Sa., 12.01.2019

Fluss wird bei Germete auf einer Länge von 850 Metern renaturiert Diemel bekommt ein neues Bett

Die Diemel bekommt bei Germete bis spätestens 2021 ein neues Bett. »Strahlursprung Nummer 254« nennen die Experten das Projekt. Seltene Tier- und Pflanzenarten sollen sich an dem Gewässer wieder ansiedeln.

Die Diemel bekommt bei Germete bis spätestens 2021 ein neues Bett. »Strahlursprung Nummer 254« nennen die Experten das Projekt. Seltene Tier- und Pflanzenarten sollen sich an dem Gewässer wieder ansiedeln. Foto: Jürgen Vahle

Von Jürgen Vahle

Warburg-Germete (WB). Die Diemel bei Germete soll in den kommenden Jahren auf einer Länge von 850 Metern ein neues Bett bekommen. Entsprechende Pläne des Diemelwasserverbandes sind am Donnerstagabend im Germeter Bezirksausschuss vorgestellt worden.

Anja Siekmann vom Planungsbüro UIH aus Höxter hat sie präsentiert. Betroffen ist der Diemelabschnitt, der sich von der Grenze des Segelflugplatzes unter dem Heinberg bis 200 Meter vor die Diemelbrücke erstreckt. Das Land gehört der Stadt Warburg.

Der Fluss, neben der Weser der größte im Kreis Höxter, ist dort um das Jahr 1860 begradigt worden. Ziel war es damals, mehr Ackerland zu gewinnen und zu verhindern, dass bei Hochwasser Geröll und Sediment auf die Flächen geschwemmt werden.

Begradigung war nachteilig für die Natur

Aus Sicht des heutigen Naturschutzes ein Fehler, denn dieser Eingriff in den natürlichen Wasserverlauf vor mehr als 150 Jahren hatte Folgen. Die Zahl der Tier-, Pflanzen-, Baum und Vogelarten, die normalerweise an solchen Mittelgebirgsflüssen wie der Diemel vorkommen, ging stark zurück. Das Diemeltal wurde deutlich anfälliger für Hochwasser.

Bereits in den 90er Jahren hat der Kreis Höxter nach einem entsprechenden Gutachten beschlossen, Flüsse wie die Diemel zumindest in Abschnitten wieder zu renaturieren. Bis 2025 soll das erledigt sein, stellte Ulrich Klare vom Bauamt der Stadt (auch Diemelwasserverband) klar. Für die Diemel bei Germete seien bereits im Haushalt 2019 der Stadt Warburg entsprechende Mittel eingestellt worden, berichtet Germetes Ortsvorsteher Willi Vonde. Das neue Flussbett solle dann spätestens 2021 gegraben werden.

Zwei Varianten zum Ausbau sind möglich

Zwei Ausbauarten stehen derzeit noch in der Diskussion. Die geschätzten Kosten liegen je nachdem, welche Variante gewählt wird, zwischen 400.000 und 730.000 Euro. 85 Prozent der Kosten trägt das Land NRW.

Daten und Fakten

Die Diemel befördert jede Menge Wasser aus dem Sauerland in Richtung Weser. In Höhe des Ortes Germete fließen bei Niedrigwasser pro Sekunde die Füllmenge von etwa zehn Badewannen in Richtung Osten. Bei Hochwasser sind es pro Sekunde bis zu 1000 Badewannenfüllungen. Derzeit hat die Diemel dort ein Gefälle von 2,5 Promille; nach der Renaturierung von 2,2 (Variante 1) oder 1,7 (Variante 2) Promille.

Bei der günstigeren Renaturierungsart würde der Flusslauf so verändert und geschwungen, dass seine Länge in diesem Abschnitt von 850 auf 970 Meter Länge anwächst. In der Diemel, die jetzt fast durchgehend eine Tiefe und ein Gefälle hat, würden sich dann auch Kiesbänke, Totholzzonen und tote Nebenarme befinden. Diese Variante wird vom Diemelwasserverband und auch vom Germeter Bezirksausschuss bevorzugt. Zum einen, weil sie deutlich günstiger ist, zum anderen, weil in dem Gebiet verlaufende Wasser-, Strom und Abwasserleitungen sowie Kanäle nicht angetastet werden müssen. Außerdem können wertvolle Erlen- und Weidenbestände erhalten bleiben.

Einstimmiges Votum

In der zweiten Variante, die am Donnerstag im Germeter Bezirksausschuss ebenfalls vorgestellt wurde, würde die Flusslänge in dem Abschnitt von 850 auf 1250 Meter Länge ausgeweitet. Die entsprechenden Leitungen, die vor allem die Firma Germeta ver- und entsorgen, müssten dann teuer verlegt werden, machte Willi Vonde deutlich.

Nach dem einstimmigen Votum des Germeter Ortsparlamentes werden die Planungsvarianten jetzt der Bezirksregierung und dem Kreis Höxter zur weiteren Genehmigung vorgelegt – mit Priorität für Variante 1.

Ein Kommentar von Jürgen Vahle

Ist die Renaturierung der Diemel ein Vorzeigeprojekt für Naturschützer? Was bringt die Investition von mehreren hunderttausend Euro der Stadt? Fragen, die im Germeter Bezirksausschuss kritisch angeklungen sind. Hier ausschließlich auf Wasserrahmenrichtlinien zu verweisen, ist zu kurz gesprungen. Natürlich hat eine renaturierte Diemel nicht nur Vorteile für die Natur, sondern bietet auch Chancen für die Stadt – und zwar im Tourismus. Schon heute ist das Gebiet um den Heinberg für Wanderer spannend. Mehrere Wege führen über ihn oder an ihm vorbei. Wenn es gelingt, die Diemelauen beispielsweise durch Infotafeln oder Trittsteinwege für Wanderer und Familien erlebbar zu machen, wäre das ein weiterer Pluspunkt im Wanderwegenetz.

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