borgentreich (WB). Die ehemalige Desenberg-Kaserne in Borgentreich wird Asylbewerbernotunterkunft. Das Land Nordrhein-Westfalen will den Betrieb dort schon Anfang Oktober aufnehmen. Das hat die zuständige Bezirksregierung Arnsberg  mitgeteilt. Über erste Planungen war der Borgentreicher Stadtrat bereits im Mai unterrichtet worden.

Die Notunterkunft für Flüchtlinge in der Desenberg-Kaserne soll nach Mitteilung der Bezirksregierung Arnsberg zunächst mit 150 Plätzen starten, später dann bis zu 500 Asylsuchenden für einen vorübergehenden Aufenthalt Platz bieten. Vorgesehen ist, dass die Flüchtlinge in der Regel jeweils nur einige Tage in Borgentreich bleiben, bis sie dann auf andere Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen verteilt werden.

Nach den Worten von Christoph Söbbeler, Pressesprecher der Bezirksregierung Arnsberg, ist eine Verweildauer von zehn bis 14 Tagen üblich. Nach der Erstaufnahme, die in Einrichtungen in Bielefeld und Dortmund erfolge, werde in dieser Zeit vor allem das verwaltungstechnische Aufnahmeverfahren durchgeführt. Außerdem müssten die Flüchtlinge mit dem Notwendigsten ausgestattet werden, bevor sie nach einen vorgegebenen Schlüssel auf die Unterkünfte in anderen Gemeinden des Landes verteilt würden. Bei voller Auslastung werde die Einrichtung in der Desenberg-Kaserne jährlich einen Durchsatz von deutlich mehr als 10.000 Personen haben, so Söbbeler.

Die unverändert hohe Zahl von Asylbewerbern zwinge die Landesregierung zum raschen Handeln, sagte der Pressesprecher dem WESTFALEN-BLATT. Durch die Nutzung der Desenberg-Kaserne könnten andere Aufnahmeeinrichtungen entlastet werden. Dort sei die Situation mittlerweile »sehr schwierig«. »Für uns war es wichtig, eine Einrichtung zu finden, die wir kurzfristig nutzen können«, so Söbbeler.

Sanierungsarbeiten

Die Desenberg-Kaserne bleibt nach den Worten des Pressesprechers im Besitz der koptischen Kirche. Das Land werde dort Mieter. Die notwendigen Sanierungs- und Renovierungsarbeiten müssten teilweise parallel zum anlaufenden Betrieb vorgenommen werden. So weit sie fortgeschritten seien, könnten jeweils die Kapazitäten erhöht werden. Kopten-Bischof Anba Damian aus Brenkhausen hatte bereits im Mai im Gespräch mit dem WB erklärt, die Kosten in Höhe von rund 700.000 Euro tragen zu wollen.

Borgentreichs Bürgermeister Rainer Rauch erklärt zu dem Vorhaben des Landes: »Die Stadt Borgentreich ist sich der gesamtstaatlichen Verantwortung im Hinblick auf die dramatische Zunahme der Flüchtlingszahlen bewusst und steht klar zum verfassungsrechtlich verbrieften Asylrecht.« Aus Sicht der Stadt müsse alles für die erforderliche Akzeptanz einer derartigen Einrichtung in der Bevölkerung unternommen werden, so der Bürgermeister. Das sei die Erkenntnis, die Mitglieder des Rates, des Kreistages und der Verwaltung am vergangenen Samstag beim Besuch vergleichbarer Einrichtungen in Schöppingen und Hemer gewonnen hätten.

Verstärkte Polizeipräsenz

Die personelle Ausstattung, auch mit Blick auf die polizeiliche Präsenz, müsse anfangs intensiviert werden. Eine besondere Bedeutung habe in diesem Zusammenhang die fachliche und soziale Betreuung der Flüchtlinge. Hier dürfe es an der Qualität keine Abstriche geben, fordert Rainer Rauch. Darüber hinaus gehe es um die Sicherheit der Menschen in der Einrichtung, aber auch um das subjektive Sicherheitsbedürfnis der Bürger in Borgentreich. »Ich erwarte, dass die Stadt Borgentreich dabei nicht allein gelassen wird«, so Rauch. Die Landesregierung sei aufgefordert, für Borgentreich – wie es in Schöppingen geschehen sei – eine umfassende polizeiliche Betreuung zu gewährleisten.

Wichtig ist für den Borgentreicher Bürgermeister auch, dass Arbeitsplätze, die im Zusammenhang mit der Einrichtung entstehen, aus Borgentreich und der nahen Region besetzt werden und örtliche Unternehmen bei der Versorgung und bei anfallenden Arbeiten berücksichtigt werden.

Weitere Flüchtlingsheime werden kurzfristig im Weberhaus in Nieheim und im alten Clemensheim in Bad Driburg vom Land eingerichtet.

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