Sa., 16.02.2019

Forscher finden auf Hammerhof deutschlandweit seltene Insekten Kleine Käfer, große Entdeckung

Von Charlotte Fricke

Hardehausen (WB). Der Bergwald-Laufkäfer ist nur wenige Zentimeter groß und durch seinen schwarzen Panzer sehr unauffällig. Träfen Spaziergänger im Wald auf das Insekt, würden sie es wahrscheinlich gar nicht wahrnehmen. Doch dieser Käfer ist etwas ganz Besonderes.

»Eine spektakuläre Angelegenheit«, nennt ihn Patrick Urban, Biologe und Insektenspezialist aus Bielefeld. Er hat den Bergwald-Laufkäfer, wissenschaftlich Carabus sylvestris, im Hardehausener Wisentgehege gefunden – obwohl diese Art bisher noch nie in Nordrhein-Westfalen und den angrenzenden Bundesländern nachgewiesen wurde. In Deutschland gibt es nur wenige weitere Orte, an denen der Bergwald-Laufkäfer lebt.

Und nicht nur das: »Wir haben im Wald der Wisente noch weitere spektakuläre Funde gemacht, die bald veröffentlicht werden«, verspricht Patrick Urban. Zusammen mit weiteren Insektenkundlern der Arbeitsgemeinschaft Westfälischer Entomologen forscht er seit zwei Jahren ehrenamtlich im Hardehausener Wisentgehege. »Die Zusammenarbeit ist durch den Naturfilmer Ulrich Haufe, der sowohl mit den Entomologen als auch mit dem Waldinformationszentrum Hammerhof in Kontakt steht, entstanden«, berichtet Jan Preller, Förster beim Waldinfozentrum.

Wald seit 1958 nicht mehr bewirtschaftet

»Der Wald der Wisente wird wie vor tausenden von Jahren durch große Pflanzenfresser geprägt«, erläutert Urban. Der Wald wird seit 1958 nicht mehr bewirtschaftet. Daher finden sich besondere Strukturen und viel Totholz. »Die vielfältigen Strukturen, die man in dem Wald antrifft, schaffen Möglichkeiten zur Ansiedelung für viele Tierarten wie Vögel, Säugetiere und eben Insekten«, so der Biologe. Die Zusammensetzung der Arten in Hardehausen sei bemerkenswert.

Dass in Hardehausen auch seltene Dungkäfer, darunter auch sogenannte Urwaldrelikt-Arten, vorkommen, ist ebenfalls den Wisenten zu verdanken. Patrick Urban konnte Käfer solcher Arten im Kot der urzeitlichen Rinder und im Holz abgestorbener Bäume nachweisen.

Vielfältige Aufgaben übernehmen diese Käfer und tragen so zu einem intakten Ökosystem bei, wie Patrick Urban erläutert: »Sie fressen den Dung der Wisente und graben den Boden um, dadurch werden Nährstoffe in der Erde angereichert und den Pflanzen zur Verfügung gestellt. Sie reinigen das gesamte System, verhindern die Ausbreitung von Krankheiten und reduzieren erheblich den Methanausstoß der Dunghaufen.« Wisente und Dungkäfer profitieren somit gegenseitig voneinander.

Alkoholmischung lockt Insekten an

Einige der in Hardehausen gefundenen Käfer sind so selten, dass es für sie nicht einmal einen deutschen Namen gibt. Ebenso vielfältig wie die Insektenwelt in Hardehausen sind aber auch die Methoden, die die Entomologen anwenden, um die Artenvielfalt zu erforschen.

Um Dungkäfer zu finden, wäscht Patrick Urban den Dung der Wisente in Wasser aus, präpariert die Käfer und bestimmt dann deren Arten. In morschen Ästen sucht er mit der Hand nach den Insekten. Auch mit ungewöhnlichen Mischungen versucht er, die Tiere anzulocken. »Ein Mix aus Rotwein, Likören und einer großen Menge Zucker imitiert Baumsäfte und lockt beispielsweise Schmetterlinge an«, sagt Urban.

Funde werden ausgestellt

»Dem Wald der Wisente sind noch lange nicht alle Geheimnisse entlockt«, meint Jan Preller, »und es gibt wenige Waldgebiete, die vergleichbar stark im Monitoring sind.« Biodiversität im Hammerbachtal bedeute nicht nur, dass dort das größte europäische Landsäugetier lebe – sondern eben auch winzige Insektenarten.

Um den Besuchern des Waldinformationszentrums die Insektenvielfalt Hardehausens näherzubringen, kann jetzt ein Schaukasten mit einer kleinen Auswahl der Käferfunde im Hammerhof angeschaut werden, eine kleine Ausstellung soll folgen. Am 3. Mai nimmt Urban in der Langen Nacht der Insekten Interessierte mit zu einer seiner Erkundungstouren im Gehege.

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