Do., 11.10.2018

Vergewaltigung in der Ehe: Warburger (40) zu einer Bewährungsstrafe verurteilt Eine Ehe im Ausnahmezustand

Symbolfoto.

Symbolfoto. Foto: dpa

Von Ulrich Pfaff

Warburg (WB). Es ist eine Geschichte mit tragischem Hintergrund. Und genau diesem hat es ein 40-jähriger Warburger zu verdanken, dass er nicht wegen Vergewaltigung seiner Ehefrau ins Gefängnis muss. Eine Bewährungsstrafe hielt das Landgericht Paderborn für die Tat für angemessen.

Tod des Sohnes warf das Ehepaar aus der Bahn

Die Verhandlung vor der 1. Großen Strafkammer bot einen Einblick in eine Ehe, die ein schreckliches Ereignis nicht überstand. Der 2002 geborene älteste Sohn des Paares war 2014 gestorben – an den Folgen eines möglicherweise fahrlässigen Verhaltens des Personals, das den schwer behinderten Jungen hatte transportieren sollen.

Die Eltern – sie haben zwei weitere gemeinsame Kinder – warf das Ereignis völlig aus der Bahn. Der jetzt 40-jährige Familienvater stürzte in tiefe Depression, musste mehrmals stationär behandelt werden. Die 38-jährige Mutter hatte ebenfalls seelisch schwer mit dem Verlust des Kindes zu kämpfen. Die Bewältigung der Trauer gelang beiden nicht, und so zerbrach die Ehe.

An einem Tag im Januar 2015, den weder die 38-Jährige noch ihr Mann exakt benennen konnten, war es dann zu dem Vorfall gekommen, wegen dem der 40-Jährige gestern auf der Anklagebank im Landgericht saß: Er soll abends im ehelichen Bett seine Frau festgehalten und sie zum Sex gezwungen haben.

Der Angeklagte selbst stritt nicht ab, dass dies geschehen sein könnte. »Es gab sexuelle Kontakte zwischen uns. Wir waren ja noch verheiratet. Aber meine Frau hat gesagt: Du hast mich vergewaltigt.«

Bedrohungen und aggressive Ausbrüche

Er sei »wie fremdgesteuert« gewesen in dieser schweren Zeit, weil er den Tod seines Sohnes nicht habe verarbeiten können – er habe Schuldgefühle gehabt, auch der Umgang zwischen ihm und seiner Frau sei sehr belastend und von Streit geprägt gewesen. »Mir ging es damals sehr schlecht«, sagte der 40-Jährige. Er habe auch versucht, die Ehe wieder zu kitten, weil er sich geschämt habe, sich zu trennen. »Das war für mich das Schlimmste, was es gibt.«

Wie zerrüttet das Verhältnis zwischen den ehemaligen Ehepartnern tatsächlich ist – die Ehe ist mittlerweile geschieden –, davon bekam auch die Strafkammer eine Kostprobe. Die Anschuldigungen wegen der Vergewaltigung, sagte der Angeklagte, seien für seine Ex-Frau der Versuch, »mich komplett loszuwerden«.

Die 38-Jährige wiederum betonte im Zeugenstand: »Er rüttelt immer wieder alles auf. Er macht mich vor den Kindern schlecht.« Es habe Bedrohungen und aggressive Ausbrüche seinerseits auch nach der Trennung gegeben – einer davon hatte schließlich eineinhalb Jahre nach der Tat erst zu deren Anzeige geführt. Deshalb hatte die 38-Jährige einen nicht ganz leichten Stand bei ihrer Zeugenaussage: Richter Dr. Christian Thewes fand die Begleitumstände der Anzeigenerstattung und der Schilderung des Tathergangs zunächst widersprüchlich und fragte häufig auch kritisch nach.

Allerdings gab der Vorsitzende später in der Urteilsbegründung auch klar zu verstehen, dass dies nicht aus Misstrauen gegenüber dem Opfer geschehen sei: »In einer Aussage-gegen-Aussage-Situation muss man besonders viel Augenmerk auf die Widersprüche legen. Das ist erforderlich, um ein falsches Urteil zu verhindern.«

Bewährungsstrafe und 1000 Euro Bußgeld

So glaubte die Kammer der 38-Jährigen, dass der Übergriff im Ehebett tatsächlich gegen ihren erklärten Willen stattgefunden hatte. Da sich der Angeklagte in einer länger anhaltenden psychischen Ausnahmesituation befunden habe und die Tat auch nicht aktiv leugne, könne man an dem für Vergewaltigung zu verhängenden unteren Strafrahmen bleiben: Zwei Jahre Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurden – der 40-jährige Warburger ist damit strafrechtlich unbescholten und lebt aktuell in einer neuen Partnerschaft.

Der Mann muss auch Unterhalt für die Ex-Frau und die Kinder tragen. Eine Geldbuße von 1000 Euro als Bewährungsauflage wurde ihm vom Gericht auferlegt, die muss er nun an eine Kindereinrichtung zahlen.

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