Do., 10.12.2015

Fossilien-Funde aus Warburg gehören zu einem mehr als 200 Millionen Jahre alten Schwimmsaurier Forscher legen Saurierskelett frei

Der Fund wurde von der Bauchseite her freigelegt. Das Skelett wurde im vergangenen Jahr in einer Ausstellung im Naturkundemuseum Münster erstmals  präsentiert.

Der Fund wurde von der Bauchseite her freigelegt. Das Skelett wurde im vergangenen Jahr in einer Ausstellung im Naturkundemuseum Münster erstmals präsentiert. Foto: LWL/Fialla

Von Marius Thöne

Warburg (WB). Die vor zwei Jahren in einer Bonenburger Tongrube entdeckten fossilen Knochen  gehören  zu einem mindestens 200 Millionen Jahre alten Schwimmsaurier. Das haben Forschungen von Paläontologen des Naturkundemuseums  in Münster ergeben. Somit könnte es sich um den ältesten  fossilen Fund eines Plesiosauriers in Deutschland handeln.

Ein Schwaneyer Fossiliensammler hatte Mitte Juni 2013 in der Tongrube an der Bellingradstraße zwei Knochenreihen entdeckt und die Experten aus der Archäologie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) verständigt.

Schon damals war darüber spekuliert worden, dass es sich dabei um ein Skelett eines Fisch- oder Schwimmsauriers handeln könnte. Das LWL-Museum für Naturkunde entschloss sich im Sommer vor zwei Jahren zu einer Rettungsgrabung. Die Knochen wurden in einem großen Tonblock geborgen. So sollten weitere, eventuell noch im Boden verborgene Knochen, geschützt werden.

Im Nachhinein eine richtige Entscheidung: Nachdem ein Lastwagen den wertvollen und mit Kunstharz stabilisierten Fund nach Münster transportiert hatte, legten zwei Paläontologen den Fund aus dem Gesteinsblock monatelang frei. Zu Tage kam ein nahezu vollständiges Skelett eines Meeresreptils, das der Gruppe der Plesiosaurier, also den Schwimmsauriern zuzuordnen ist. »Diese Reptilgruppe ist verwandt mit den heute noch lebenden Echsen und Schlangen«, sagt der Paläontologe Detlef Grzegorczyk. Die ausgestorbenen Saurier hätten ab der Triaszeit bis zur oberen Kreidezeit in den Meeren gelebt. Der Körper des in Bonenburg gefundenen Sauriers sei stromlinienförmig gewesen und besaß vier Paddel, mit deren Hilfe er sich ähnlich wie ein Pinguin durch das Wasser bewegen konnte. Grzegorczyk spricht in dem jetzt erschienenen Buch »Archäologie in Westfalen-Lippe 2014« (324 Seiten, ISBN: 978-3-95741-040-5) von einem »Unterwasser-Flug«. Insbesondere sein hohes Alter mache das vorzeitliche Wesen interessant.

Das Fossil stamme mit großer Wahrscheinlichkeit aus Gesteinsschichten der obersten Trias (etwa 200 bis 235 Millionen Jahre alt). Bisher seien vollständig erhaltene Schwimmsaurierskelette eher in den Schichten des Unter-Jura (180 bis 200 Millionen Jahre alt) gefunden worden. Bei dem Dinosaurier aus Bonenburg könnte es sich also um den ältesten fossilen Fund eines Plesiosauriers in Deutschland handeln. Vor dem Hintergrund der genauen Alterseinordnung wird das Skelett derzeit am Institut für Geologie, Mineralogie und Paläontologie der Universität Bonn analysiert.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3678251?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2516019%2F