Sa., 11.08.2018

Keinen Mietvertrag unterschrieben und keine Mietzahlungen geleistet Vermieter droht Post mit Rausschmiss

Das ehemalige Verwaltungsgebäude der Nahrungsmittelwerke hat Vermieter Thomas Fischer für die Post sogar gelb anstreichen lassen. Jetzt drohte er dem Unternehmen aber mit dem Rausschmiss, weil die Miete nicht gezahlt wurde.

Das ehemalige Verwaltungsgebäude der Nahrungsmittelwerke hat Vermieter Thomas Fischer für die Post sogar gelb anstreichen lassen. Jetzt drohte er dem Unternehmen aber mit dem Rausschmiss, weil die Miete nicht gezahlt wurde. Foto: Ulrich Schlottmann

Von Ulrich Schlottmann

Warburg (WB). Die Post hat am Freitag, 10. August, mit ihrem Zustellstützpunkt kurz vor dem Rausschmiss aus den gerade erst bezogenen Räumen am Oberen Hilgenstock in Warburg gestanden. Erst am Nachmittag konnte der Eklat abgewendet werden.

Weil er bis dahin keinen unterschriebenen Mietvertrag in den Händen hielt und auch keine Mietzahlungen geleistet worden waren, kündigte Vermieter Thomas Fischer am Mittag an, »den Strom abzuschalten, die Tore abzuschließen und die Liegenschaft abzusperren«. Damit wäre die Auslieferung von Briefen und Paketen von Warburg aus nicht mehr möglich gewesen. Außerdem forderte Fischer seinen Mieter auf, das Gebäude spätestens zum 30. August zu räumen.

Post: »Es gab Irritationen zwischen dem Vermieter und uns.«

Am Nachmittag konnte die Post dann allerdings – zumindest vorläufig – Entwarnung geben. »Es gab kleine Irritationen zwischen dem Vermieter und uns. Die sind inzwischen aber ausgeräumt. Wir sind unseren Verpflichtungen nachgekommen«, teilte Postsprecher Rainer Ernzer auf Anfrage mit, ohne allerdings auf Details eingehen zu wollen. Die Zustellung von Briefen und Paketen werde ganz normal weitergehen. Es gebe aus seiner Sicht auch keinen Grund, vorzeitig aus den eben erst bezogenen Räumen auszuziehen, sagte Ernzer.

Vermieter Thomas Fischer, der derzeit Urlaub auf Mallorca macht, ist sich nach eigenem Bekunden noch nicht sicher, ob er das Mietverhältnis mit der Post fortsetzen möchte. »Ich werde das alles am Montag mit meinem Kompagnon besprechen. Und wir werden zusammen mit unserem Anwalt eine rechtliche Bewertung der Situation vornehmen«, sagte er im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT.

Auf die Post und speziell auf das für Mietangelegenheiten zuständige Postunternehmen CSG ist Fischer jedenfalls derzeit nicht gut zu sprechen. »So etwas habe ich noch nie erlebt. Wir haben auf den Postkonzern vertraut und sind bitter enttäuscht worden«, so der Immobilienbesitzer.

Vermieter: »Man hat uns hängen gelassen.«

»Wir sind der Post in jeder erdenklichen Weise entgegengekommen, weil sie aus dem Gebäude an der Kasseler Straße heraus musste. Auf Zuruf und im Vertrauen auf das Unternehmen haben wir in die Gebäude der Nahrungsmittelwerke einen sechsstelligen Betrag investiert und innerhalb von drei Wochen alles so hergerichtet, dass die Post einziehen konnte. Aber uns hat man hängen gelassen«, ist Fischer erbost.

Mehrere Fristen hat die CSG nach seinen Worten inzwischen verstreichen lassen. »Erst hieß es, es sei kein Mietvertrag eingegangen. Dann war er plötzlich doch da, aber wir haben ihn nicht unterschrieben zurückbekommen. Unsere Frist endete am Montag vergangener Woche. Auch die letzte Frist bis Freitagmittag hat die CSG verstreichen lassen«, berichtet Fischer. Die Post nutze die Gebäude zwar seit Ende Juni, es seien aber noch keine Mietzahlungen geleistet worden.

Der Vermieter kündigte der Post dann am Freitagmittag an, vor seinem Mieterpfandrecht Gebrauch machen und darüber hinaus die Liegenschaft absperren zu wollen.

Drohung mit dem Rausschmiss zeigt Wirkung

Diese Drohung zeigte offenbar Wirkung: Am frühen Nachmittag erhielt Thomas Fischer auf einem vor Mallorca ankernden Schiff eine E-Mail mit dem unterschriebenen Mietvertrag. Auch eine Zahlungsanweisung für die Mietrückstände soll nach Angaben von Postsprecher Rainer Ernzer am Mittag erfolgt sein. Ob das Geld auf seinem Konto eingetroffen ist, konnte Thomas Fischer aber am Freitagnachmittag noch nicht sagen.

Die Post geht nach den Worten ihres Sprechers nun davon aus, »dass die Sache geklärt ist und es keinen Grund gibt, dass wir dort zum 31. August wieder ausziehen«. Das alles sei etwas unglücklich und holperig gelaufen, gibt Rainer Ernzer zu: »Aber die Post ist ein großer Konzern. Da kann so etwas schon mal passieren.«

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