Do., 06.12.2018

Gehege besteht seit 60 Jahren – Vater und Sohn teilen Liebe zu Tieren Der mit dem Wisent spricht

Als Kind hat Hans-Josef Böning seinen Vater zum Füttern der Wisente begleitet. Mittlerweile ist er selbst seit 29 Jahren Wisentwart in Hardehausen – und sein Vater begleitet ihn ab und zu. Das Wisentgehege, das zum Regionalforstamt Hochstift gehört, besteht seit 60 Jahren. Für die Zukunft wünscht sich der 59-Jährige, dass noch viele Kälber in Hardehausen zur Welt kommen.

Als Kind hat Hans-Josef Böning seinen Vater zum Füttern der Wisente begleitet. Mittlerweile ist er selbst seit 29 Jahren Wisentwart in Hardehausen – und sein Vater begleitet ihn ab und zu. Das Wisentgehege, das zum Regionalforstamt Hochstift gehört, besteht seit 60 Jahren. Für die Zukunft wünscht sich der 59-Jährige, dass noch viele Kälber in Hardehausen zur Welt kommen. Foto: Charlotte Fricke

Von Charlotte Fricke

Warburg (WB). »Wenn es den Wisenten gut geht, bin ich glücklich«, sagt Hans-Josef Böning und wirft einige Äpfel auf die Wiese. Sofort kommen die imposanten Tiere an den Zaun gelaufen, um zu sehen, was er Leckeres für sie dabei hat. Hans-Josef Böning ist seit 29 Jahren Wisentwart im Hardehausener Gehege. Vor ihm hatte sich bereits sein Vater um die Tiere gekümmert.

1990 hatte Hans-Josef Böning die Aufgabe von seinem Vater Johannes Böning übernommen. »Ich bin mit den Wisenten groß geworden. Am Wochenende bin ich mit meinem Vater mitgekommen, um die Tiere zu füttern. Schon immer fand ich die Wisente sehr eindrucksvoll«, sagt der Kleinenberger. Heute begleitet ihn sein Vater noch oft ins Gehege und gibt ihm Ratschläge.

Lehre als Forstwirt

Hans-Josef Böning begann 1973 im Wisentgehege eine Lehre als Forstwirt beim Staatlichen Forstamt Neuenheerse. Danach arbeitete er als Maschinenführer für die Landesforstverwaltung Nordrhein-Westfalen. Nach seiner Prüfung zum Forstwirtschaftsmeister übernahm Hans-Josef Böning, dessen Geburtsjahr 1958 gleichzeitig das Gründungsjahr des Wisentgeheges ist, schließlich den Posten als Wisentwart.

»Im Laufe der Jahre habe ich viele schöne Dinge mit den Wisenten erlebt. Kein Tag ist wie der andere, und nach so langer Zeit erkennt man auch die Verwandtschaftsgrade. Sie leben nämlich ihr ganzes Leben über in einem sehr engen Familienverbund. Ich konnte auch schon beobachten, dass Kühe ihre Töchter, wenn diese selbst ein Kalb bekommen, bei der Geburt begleiten«, berichtet der Wisentwart.

Wenn Hans-Josef Böning morgens ins Gehege kommt, gibt er den Tieren zuerst ihr Futter, eine Mischung aus Mais, Zuckerrüben, Quetschhafer und Mineralfutter. Dann zählt er sie durch und überprüft den Gesundheitszustand. Die Zäune um die Gehege kontrolliert er täglich. Manchmal muss auch ein Wisent auf den Transport in ein anderes Gehege vorbereitet werden. Auch die Säuberung der Futter- und Fanganlagen steht an.

203 Kälber wurden in Hardehausen geboren

»Im Sommer kommt es manchmal vor, dass morgens eine Kuh fehlt. Sie hat sich dann wahrscheinlich zur Geburt ihres Kalbes zurückgezogen«, erklärt der 59-Jährige, der jeden Wisent mit Namen kennt. 203 Kälber wurden in den vergangenen 60 Jahren in Hardehausen geboren. Hans-Josef Böning hat fast alle gekannt: »Es ist immer schön, wenn ein Kalb wohlauf ist.«

Der Forstwirtschaftsmeister hat aber auch weniger gute Tage im Gehege miterlebt. »2007 haben wir ein Drittel der Herde an die Blauzungenkrankheit verloren. Wir hatten keine Möglichkeit, den Tieren zu helfen. Einen Impfstoff gab es nicht«, erinnert sich Böning.

31 Wisente in zwei Herden

Zurzeit leben 31 Wisente in zwei Herden in Hardehausen, 16 Flachlandwisente und 15 Bergwisente. Auch Wildschweine, Rotwild und weißes Rotwild sowie eine Rückzüchtung der Tarpan-Wildpferde bewohnen das Hammerbachtal. Sie alle werden an 365 Tagen im Jahr vom Gehegeteam, zu dem auch Bernhard Meier und Falk Röling gehören, betreut.

»Für die Zukunft wünsche ich mir, dass noch viele Kälber in Hardehausen zur Welt kommen und dass die Wisentzucht noch weiter vorangetrieben wird«, so Böning. Denn obwohl es mittlerweile um die 7000 Wisente auf der Welt gibt, ist die Art noch lange nicht vor dem Aussterben gerettet.

Im Dezember wird Hans-Josef Böning einen Wisentbullen verabschieden: Egomundus aus der Bergwisentherde, der in den Tierpark Sababurg umzieht. Dafür wird ein Bulle von der Sababurg nach Hardehausen kommen.

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