Fr., 20.07.2018

E-Autobauer sucht Standort für Werk in Deutschland SPD will Tesla nach Warburg holen

In Kalifornien warten heute schon Tesla-Fahrzeuge auf ihre Auslieferung an die Kunden. Derzeit ist der Elektroauto-Hersteller auf der Suche nach einem Standort für ein europäisches Werk und favorisiert Deutschland. Die SPD im Kreis Höxter hat Warburg als möglichen Standort ins Gespräch gebracht.

In Kalifornien warten heute schon Tesla-Fahrzeuge auf ihre Auslieferung an die Kunden. Derzeit ist der Elektroauto-Hersteller auf der Suche nach einem Standort für ein europäisches Werk und favorisiert Deutschland. Die SPD im Kreis Höxter hat Warburg als möglichen Standort ins Gespräch gebracht. Foto: dpa

Von Marius Thöne und Ralf Benner

Warburg (WB). Werden in Warburg schon bald Tesla-Elek­troautos gebaut? Betriebsräte von Benteler, Phoenix Contact und der SPD-Kreisverband haben sich dafür stark gemacht, ein Werk des amerikanischen Autobauers an die Diemel zu holen.

Tesla sucht europäischen Werksstandort

Hintergrund ist, dass Tesla derzeit auf der Suche nach einem europäischen Werksstandort ist. Entstehen könnten 400 Arbeitsplätze. Tesla-Chef Elon Musk hatte Deutschland in einer Twitter-Nachricht als »führend« bei der Standortwahl in Europa bezeichnet und hinzugefügt: »Vielleicht wäre es an der deutsch-französischen Grenze sinnvoll, nahe den Benelux-Ländern«. Daraufhin hatte sich Ende Juni das Saarland als Standort beim Elektroauto-Pionier ins Gespräch gebracht.

»Wir können das hier auch«, ist sich der SPD-Kreisvorstand um den Warburger Christoph Dolle sicher. Die Sozialdemokraten stellten ihre Idee von der Ansiedlung einer »zukunftsweisenden Branche« in der Höxteraner Kreisgeschäftsstelle vor. Demnach könnte Tesla sich auf der Fläche zwischen Warburg und Dössel ansiedeln, die vor knapp 20 Jahren schon einmal für ein BMW-Werk im Gespräch war, das dann später aber in Leipzig gebaut wurde.

Benteler-Gesamtbetriebsratsvorsitzender Christian Schachten nannte die Nähe zum Warburger Werk des Zulieferers einen großen Standortvorteil. »Wir produzieren heute schon Batteriewannen«, sagte er. Und Achsen, wie sie in Warburg hergestellt würden, könnten auch in einem Elektroauto verbaut werden. Auch die Geschäftsführung unterstütze den Vorstoß der Betriebsräte und der Kreis-SPD, sagte Schachten. Auch für den Blomberger Hersteller von Steckverbindungen, Phoenix Contact, sei eine Ansiedlung von Tesla interessant, sagte Betriebsrätin Annette Alabus.

SPD will Thema auf Tagesordnung im Warburger Rat setzen

SPD-Kreisgeschäftsführer Rainer Brinkmann sprach darüber hinaus von einer guten Anbindung Warburgs an das überregionale Straßennetz, das durch den Bau einer Straße vom Oberen Hilgen­stock zur Ostwestfalenstraße noch verbessert würde. Außerdem liege Warburg nicht zu weit entfernt von einem Batteriewerk, das Tesla in den Niederlanden betreibt.

Alles in allem sei Warburg ein optimaler Standort. Jetzt wollen die Sozialdemokraten zunächst die Warburger Politik und die Landesregierungen von NRW und Hessen überzeugen, die Idee von der E-Auto-Schmiede in der Börde zu unterstüzen. Anschließend soll eine Bewerbung an Telsa geschickt werden. Im Warburger Rat will die SPD das Thema auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung setzen.

Bürgermeister steht Ansiedlung skeptisch gegenüber

Warburgs Bürgermeister Michel Stickeln steht einer Ansiedlung von Tesla skeptisch gegenüber. Nach seinen Worten wird die Stadt Warburg nun prüfen, ob es Sinn macht, sich zu bewerben. »Ich glaube aber, dass wir derzeit flächenmäßig nicht in der Lage sein werden, die Vorgaben für ein Tesla-Werk zu erfüllen, auch wenn die genauen Rahmenbedingungen noch nicht bekannt sind.«

Geeignete Gewerbeflächen an der geplanten Anbindungsstraße vom Oberen Hilgenstock zur B 252 stünden frühestens 2023 zur Verfügung. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels könne sich die Ansiedlung eines Großkonzerns zudem als Nachteil für die mittelständischen Firmen vor Ort erweisen: »Ich sehe Warburg eher als Standort für den Mittelstand, der würde durch Tesla geschwächt.« Im Nachhinein sei es daher durchaus ein Glück, dass sich ein Konzern wie BMW zur Jahrtausendwende nicht in Warburg ansiedeln konnte.

Ob Tesla Interesse an Warburg haben könnte, ist unklar. Eine Anfrage des WESTFALEN-BLATTES an das Unternehmen blieb bislang unbeantwortet.

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